US-Außenminister Mike Pompeo spricht auf einer Presskonferenz in London. | Bildquelle: REUTERS

Fall Nawalny Pompeo verdächtigt hohe russische Beamte

Stand: 10.09.2020 13:03 Uhr

US-Außenminister Pompeo hält es für wahrscheinlich, dass hohe russische Regierungsvertreter hinter der Vergiftung des Kreml-Kritikers stecken. Der Kreml ist empört: Solche "Andeutungen" seien "inakzeptabel".

Der US-amerikanische Außenminister Mike Pompeo hat es als wahrscheinlich bezeichnet, dass der Giftanschlag auf den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny von hoher Stelle in Moskau angeordnet wurde. Es gebe die "begründete Möglichkeit", dass hochrangige Regierungsbeamte beteiligt gewesen seien, so Pompeo in einem Radio-Interview. Das sei weder gut für Russland noch für das russische Volk, sagte er - und es sei nicht die Art und Weise, wie "normale Länder" heutzutage funktionierten. "Das wird sich für die Russen als kostspielig erweisen."

Pompeo sagte, die EU und die USA hätten der russischen Regierung deutlich gemacht, dass man erwarte, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. "Auch wir werden alles unternehmen, um zu einer Schlussfolgerung darüber zu kommen, wer verantwortlich war." Mit dieser Untersuchung solle auch "das Risiko reduziert werden, dass solche Dinge wieder passieren". Er wolle Präsident Donald Trump aber nicht vorgreifen bei der Frage, wie die US-Regierung auf den Vorfall reagieren werde.

Trump hat sich bisher eher zurückhaltend zum Fall Nawalny geäußert. Vergangene Woche sagte er nach einer Mitteilung der Bundesregierung zum Untersuchungsergebnis im Fall Nawalny, den USA lägen noch keine Beweise vor.

Kreml: Andeutungen "inakzeptabel"

Russland wies den Verdacht Pompeos zurück. "Jede direkte oder indirekte Andeutung einer Verwicklung russischer Regierungsvertreter in diese Affäre" sei "inakzeptabel", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Schon zuvor hatte Moskau wiederholt bestritten, in den Fall verwickelt zu sein. Zudem hätten russische Ärzte keine Hinweise auf eine Vergiftung gefunden. Moskau forderte die Bundesregierung auf, Beweise vorzulegen.

Nawalny wird derzeit in der Berliner Charité behandelt. Ein Speziallabor der Bundeswehr stellte nach Angaben der Bundesregierung "zweifelsfrei" fest, dass der 44-Jährige mit einem chemischen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet wurde. Berlin übergab die Laborbefunde inzwischen an die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), der auch Russland angehört.

Gestern Abend hatten die Außenminister der G7-Staaten, zu denen sowohl die USA als auch Deutschland gehören, die "bestätigte Vergiftung" von Nawalny verurteilt und Moskau aufgefordert, die Täter "dringend" der Justiz zu übergeben. Jede Nutzung chemischer Waffen sei "inakzeptabel".

Pompeo vermutet russische Regierung hinter Vergiftung von Nawalny
Claudia Sarre, ARD Washington
10.09.2020 06:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. September 2020 um 08:00 Uhr.

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