Plastikmüll | Bildquelle: dpa

G20-Gipfel in Osaka Das Plastikproblem des Gastgebers

Stand: 23.06.2019 11:56 Uhr

Plastikmüll in den Weltmeeren ist ein zentrales Thema des G20-Gipfels im japanischen Osaka kommende Woche. Der Gastgeber versucht sich im Recycling, hat jedoch noch einige Schritte vor sich.

Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Acht Millionen Tonnen Plastikmüll landen jährlich im Meer. Das heißt: Jede Minute wird die Menge eines Lastwagens ausgeschüttet. Das hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace errechnet. Japans rechtskonservativer Regierungschef Shinzo Abe springt auf diesen Wagen auf: "Das Problem von Plastikmüll im Meer ist eines der größten Themen des G20-Gipfels in Osaka. Um das zu lösen, muss sich die ganze Welt anstrengen."

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Regierungschef Shinzo Abe zu Plastikmüll: "Um das zu lösen, muss sich die ganze Welt anstrengen."

Allen voran Japan: Das Land recycelt zwar 80 Prozent von seinen neun Millionen Tonnen Plastikmüll pro Jahr. Aber das meiste Plastik wird verbrannt, fast 60 Prozent des eingesammelten Plastiks", sagt Hiroaki Odachi von Greenpeace Japan. "Das nennen sie Recycling, weil so Wärme erzeugt wird." Dabei kostet das wieder Energie und ist damit alles andere als umweltfreundlich.

Aus Plastikflasche wird Plastikflasche - zu 100 Prozent

Einer, der sich jahrelang genau darüber Gedanken gemacht hat, ist Eiichi Furusawa. Er steht in einer riesigen Lagerhalle am Rande von Tokio: "Wir recyceln täglich zwei Millionen PET-Flaschen." Und zwar zu 100 Prozent. Der Japaner hat bereits Anfragen aus der ganzen Welt.

Die Plastikflaschen fliegen durch zahlreiche Rohre und landen schließlich auf einem Band. "In diesen Sortiermaschinen werden die ganzen unbrauchbaren Dinge von den Flaschen entfernt wie das Label und der Verschluss, und auch alle farbigen Flaschen werden aussortiert", erklärt Furusawa. Denn die können nicht vollständig recycelt werden. Anders als in Deutschland gibt es in Japan aber nur noch sehr wenige bunte PET-Flaschen.

Ein Gabelstapler transportiert PET-Flaschen zum Recycling im Minato Resource Recycle Center in Tokio. | Bildquelle: REUTERS
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PET-Recycling in Tokio: In Japan gibt es kaum noch bunte Flaschen, weil die aussortiert werden müssen.

Besonders an Furusawas Methode ist: Sie leistet gleich mehrfach einen Beitrag zum Umweltschutz: "Durch das Recyceln von PET-Flaschen kann man zwei Dinge erreichen: Man spart Erdöl und reduziert den CO2-Ausstoß." Denn bei der Wiederverwertung wird nach seinen Angaben 63 Prozent weniger Energie verbraucht als bei der Herstellung einer Originalflasche. In einem rohstoffarmen Land wie Japan ein wichtiger Punkt.

Flaschenproduktion vermeiden

Noch besser wäre es natürlich, von vornherein soweit wie möglich auf Plastikflaschen zu verzichten. Hiroaki Odachi von Greenpeace Japan hat dazu einen einfachen Vorschlag gemacht: "Wir haben die Regierung in Tokio gebeten, Wasserspender in der Stadt aufzustellen, an denen man sich seine eigene Flasche auffüllen und so auf PET-Flaschen verzichten kann."

Eine Entscheidung darüber steht noch aus. Es wäre ein kleiner Schritt voran, ebenso wie der, Japaner künftig für Plastiktüten bezahlen zu lassen. Zugleich zeigt sich daran aber auch, wie weit der eigene Weg des G20-Ausrichters hin zu weniger Plastikmüll ist.

Kampf gegen Plastikmüll - Japans weiter Weg
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
23.06.2019 18:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juni 2019 um 18:22 Uhr in der Sendung "Informationen am Abend".

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