Amstinhaber Duda lässt sich feiern auf einer Wahlparty nach der ersten runde der Präsidentenwahl in Polen. | dpa

Präsidentenwahl in Polen Duda muss in die Stichwahl

Stand: 29.06.2020 12:21 Uhr

Amtsinhaber Duda holte die meisten Stimmen, für einen Sieg in der ersten Runde der polnischen Präsidentenwahl reichte es jedoch nicht. Sein Konkurrent in der Stichwahl ist der Liberale Trzaskowski.

Von Jessica Chmura, ARD-Studio Warschau

Es kam am Sonntagabend wie erwartet: Polens Präsidentenwahl geht in eine zweite Runde. Keiner der insgesamt elf Kandidaten konnte die notwendige Mehrheit von 50 Prozent der Stimmen holen.

Nach Auszählung fast aller Wahlkreise setzte sich der von der Regierungspartei PiS unterstützte Amtsinhaber Andrzej Duda mit knapp 44 Prozent durch - vor dem liberalen Warschauer Oberbürgermeister Rafal Trzaskowski von der Bürgerplattform mit gut 30 Prozent. An Platz drei folgte mit fast 14 Prozent der frühere TV-Entertainer Szymon Holownia. Er war als parteiloser Kandidat angetreten.

Duda wirbt um rechte Wähler

Der Mann des Rechtsaußen-Bündnisses "Konföderation", Krzystof Bosak, bekam zwar nach ersten Einschätzungen nur rund sieben Prozent der Stimmen. Aber er heizte unmittelbar, nachdem die Wahl-Lokale um 21 Uhr geschlossen hatten, den Kampf für die Stich-Wahl an. Die PiS und die Bürgerplattform seien ein "Koloss auf tönernen Füßen" - eine "neue, entstehende, wahre Kraft" sei hingegen die "Konföderation". "Obwohl die anderen in diesen Wahlen noch mehr Wähler angezogen haben, gewinnen wir ein größeres Interesse der Gesellschaft. Wir haben die größte Wachstumsdynamik, wir sind die Zukunft, wir sind die ideelle Rechte."

Und um deren Stimmen warb direkt nach Bekanntgabe der ersten Prognosen Polens amtierender Präsident Duda. Er sagte auf seiner Wahlparty in Lowicz, er habe ein ähnliches Ziel wie Bosak: nämlich ein starkes, sicheres Polen. Und deshalb seien dessen Anhänger nun gut bei ihm aufgehoben, so Duda. Er bedankte sich außerdem bei seinen Wählerinnen und Wählern:

"Unabhängig davon, für welchen meiner Gegenkandidaten Sie gestimmt haben, danke ich von ganzem Herzen dafür, dass Sie zu den Wahlen gegangen sind. Denn es ist sehr wichtig, dass wir aktiv in den polnischen Fragen entscheiden, dass wir dieses demokratische Recht nutzen." Das Wahlrecht sei das wichtigste demokratische Recht, so Duda: "Denn es führt zur Gestaltung der Demokratie und dazu, dass der Staat nach dem Willen der Mehrheit der Bürger regiert wird."

Trzaskowski will "Kandidat der Veränderung" sein

Dagegen ist sich Herausforderer Rafal Trzaskowski sicher, dass er eine Chance aufs Präsidentenamt hat - und darauf, Andrzej Duda in der Stichwahl am 12. Juli zu besiegen. In einer ersten Stellungnahme sagte der 48-Jährige in Warschau: "Das Wichtigste, was dieses Ergebnis zeigt, ist, dass über 58 Prozent unserer Gesellschaft eine Änderung wollen. Und ich will all diesen Bürgern heute klar sagen, ich werde Euer Kandidat sein! Ich werde der Kandidat der Veränderung sein."

Für die rechtsnationale Regierungspartei PiS ist die Abstimmung richtungsentscheidend. Eine zweite Amtszeit ihres Favoriten Duda würde das Machtmonopol der Partei bis zur nächsten Parlamentswahl 2023 untermauern. Ein Sieg Trzaskowskis dagegen würde sie deutlich schwächen. Unter anderem will er nämlich die umstrittene Justizreform rückgängig machen, wegen der gegen Polen mehrere EU-Verfahren laufen.

Hohe Wahlbeteiligung

Und noch eine wichtige Zahl: Trotz der Corona-Schutzmaßnahmen wollten viele Polinnen und Polen wählen. Nach ersten Einschätzungen der Wahlkommission gaben mehr als 60 Prozent der etwa 30 Millionen Berechtigten ihre Stimme ab. Für die Stichwahl in zwei Wochen wird ein knappes Ergebnis erwartet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Juni 2020 um 09:00 Uhr.