Polizisten in Paris

Brennpunktviertel in Frankreich Mehr Polizisten, mehr Sicherheit?

Stand: 26.10.2018 17:07 Uhr

Polizisten sollen in Frankreichs Brennpunktvierteln mehr Präsenz zeigen - selbst in Schulen könnten laut Regierung Beamte eingesetzt werden. Besuch bei einer Streife in einem "quartier sensible".

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Einsatzbesprechung auf dem kleinen Parkplatz hinter der Polizeiinspektion in Corbeil-Essonnes: Drei Streifen, insgesamt 16 Beamte, gehen gleich auf Tour. Ihr Einsatzgebiet ist das Brennpunktviertel "Les Tarterets" ein Stück oberhalb des Bahnhofs. Erst gestern Nacht wurden die Polizisten in diesem Viertel mit Steinen beworfen. Manchmal, erzählt Einsatzleiterin Hanem Hamouda, fliegen auch selbstgebaute Molotowcocktails.

Das Viertel sei typisch für die Kriminalität der Pariser Vorstädte, sagt sie. "Es geht um Drogenhandel. Und alles, was hier sonst passiert, hängt damit zusammen. Die Gewalt gegen die Polizei soll uns von Kontrollen abhalten. Viele Bewohner fühlen sich nicht mehr sicher, weil ständig Dealer vor ihren Hauseingängen rumlungern. Das vergiftet die Stadt."

"Die respektieren nichts und niemanden"

Im Streifenwagen, einem Sechs-Sitzer-Bus, steht eine Kiste mit Tränengaspatronen. Die Polizisten tragen kugelsichere Westen. Die Scheiben des Busses sind aus bruchsicherem Plexiglas, die Türen von innen verstärkt. Nur so ausgerüstet fahren die Polizisten noch in die "quartiers sensibles" - in die Brennpunktviertel.

Sie wollten nicht provozieren, sagt Polizist Maxime. Das alles diene der eigenen Sicherheit. "Es ist eine schwierige Stadt. Wir versuchen, mit den Jugendlichen zu sprechen, aber das ist fast unmöglich." Mit den Älteren gehe es manchmal, mit den ganz Jungen auch. "Aber die Generation, die um das Jahr 2000 geboren wurde, das geht gar nicht. Die respektieren nichts und niemanden. Da ist ein Gespräch unmöglich."

Maxime ist seit acht Jahren Polizist in Corbeil-Essonnes, seitdem fährt er hier Streife. Vor einem Hauseingang von einem der hohen Wohntürme lungern ein paar junge Männer. Die Streifen halten an. Es ist ein bekannter Drogenumschlagplatz. 16 Polizisten kontrollieren fünf Jugendliche und finden in einem Versteck ein paar Meter weiter drei kleine Tütchen mit Haschisch. Die Kontrolle läuft friedlich.

Mehr Sicherheit durch mehr Präsenz?

"Im Rahmen der neuen Maßnahme der Polizei zur Sicherung des Alltags haben wir mehr Personal bekommen", sagt Polizist Stéphane. "Wir können unsere Einsätze jetzt besser sichern. Auf eine Person, die wir kontrollieren, kommt ein Polizist. Und die anderen Beamten sichern die Aktion ab."

Mehr Sicherheit durch mehr Präsenz ist das Konzept hinter dem Begriff der Polizei zur Sicherung des Alltages. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will, dass die Polizisten - gerade in Brennpunktvierteln - die Kriminalität in den Griff bekommen. Gleichzeitig sollen sie Vertrauen zu den Bewohnern aufbauen.

Das sei schwierig, sagt allerdings Polizist Stéphane. "Wir haben hier zum Beispiel einen Hausmeister. Wenn er uns sieht, dann zieht er die Rollläden runter. Er hat Angst, mit uns zu sprechen, denn dann bedrohen ihn die Jugendlichen." Es gebe Leute, die vielleicht gerne mit ihnen reden würden. "Aber sie haben Angst."

Mit Briefträgern sprechen, mit Eltern

Deshalb hat die Polizei von Corbeil-Essonnes ihre Streifengänge erhöht, ist jetzt schon früh morgens unterwegs. Die Beamten sprechen Eltern vor den Schulen an, sprechen mit den Briefträgern, mit Leuten, die einkaufen. Ganz unverfänglich.

Trotz dieser Sichtbarkeit, da ist Stéphane sicher, wird es dauern, bis die Bewohner der schwierigen Viertel Vertrauen fassen und bis die Kriminalität zurückgeht. "Seit Jahren läuft hier etwas gewaltig schief. Und es wird mit Sicherheit doppelt so lange dauern, bis das Gleichgewicht wiederhergestellt ist."

Mehr Nähe, mehr Sicherheit? Auf Streife mit der Polizei zur Sicherung im Alltag
Sabine Wachs, ARD Paris
26.10.2018 15:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 26. Oktober 2018 um 17:00 Uhr.

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