Eine Kuh und ein Storch auf einer Weide in Polen (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / Arco Images G

Staatspräsident für Tierschutz Polen will die "wilden Rinder" retten

Stand: 29.05.2019 17:31 Uhr

In Polen wird über eine Gruppe frei lebender Rinder gestritten. Tiermediziner sehen in ihnen eine Gefahr. PiS-Parteichef Kaczynski aber kämpft für die wilde Herde.

Von Jan Pallokat, ARD-Studio Warschau

Von Deszczno bis Küstrin an der deutschen Grenze sind es gut 50 Kilometer, und so spielt sich das Drama um die sogenannten "freien Kühe" in direkter Nachbarschaft ab. Eines aber, das aus Sicht von Tierschützern wohl schon bald ein gutes Ende finden könnte. Denn PiS-Parteichef Kaczynski, dessen Wort in Polen bekanntlich besonderes Gewicht hat, legte sich für die vermeintlich totgeweihte Kuh-Herde ins Zeug – im staatlichen Fernsehen.

"Ich habe interveniert, weil es für mich selbstverständlich ist, dass man diese Kühe retten muss", sagt er. "Das ist eine Frage der Humanität und eine Frage der Beziehungen unserer Regierung zu Menschen, die Tiere lieben." Er wolle, dass die Menschen wüssten: Die Regierung teilt ihre Empfindungen und auch unter Politikern gibt es aktive Tierfreunde.

Landwirt lässt Rinder einfach frei

Einer von ihnen ist Katzenfreund Kaczynski selbst. Er hat zwei Tiere, und während der Beratungen zur Justizreform wurde er auch schon mit Katzen-Bildband gesichtet. Die freien Kühe von Deszczno indes geistern schon länger durch die polnischen Medien. Sein Besitzer fühlte sich schon vor Jahren vom Staat im Stich gelassen und entschloss sich, seine Tiere weitgehend sich selbst zu überlassen. Wie sich zeigte, gediehen sie aber auch ohne tägliche Pflege gut. Auf 170 oder 180 Tiere ist die Herde etwa angewachsen. Die Angaben unterscheiden sich. Stattliche Männchen nebst Hörnern sind darunter.

Warum nun der Amtsschimmel aufbrach und sich Veterinäre der quasi herrenlosen Herde annahmen, ist nicht ganz bekannt. Jedenfalls erblickten Tiermediziner in den freien, aber auch ungeimpften Kühen eine Gefahr für regulär gehaltene Rindviecher in der Region. Und der Landwirtschaftsminister versprach, das Problem mit den Kühen zu lösen.

EU-Regeln schreiben Abschuss vor

Schon ging die Nachricht durchs Land und Internet, bereits am Wochenende würden die Tiere von Amts wegen getötet. Das führte teils zu großer Aufregung. Aus ganz Polen gingen Angebote ein, einzelne Tiere zu adoptieren. Tierschützer waren sehr bald in Deszczno selbst zur Stelle und errichteten einen behelfsmäßigen Zaun.

"Die Kühe sind jetzt auf einem eingezäunten Grundstück", sagt eine von ihnen. "Sie stören niemanden, und zumindest der Aspekt der Gefahr für die Bewohner ist damit erledigt."

Wie das Drama um die freien Kühe nun ausgehen wird, ist noch nicht ganz klar. Aber die Chancen steigen quasi stündlich, dass sie noch weiter grasen und wiederkäuen dürfen. Denn selbst der Staatspräsident meldete sich nun auf Twitter zu Wort. "Obwohl die EU-Vorschriften uns zwingen, die Tiere zu töten", schrieb Andrzej Duda, "werden wir eine Lösung finden: Polak potrafi – wir Polen schaffen das, und drücken der Herde die Daumen."

Polen bangt um „freie“ Rinder
Jan Pallokat, ARD Warschau
29.05.2019 20:24 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete der Sendung Kontraste im Ersten am 24. Mai 2019 um 21:45 Uhr.

Darstellung: