Proteste gegen Polizeigewalt in Paris | AFP

Gewalt gegen Schwarzen in Paris Ermittlungsverfahren gegen vier Beamte

Stand: 30.11.2020 12:52 Uhr

Nach dem brutalen Einsatz gegen einen schwarzen Musikproduzenten in Frankreich ist gegen vier Beamte ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Der Fall hatte für Entsetzen gesorgt, es gab massive Proteste.

Wegen des Angriffs auf einen Schwarzen in Paris ist gegen vier Polizisten ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Das melden die Nachrichtenagenturen AFP und dpa unter Berufung auf Justizkreise.

Drei der Beamten werden unter anderem rassistische Gewalt durch Amtspersonen, Hausfriedensbruch und Dokumentenfälschung vorgeworfen. Dem vierten Beamten werden etwa Gewalt durch Amtspersonen und Sachbeschädigung zur Last gelegt. Zwei von ihnen kamen laut dpa in Untersuchungshaft, zwei weitere befinden sich demnach unter Justizaufsicht.

Ein solches Ermittlungsverfahren kann am Ende zu einem Strafprozess führen, falls die Ermittler ausreichend Beweise gegen die Beschuldigten sehen. Andernfalls können sie das Verfahren auch wieder einstellen.

Geschlagen, getreten und rassistisch beleidigt

Ein am Donnerstag veröffentlichtes Video des Vorfalls hatte landesweit für Empörung und Proteste gesorgt: Videoaufnahmen aus einer Überwachungskamera zeigen, wie die Polizisten den Mann im Eingang seines Studios geschlagen, getreten und rassistisch beleidigt haben. Die vier Beamten wurden daraufhin suspendiert und in Gewahrsam genommen.

Einer von ihnen wird beschuldigt, eine Tränengasgranate in den Keller des Gebäudes geschmissen zu haben, in dem der Angriff stattfand.

Gegenüber Ermittlern hatten die vier Polizisten angegeben, der Produzent habe auf der Straße keine Corona-Schutzmaske getragen und sei dann übergriffig geworden. Zecler selbst sagte, die Polizisten hätten ihn ohne jeden Grund angegriffen.

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin hatte die Entlassung der Polizisten gefordert, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Sie hätten "die Uniform der Republik beschmutzt". Er selbst soll sich nun unter wachsendem politischen Druck in der Nationalversammlung zu den Vorfällen erklären.

Entsetzen in ganz Frankreich

Der Fall hatte in ganz Frankreich für Entsetzen gesorgt. Nach Fußballstars wie Antoine Griezmann und Kylian Mbappé zeigte sich auch Präsident Emmanuel Macron entsetzt über die Videobilder.

Am Samstag gingen landesweit mehr als 100.000 Menschen gegen Polizeigewalt auf die Straße.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. November 2020 um 09:00 Uhr.

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Moderation 30.11.2020 • 18:14 Uhr

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