Antony Blinken | AP

Neuer US-Außenminister Blinken Credo: Kooperation

Stand: 26.01.2021 20:41 Uhr

Der US-Senat hat den Biden-Vertrauten Blinken als neuen Außenminister bestätigt - ein Mann, der in Europa aufgewachsen ist und auf multilaterale Zusammenarbeit setzt. Die größte Herausforderung sieht er in Asien.

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

Sie kennen sich bestens, vertrauen sich anscheinend blind: der amerikanische Präsident Joe Biden und sein Außenminister Antony Blinken, den er "Tony" nennt. "Er wird Moral und Vertrauen ins Außenministerium zurückbringen", sagte Biden über Blinken. Dorthin, wo dessen Karriere in der Regierung anfing.

Das war unter dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Und auch die kommenden Präsidenten hielten an Blinken fest - egal, wo sie politisch standen: George W. Bush und Barack Obama. Nur während der Regierung von Donald Trump wechselte Blinken die Seiten, gründete ein Unternehmen für strategische Politikberatung und eine Investmentgesellschaft. Jetzt also wieder Regierung.

"Wir können nicht alle Probleme der Welt allein lösen", so Blinken. "Wir müssen mit anderen Ländern zusammenarbeiten, wir brauchen deren Kooperation." Das zieht sich wie ein Credo durch seine Reden: Zusammenarbeit.

In Paris aufgewachsen

Europa kennt Blinken bestens. Aufgewachsen ist er in Paris und spricht nahezu akzentfrei Französisch. Er stammt aus einer Diplomatenfamilie, deren Wurzeln in Flucht und Verfolgung liegen. "Für meine Familie war Amerika ganz wörtlich die letzte gute Hoffnung auf der Erde", sagte er einmal.

Seine jüdischen Großeltern waren aus Ungarn geflohen. Sein Stiefvater überlebte vier Jahre in Konzentrationslagern wie Majdanek und Auschwitz - am Ende gerettet von einem amerikanischen GI. Für ihn, so Blinken, sei die Familiengeschichte prägend für seine politische Arbeit.

Das ist es, wer wir sind, wie wir uns der Welt zeigen, auch wenn es nicht perfekt ist. Und das können wir immer noch sein, wenn wir unser Bestes geben.

China als größte Herausforderung

Europa wird er im Blick haben, aber der Schwerpunkt seiner Arbeit als Außenminister wird woanders liegen: in Asien. Ohne Zweifel, sagt er, stelle China von allen Ländern die größte Herausforderung für die USA dar.

Und das meint er gleich in mehrfacher Hinsicht: Militärisch und strategisch geht es um Dominanz im Südchinesischen Meer und das Verhältnis zu Taiwan. In der technologischen Entwicklung droht China dem Silicon Valley in den USA den Rang abzulaufen. Und schließlich geht es darum, wer wirtschaftliche Führungsmacht in der Welt ist. "Präsident Trump hatte Recht damit, eine härtere Haltung gegenüber China einzunehmen", sagt Blinken.

Auf dem Tisch hat er aber sehr viel mehr Themen, die er von seinem Vorgänger erbt und die ihm zum Teil von Mike Pompeo in den letzten Tagen noch in den Weg gelegt wurden: Das Verhältnis und die neuen Sanktionen gegen Kuba gehören dazu, außerdem der Umgang mit dem Iran und nicht zuletzt eine mögliche Bedrohung durch Nordkorea.

 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. Januar 2021 um 19:43 Uhr.