Zentrum der belarusischen Solidarität" in Warschau | Bildquelle: ARD

Belarusische Opposition Zuflucht in Warschau

Stand: 06.10.2020 21:25 Uhr

Viele Belarusen suchen inzwischen nach einer Möglichkeit, das Land zu verlassen. Ein Ziel ist Polen. In Warschau gibt es ein eigenes Zentrum für Geflüchtete aus Belarus.

Von Olaf Bock, ARD-Studio Warschau

Andrej Ostapowitsch fühlt sich jetzt in Sicherheit. Im Warschauer "Zentrum der belarusischen Solidarität" hat der 27-Jährige Hilfe und Unterstützung bekommen. Seine Flucht nach Polen war eine Odyssee, die ihn viel Kraft und Energie gekostet hat.

Alles begann für den jungen Ermittler bei den Justizbehörden mit einem kritischen Bericht, den er über die Proteste in Belarus schrieb. In dem offiziellen fünfseitigen Papier schilderte er ausführlich seine Beobachtungen von der Niederschlagung friedlicher Proteste der belarusischen Regierungsgegner.

"Woher kommen diese Leute?"

Ausgeführt häufig von maskierten, nicht klar identifizierbaren Kräften. "Woher kommen diese Leute, die imstande sind, die anderen so zu schlagen und zu misshandeln?", fragt er. "Es ging damit um Angriffe auf Menschenrechte. Damit war ich nicht einverstanden."

In seinem Bericht beschreibt er detailliert solche Misshandlungen. Aus Sorge um die eigene Sicherheit beschließt er zunächst, nach Moskau zu fliehen. Doch dort wird er von russischen Geheimdienstleuten aufgespürt und auf dramatische Weise nach Belarus zurückgebracht. "Sie haben mich in ein Auto gesetzt, mir die Augen verbunden und Handschellen mit Gewichten angelegt. Die ganze Fahrt hat etwa vier Stunden lang gedauert", erzählt er. Dann flieht er auf dem Landweg in Richtung Polen - tagelang durch Wälder und Flüsse, ohne Nahrung. Schließlich schafft er es bis nach Warschau und hofft nun darauf, hier einen Status als politischer Flüchtling zu bekommen.

Belarusen in Polen
mittagsmagazin, 05.10.2020, Olaf Bock, ARD Warschau

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Hilfe für belarusische Flüchtlinge

Das "Zentrum für belarusische Solidarität" kümmert sich seit diesem September um Menschen wie Andrej. Auch wenn die Umstände ihrer Flucht nicht so dramatisch sind, gibt es immer wieder auch Fälle von Belarusen, die von Sicherheitskräften in Belarus misshandelt wurden und deren Verletzungen in Polen medizinisch versorgt werden müssen.

Eine schwangere Frau habe durch Tritte in den Bauch ihr ungeborenes Baby verloren, erzählt die Belarusin Larissa Karalenka. Sie lebt schon seit einiger Zeit in Warschau. Gerade jetzt suchen viele Menschen Kontakt zu ihrem Zentrum. "Viele Menschen aus Belarus schreiben uns per Brief oder per Messenger. Das sind alles Menschen, die weg wollen und die jetzt Möglichkeiten suchen, um das zu tun. Wir beraten sie, aber die Entscheidung dafür müssen sie selbst treffen", erzählt sie.

Larissa Karalenka und Andrej Ostapowitsch | Bildquelle: ARD
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Hilfe für Belarusen, die in Warschau Zuflucht suchten: Larissa Karalenka und Andrej Ostapowitsch

Polen unterstützt die belarusische Opposition

Vor etwa einem Monat empfing der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki die nach Litauen geflüchtete Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja und sicherte ihr Unterstützung zu. Polen habe schnell reagiert, als die Entwicklung in Belarus nach der offensichtlich gefälschten Wahl immer dramatischer wurde, findet der Leiter der Organisation "Belarusisches Haus", Ales Zarembiuk. "Polen hat bisher die größte Hilfe geleistet - fast elf Millionen Euro. Polen hat das schneller getan als alle anderen."

Besonders freuten sich die Belarussen darüber, dass ihnen die polnische Regierung spontan zusätzlich eine neue Tagungsstätte zur Verfügung stellte. Die Villa diente früher als Botschaft und soll zukünftig für Konferenzen, Buchpräsentationen und Filmvorführungen genutzt werden, erläutert Zarembiuk.

Zentrum der belarusischen Solidarität" in Warschau
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Eine Anlaufstelle für geflüchtete Belarusen: das "Zentrum der belarusischen Solidarität" in Warschau

Zu erwarten ist, dass in den kommenden Monaten noch mehr Belarusen ihre Heimat verlassen, auch in Richtung Polen, meint Larissa Karalenka - darunter viele junge Menschen. So könnte auch ein "brain drain" junger, ausgebildeter Menschen aus Belarus beginnen, wie ihn Polen in der Vergangenheit schon mit Menschen aus der Ukraine erlebt hat.

Für die Menschen aus Belarus und der Ukraine ist Polen ein interessanter Exilort, aus sprachlichen und geographischen Gründen. So ist Polen in dieser  Hinsicht "nah dran" an beiden Nachbarländern.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Mittagsmagazin am 05. Oktober 2020 um 13:20 Uhr.

Korrespondent

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