Ein Mann läuft entlang eines vermüllten Strandes in Mumbai. | Bildquelle: REUTERS

Schritte zum Umweltschutz Indien will Einweg-Plastik verbannen

Stand: 02.10.2019 13:54 Uhr

Strohhalme und Einwegtüten sollen in Indien bald der Geschichte angehören. Mit dem Programm "Clean India" verstärkt die Regierung die Maßnahmen für den Klimaschutz.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Indiens Premierminister Narandra Modi beschwört Mahatma Gandhi - der Vater der Nation wäre heute 150 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat die indische Regierung weitere Maßnahmen für den Umwelt- und Klimaschutz bekannt gegeben. Modis Programm "Swachh Bharat - Clean India" trägt schon seit Jahren die Brille Gandhis als Erkennungszeichen und Logo.

Bislang werde nicht genug getan, sagte Modi. Nun werde Indien die Kapazität erneuerbarer Energien bis zum Jahr 2022 auf 175 GigaWatt erhöhen und später sogar auf 450 GigaWatt. 150 Millionen Familien seien mit Gas versorgt worden, um umweltfreundlicher kochen zu können, und es gebe viele Projekte zur nachhaltigen Nutzung der Wasserressourcen. 50 Milliarden US-Dollar würden dafür ausgegeben, sagte der Premierminister.

Indische Schüler demonstrieren in Kalkutta bei "Fridays for Future" und rufen zu Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels auf. | Bildquelle: REUTERS
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Indische Schüler demonstrieren in Kalkutta bei "Fridays for Future" und rufen zu Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels auf.

Regierung macht Schritt auf Jugendliche zu

Im Einklang mit Gandhi sind künftig Plastiktüten, kleine Plastikflaschen, Strohhalme und andere Einweg-Plastikartikel verboten. Die Jugend Indiens hat Modi damit auf seiner Seite. Vor wenigen Wochen demonstrierten Schulklassen im Rahmen der "Fridays for Future"-Bewegung für eine umweltfreundlichere Politik.

"Wenn Kinder so eine Botschaft verbreiten, sich gegen Plastik aussprechen, dann muss das doch einen Effekt haben. Es geht schließlich um ihre Zukunft", sagt Sunite Gupta, eine Lehrerin die sich an der Demo im Namen Gandhis beteiligte. Ihrer Meinung nach, müssen die Erwachsenen darauf hören, was diese Kinder zu sagen haben.

Auf Mahatma Gandhi haben damals auch nicht alle gehört. Mit gewaltfreiem Widerstand führte er die britische Kolonie in die Unabhängigkeit. Doch die Teilung in die zwei Staaten Indien und Pakistan konnte er nicht verhindern. Viele radikale Hindus machen Gandhi und sein Prinzip der Gewaltfreiheit heute dafür verantwortlich, dass es damals zur Spaltung gekommen ist.

Plastik auf der Straße nicht wegzudenken

Für die Durchsetzung des Plastikverbots wird die Regierung schon ein wenig Druck ausüben müssen. Plastiktüten und Verpackungen sind weit verbreitet. Gerade die kleinen Straßenhändler in Delhi und anderen Städten können sich gar nicht vorstellen, wie es ohne gehen soll.

"Die sollten zuerst mal Druck auf die Hersteller ausüben. Solange die Polyethylen-Tüten produziert werden, landen sie auch hier auf dem Markt. Plastiktüten sind einfach billiger als andere Taschen. Die werden wohl erst verschwinden, wenn sie nicht mehr hergestellt werden", sagte Raju, ein Straßenhändler.

Passanten betrachten die Ware eines eines indischen Straßengeschäftes. | Bildquelle: AFP
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Für Straßenhändler sind Plastiktüten nicht wegzudenken. Täglich legen sie ihre verkaufte Waren in die billigen Tüten.

Unsicherheit macht sich breit in den indischen Haushalten. Wie geht es weiter ohne Plastiktüten? Gilt die Regelung auch für Mülltüten? Und wenn ja, wie soll der künftig entsorgt werden? Bis diese Fragen geklärt sind, werden viele Inder wohl zivilen Ungehorsam leisten - gegen das Plastikverbot. Ganz im Geiste von Gandhi.

Clean India - Regierung Modi verbietet Einweg-Plastik
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
02.10.2019 11:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 02. Oktober 2019 um 13:42 Uhr.

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