Ein Fleischmarkt in Polen | Bildquelle: AFP

Kranke Tiere geschlachtet EU ermittelt in polnischem Fleischskandal

Stand: 01.02.2019 17:39 Uhr

Ein Schlachthof in Polen soll heimlich kranke Tiere getötet haben. Tonnenweise gelangte das Fleisch in Umlauf - auch in andere EU-Staaten. Warschauer Behörden schließen Gesundheitsrisiken zwar aus. Dennoch ermittelt die EU-Kommission.

Die EU-Kommission hat wegen eines Fleischskandals auf einem Schlachthof in Polen Ermittlungen eingeleitet. Kontrolleure sollen am Montag nach Polen reisen, um die Situation zu analysieren, erklärte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde.

Die Fabrik in der Woiwodschaft Masowien, gegen die polnische Behörden inzwischen unter anderem wegen illegaler Schlachtung ermitteln, sei geschlossen, hieß es. Etwa 9,5 Tonnen Fleisch seien in Umlauf gelangt, ein Drittel davon ins EU-Ausland.

Mindestens 14 Länder betroffen

Ein Gesundheitsrisiko besteht nach Angaben der Behörden nicht. Das Fleisch werde zurückverfolgt und vom Markt genommen. Mindestens 14 Länder sind betroffen, darunter auch Deutschland.

Hintergrund ist ein Bericht des polnischen Nachrichtensenders TVN24 über skandalöse Praktiken in einem Schlachthaus in der Woiwodschaft Masowien. Dort sollen kranke Tiere heimlich geschlachtet und das Fleisch in Umlauf gebracht worden sein. Ein Reporter hatte sich bei der Firma als Arbeiter eingeschleust.

EU-Flaggen wehen vor dem Gebäude der Europäischen Kommission in Brüssel. | Bildquelle: dpa
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Hauptsitz der Europäischen Kommission in Brüssel. Kontrolleure sollen am Montag nach Polen reisen.

"Das war ein illegales Prozedere"

Der Leiter des polnischen Hauptveterinäramts, Pawel Niemczuk, bestätigte die rechtswidrigen Praktiken: "Das war ein illegales Prozedere in der Nacht, als es keine Veterinäraufsicht gab."

Laut EU-Kommission sind nach bisherigem Stand außer Polen auch Deutschland, Frankreich, Spanien, Estland, Finnland, Ungarn, Lettland, Litauen, Rumänien, die Slowakei, Schweden, Tschechien und Portugal betroffen. Das Ausmaß ist noch nicht vollends klar, wie es hieß.

Polnische Behörden nehmen das Fleisch und die Produkte wegen der illegalen Schlachtung vom Markt, schlossen eine Gefahr für Gesundheit und Leben von Menschen jedoch aus. Das Fleisch und daraus erzeugte Produkte könnten verzehrt werden, teilten Veterinär- und Sanitäramt nach Untersuchungen mit.

Kritik aus Tschechien

Polens Landwirtschaftsminister Jan Krzysztof Ardanowski sprach aber von einem Einzelfall. Dieser Betrug schade dem Ruf polnischer Lebensmittel enorm, kritisierte er. Warschau kündigte als Reaktion verschärfte Kontrollen von Schlachtbetrieben an.

Der tschechische Landwirtschaftsminister Miroslav Toman kritisierte im Fernsehen die Informationspolitik Warschaus. "Man hatte uns mehrmals versichert, dass die Fleischlieferungen nicht nach Tschechien gegangen seien", sagte er.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Februar 2019 um 14:30 Uhr in den Nachrichten.

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