Israels Premierminister Benjamin Netanyahu | Bildquelle: REUTERS

Wahlkampf in Israel "König Bibi" bangt um die erneute Krönung

Stand: 06.04.2019 10:48 Uhr

Im Wahlkampf inszeniert sich Israels Premierminister Netanyahu als erfolgreicher Staatsmann. Er befindet sich aber gleichzeitig in der schwersten Krise seiner Karriere.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

An der Klagemauer in Jerusalem streckt der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro seine Hände aus. Er hält sie an die Mauer. Dann senkt er seinen Kopf. Die Fotografen warten auf den perfekten Moment.

Neben Bolsonaro steht Israels Premierminister Benjamin Netanyahu. Er schaut in Richtung der Kameras. Er lächelt. Dann streckt auch er seine Hände aus und senkt seinen Kopf. Die Kameras klicken - die Szene spielt sich mitten im israelischen Wahlkampf ab.

Netanyahu einen Medienprofi zu nennen, wäre vielleicht noch eine Untertreibung. In den Wochen vor der Wahl traf er sich auffällig häufig mit Staatsmännern wie Bolsonaro, Russlands Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump.

"Ich danke meinem Freund Donald Trump", sagte Netanyahu vor kurzem in einer Ansprache. "Diese besondere Verbindung, die ich zu den Staatsmännern der Welt habe, ist keine Selbstverständlichkeit. Seit Jahren arbeite ich daran, und meine Kontakte helfen mir, unsere Sicherheit und Zukunft zu sichern. Die Politik, die ich gemeinsam mit meinen begabten Parteifreunden des Likud anführe, hat Israel das beste Jahrzehnt seiner Geschichte gebracht."

Brasiliens Präsident Bolsonaro und Israels Premierminister Netanyahu an der Klagemauer in Jerusalem. | Bildquelle: dpa
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Im Wahlkampf zeigt sich Netanyahu oft mit anderen Staatsmännern wie Jair Bolsonaro...

US-Präsident Donald Trump und Israels Premierminister Benjamin Netanyahu | Bildquelle: dpa
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...oder US-Präsident Donald Trump. So will er seine guten Kontakte zu den Großen der Welt herausstellen.

Seine Anhänger sprechen von "dunklen Mächten"

An manchen Häusern in Israel hängen Wahlplakate, die Netanyahu mit Trump zeigen. Nur mit Netanyahu, steht auf den Plakaten, spiele Israel in der ersten Liga. Es ist Netanyahus Verteidigungslinie in der größten Krise seiner politischen Karriere. Der Generalstaatsanwalt will den Premierminister in gleich mehreren möglichen Korruptionsfällen anklagen.

In Deutschland wäre die Kanzlerin in so einem Fall wohl längst zurückgetreten. In Israel aber halten viele Wähler zu dem Mann, den seine Anhänger den "König von Israel" nennen. "Für uns kommt bei den Wahlen nur Bibi Netanyahu in Frage", sagt ein älterer Mann in der Innenstadt von Tel Aviv. "Der Generalstaatsanwalt ist ein Jurist, der von dunklen Mächten mobilisiert wurde. Bibi hat für Israel Dinge erreicht, die keinem Politiker vor ihm gelungen sind: in der Wirtschaft, der Außenpolitik und der Sicherheit."

Kaum Interviews, keine Nachfragen

Netanyahu gibt den meisten israelischen Medien keine Interviews. Wie Trump wittert er eine Verschwörung linker Journalisten, die ihn aus dem Amt drängen wollen. Schon lange, bevor es Facebook und Twitter gab, fand Netanyahu Wege, seine Wähler abseits der Medien zu erreichen. Heute hat er das perfektioniert, zum Beispiel mit einem eigenen Internet-Sender seiner Likud-Partei.

Zur besten Sendezeit aber setzt Netanyahu voll und ganz auf die israelischen Fernsehsender. Dann spricht er staatstragend zu den "Bürgern Israels". Nachfragen von Journalisten, etwa zu den möglichen Korruptionsfällen, sind nicht vorgesehen.

"Die Linken wissen, dass sie uns bei unseren ganzen Erfolgen nicht in den Wahllokalen besiegen können", verkündet Netanyahu dann. "Deshalb verfolgen sie mich seit drei Jahren politisch. Es ist eine noch nie dagewesene Hexenjagd, die nur ein Ziel hat: die rechte Regierung mit mir an der Spitze zu stürzen. Und die linke Regierung von Yair Lapid und Benny Gantz an die Macht zu bringen."

Wahlsieg wäre historisch

"Blau-Weiß", die Wahlliste von Lapid und Gantz, könnte laut Umfragen die meisten Stimmen bekommen. Trotzdem könnte Netanyahu mit einem politisch rechten Bündnis als Wahlsieger hervorgehen. Im Sommer würde er den Staatsgründer David Ben Gurion ablösen - als Premierminister mit der insgesamt längsten Amtszeit. Seine Gegner würden verzweifeln. Seine Anhänger würden ihn feiern, als "König von Israel".

Der politische Überlebenskampf von Netanyahu
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
04.04.2019 15:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. April 2019 um 05:51 Uhr.

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