US-Außenminister Rex Tillerson bei einem Besuch in Polen. | Bildquelle: AFP

Russisches Erdgas für Deutschland Auch USA kritisieren Nord Stream 2

Stand: 27.01.2018 17:14 Uhr

Polen kritisiert schon lange die geplante Gaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland - nun äußert auch US-Außenminister Tillerson Bedenken. Er sprach von einer energiepolitischen Bedrohung für Europa.

Die USA und Polen haben gemeinsam den geplanten Ausbau der Ostsee-Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland kritisiert. "Polen und die USA sind gegen Nord Stream 2, weil es die allgemeine Sicherheit und die energiepolitische Stabilität Europas bedroht", erklärte US-Außenminister Rex Tillerson in Warschau. Die Leitung am Meeresboden der Ostsee sei nicht gesund für die Stabilität der europäischen Energieversorgung, sondern gebe Russland ein Werkzeug in die Hand, Energielieferungen als politisches Druckmittel einzusetzen. Dies sei Teil eines russischen Plans, so Tillerson.

Auch Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki und Außenminister Jacek Czaputowicz wiederholten ihre Warnung vor einer Abhängigkeit von Russland. "Wir teilen die Ansicht, dass es nötig ist, die Energieversorgung Europas breit zu fächern", sagte Czaputowicz.

Polen kritisiert seit Jahren das Ostseepipeline-Projekt, bei dem es Deutschland eine egoistische Politik vorwirft. Nord Stream 2 ist eine geplante weitere Gas-Pipeline von Russland durch die Ostsee nach Deutschland, unter Umgehung Polens und der Ukraine. Eine erste Pipeline existiert bereits.

Ostseepipeline in Lubmin
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Die erste Ostseepipeline Nord Stream bei Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern.

USA wollen ihrerseits Flüssiggas liefern

Die USA drängen ihre Verbündeten und Partner in Europa seit Jahren, ihre Abhängigkeit von russischem Erdgas zu verringern. Die Vereinigten Staaten dürften dabei nicht ganz uneigennützig agieren: Sie wollen ihrerseits die eigenen Flüssiggas-Exporte in die Länder Mittel- und Osteuropas ausbauen. Im Juni 2017 hatte Polen die erste Lieferung aus den USA enthalten.

Tillerson sicherte Polen bei seinem am Freitagabend begonnenen zweitägigen Besuch die Unterstützung der USA gegenüber Russland zu. Polens Außenminister äußerte bei dem Treffen den Wunsch nach weiteren US-Soldaten im Land. Die Anwesenheit von US-Truppen gebe den Polen ein Gefühl der Sicherheit. "Wir wollen, dass diese Präsenz noch größer wird und wir wollen, dass sie dauerhaft wird", sagte er. Die USA haben im Rahmen zweier Einsätze seit vergangenem Jahr rund 5000 Soldaten in Polen. Tillerson lobte das Gastgeberland: "Polen ist ein wunderbarer, demokratischer Verbündeter der Vereinigten Staaten", sagte er dem regierungsnahen polnischen Fernsehsender TVP Info.

Die EU dagegen sieht die Unabhängigkeit der polnischen Justiz nach mehreren Gesetzesänderungen bedroht und hat im Dezember erstmals in der EU-Geschichte ein Sanktionsverfahren eingeleitet, durch das Polen seine Stimmrechte verlieren könnte.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Januar 2018 um 20:00 Uhr in den Nachrichten.

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