Bernie Sanders beim Parteitag der Demokraten in Philadelphia

Bernie Sanders im Porträt Der Favorit für den "Super Tuesday"

Stand: 03.03.2020 18:09 Uhr

Er ist 78 Jahre alt, jüdischen Glaubens - und er will US-Präsident werden. Die Umfragen sehen den "demokratischen Sozialisten" Sanders bei der Kandidatenkür am "Super Tuesday" vorne.

Von Claudia Sarre, ARD-Hörfunkstudio Washington

Samstag in Virginia, Sonntag in Kalifornien und am Montagabend in Minnesota im Mittleren Westen: Seit Monaten tourt Bernie Sanders pausenlos kreuz und quer durch die USA und schwört seine meist jungen Anhänger auf seinen - potenziellen - bevorstehenden Wahlsieg ein.

Seine Themen: mehr soziale Gerechtigkeit, eine allgemeine Krankenversicherung, gesetzlicher Mindestlohn und, wie er in Kalifornien forderte, mehr Engagement im Klimaschutz: "Trump schadet nicht nur uns, sondern der ganzen Welt. Trump denkt, Klimaschutz ist ein Schwindel. Und ich denke, Trump ist ein Schwindel!"

Aus kleinen Verhältnissen

Ein enormer Kampfgeist, fuchtelnde Hände und seine schlohweißen Haare sind die Markenzeichen des 78-Jährigen. Sanders stammt aus einer polnischen Einwandererfamilie aus Brooklyn im Bundesstaat New York.

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Seine politische Karriere begann als Bürgermeister in Burlington, Vermont. Anfang der 1990er-Jahre zog er dann erst als Abgeordneter, dann als Senator für seinen Staat in den Kongress ein. Als Unabhängiger wohlgemerkt - das verschaffte ihm eine gewisse Distanz zu den Demokraten.

2016 scheiterte Kandidatur

Schon 2016 macht er als Anti-Kandidat Wahlkampf - mit einem linken Programm. Wie heute elektrisierte Bernie damals vor allem junge Leute. Hillary Clinton konnte die Nominierung nur gewinnen, weil sie sich seine Ziele zu eigen machte: "Bernie Sanders und ich werden zusammenarbeiten, um das College gebührenfrei und die Mittelschicht schuldenfrei zu machen."

Bernie Sanders und Hillary Clinton
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Sanders zog 2016 seine Kandidatur zurück und stellte sich offiziell hinter seine Rivalin Hillary Clinton.

Clinton verlor, und viele von Bernies Anhängern glauben heute noch, dass er es gegen Trump geschafft hätte. Vier Jahre später ist die Lage komplizierter. Sanders ist nicht mehr der einzige mit einem linken Programm. Zum Amtsantritt wäre er mit dann 79 der älteste Präsident der USA. Im Oktober erst hatte er einen Herzinfarkt.

Aber Sanders ist eben auch Kult. In der Saturday Night Live Show wird er von Larry David als weißhaariger mit dem Zeigefinger stechender Wirrkopf parodiert: "Ich habe die beste Woche meines Lebens. O.K., kleine Schlappe in South Carolina, aber ich führe in den Umfragen! Den Wall-Street-Milliardären geht’s an den Kragen! Und wegen des Coronavirus' kommt mir keiner zu nahe!"

Keine Großspender

Seine parteiinternen Konkurrenten warfen ihm zuletzt seine Nähe zu Kuba und anderen kommunistischen Regimen vor. Was Sanders vorhat, klingt - gemessen an US-Maßstäben - tatsächlich nach Revolution: eine Krankenversicherung für alle und eine kostenlose Hochschulausbildung. Dafür will er die Superreichen belangen. Er selbst bekommt nur Geld von Kleinspendern - mit Erfolg. Im Februar sammelte er 46,5 Millionen Dollar ein.

"Schwarz und weiß, Latinos und Asiaten, schwul oder nicht: Wir stehen hinter einem Programm, das uns allen hilft und nicht nur Milliardären und wohlhabenden Spendern", sagt er. Die Umfragen sehen Sanders in vielen der 14 Bundesstaaten, in denen heute gewählt wird, vorne. Aber ob er sich am Ende gegen Donald Trump durchsetzen kann? Daran haben viele gemäßigtere Demokraten Zweifel.

Favorit auch am "Super Tuesday"? Bernie Sanders im Porträt
Claudia Sarre, ARD Washington
03.03.2020 17:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. März 2020 um 12:29 Uhr.

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Claudia Sarre, NDR

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