Klaudia Jachira

Kritik an Polens Regierung Satire unerwünscht

Stand: 05.06.2018 05:32 Uhr

Polens nationalkonservative Regierung greift gegen Kritiker im Land durch. Vor allem Satiriker bekommen das zu spüren. Zwei von ihnen sollen jetzt vor Gericht gestellt werden.

Von Martin Adam und Olaf Bock, ARD-Studio Warschau

Kritik an der derzeitigen polnischen Regierung ist zwar unerwünscht. Davon lassen sich viele Satiriker im Land jedoch nicht stören. Sie machen weiterhin Programm gegen den nationalkonservativen Kurs der regierenden PiS-Partei.

Die Satire findet vor allem auf dem Internet-Video-Portal Youtube statt und sieht unter anderem aus wie in einem Video der Satirikerin Klaudia Jachira: Die Kamera wackelt, das Fernsehstudio ist aus Papier selbstgebastelt, im Hintergrund sind grob ausgeschnittene Papierbuchstaben zu erkennen. Zu sehen ist das Logo des staatsnahen Fernsehens. Jachira beginnt ihre Ansage zu dem folgenden Programm mit übertrieben sanfter Stimme. Sie sagt:

"Hier ist das Frühlingsprogramm des polnischen Fernsehens. 6 Uhr: 'Guten Morgen' mit der Antikorruptionsbehörde. 7 Uhr: Frühstück mit Verhör. 9 Uhr: 'Geld aus der Staatskasse abzweigen- leicht gemacht' und um 10 Uhr 'Den Religionslehrer befriedigen - ein Programm für unsere jungen Zuschauer.'"

Lachen verboten - Satiriker in Polen
Europamagazin, 04.06.2018, Olaf Bock, ARD Warschau

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Sticheln gegen die PiS-Regierung

Jachira tritt in dem Video in ihrer Paraderolle als vermeintlich loyale Mitarbeiterin des Staatsfernsehsenders TVP auf. Sie stichelt gegen die PiS-Regierung und gegen die öffentlich-rechtlichen Medien in Polen. Denn diese haben, aus Sicht der 30-Jährigen, jede Distanz zu Staat und Kirche aufgegeben.

Doch ihre Satiresendung wird für Jachira jetzt zu einem Problem. Weil sie im Video auf Youtube das TVP-Logo zeigt, hat der Intendant des Senders sie verklagt. Sie habe Markenrechte verletzt, so die Begründung.

Zwei Jahre Haft möglich

Für Jachira ist das schwer nachvollziehbar. "Es ist ja auch im polnischen Recht durchaus erlaubt, für Satire fremde Logos zu verwenden", sagt sie. "Der TVP-Intendant findet aber, ich hätte kein Satire-Video gemacht. Denn ich hätte schließlich gar nicht gelacht."

Jachira gehört zum polnischen Satire-Nachwuchs. Ihre Videos gibt es ausschließlich online zu sehen. Ihr Youtube-Kanal hat nur gut 5000 Abonnenten. Damit, dass sie dafür vor Gericht kommen könnte, hat sie nicht gerechnet. Damit, dass ihr für ihr Filmchen bis zu zwei Jahre Haft drohen, erst recht nicht.

"Ich dachte immer, dass ich zur glücklichsten polnischen Generation seit 200 Jahren gehöre", sagt Jachira. "Die, die immer in einem freien Land leben wird." Jachira sagt, sie bekomme Gänsehaut, wenn sie über das Thema spreche. Denn sie liebe das freie, das europäische, das offene Polen. "Doch dann kam die PiS, die alle Werte, die für mich so wichtig waren, vernichtet hat."

Antoni Szpak
galerie

Dem Kabarettisten Antoni Szpak drohen wegen einer Zeitungskolumne bis zu drei Jahre Gefängnis.

Antoni Szpak
galerie

"Sogar im Kommunismus bin ich weder vor das Gericht noch vor den Staatsanwalt gezerrt worden", so Szpak.

"Beleidigung des polnischen Volkes"

Auch Antoni Szpak hatte eine Klageschrift im Briefkasten. Der Kabarettist hatte in einer Zeitungskolumne das innige Verhältnis von Kirche und Staat kritisiert. Nach einer Feier des katholischen Senders "Radio Maryja", bei der etliche hochrangige Politiker zu Gast waren, hatte Szpak geschrieben, so etwas könne nur in einem "blöden und spießigen Land" passieren. Dafür könnte er bis zu drei Jahre ins Gefängnis gehen - wegen "öffentlicher Beleidigung des polnischen Volkes".

Szpak sagt, ihn erinnere das an längst vergangenen Zeiten. "Sogar im Kommunismus bin ich weder vor das Gericht noch vor den Staatsanwalt gezerrt worden. Ich dachte, dass es bei uns jetzt läuft wie im Westen. Danach haben wir ja auch immer gestrebt. Und plötzlich zeigt sich, dass wir uns im Kreis gedreht haben." Der Kabarettist sagt, Polen komme "dem untergangenen System" wieder näher.

Vor 1989 hätten die Menschen in Polen Politik und Mangelwirtschaft nur durch Lachen ertragen können, so Szpak. Heute gebe es ein 35 Seiten langes Rechtsgutachten über seine Kolumne, in dem ihm Staatsfeindlichkeit belegt werden soll. In Auftrag gegeben wurde das Gutachten von der Staatsanwaltschaft. Zu einem Interview mit der ARD war dort niemand bereit.

Robert Gorski als Jaroslaw Kaczynski | Bildquelle: rbb
galerie

Der Schauspieler Robert Gorski als Jaroslaw Kaczynski in der Sendung "Das Ohr des Parteivorsitzenden".

Robert Gorski | Bildquelle: rbb
galerie

Gorski ist bisher nicht verklagt worden. "Wir graben mit unserem Team einen Tunnel ins Gefängnis."

Kauziger, einsamer Strippenzieher Kaczynski

Doch bissige Satire gibt es nach wie vor in Polen. "Das Ohr des Parteivorsitzenden" ist ein Format, das sich gnadenlos den PiS-Vorsitzenden Jaroslaw Kaczynski vornimmt. Obwohl Kaczynski ein einfacher Abgeordneter ist und über kein offizielles Regierungs- oder Parlamentsamt verfügt, gilt er als die graue Eminenz der polnischen Regierung.

In der Satire-Serie, die über Youtube regelmäßig mehrere Millionen Zuschauer erreicht, wird Kaczynski vom Schauspieler Robert Gorski als kauziger, einsamer, aber sehr mächtiger Strippenzieher dargestellt. Gorski und sein Team sind bisher nicht verklagt worden. Sie solidarisieren sich jedoch deutlich mit ihren Kollegen. "Wenn unser Kollege verurteilt wird, bin ich der erste, der sich zum Gericht begibt, um dort zu protestieren und ihn aus Feindeshand zu befreien", sagt Gorski im Ton eines Satirikers. "Wir graben mit unserem Team einen Tunnel ins Gefängnis oder greifen das Gebäude einfach gleich am hellichten Tage an."

Klaudia Jachira
galerie

Die Satirikerin Jachira: "Viele große Kabaretts haben längst aufgehört, die politische Lage zu kommentieren."

Allein die Strafandrohung erzielt Wirkung

Ob es für Klaudia Jachira und Antoni Szpak tatsächlich zum Prozess kommt, ist unklar. Beide wurden bereits von der Polizei verhört. Doch auch ohne Urteil erziele schon allein die Strafandrohung Wirkung, so Jachira. "Viele große Kabaretts haben längst aufgehört, die politische Lage zu kommentieren", sagt sie. "Sie befassen sich jetzt mit Massenkultur, verkleiden sich lustig, es geht ausschließlich um Mann-Frau-Beziehungen und Alkohol."

Sie selber, so sagt Jachira, bleibe dann doch lieber bei der Politik.

Satire vor Gericht
Martin Adam, ARD Warschau
04.06.2018 16:28 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete das Erste am 03. Juni 2018 um 12:45 Uhr im "Europamagazin". Am 05. Juni 2018 berichtete MDR aktuell (Hörfunk) um 03:23 Uhr.

Korrespondent

Martin Adam Logo rbb

Martin Adam, rbb

Korrespondent

Darstellung: