Die "Hansa Stavanger" (undatiertes Archivbild)

Entführte "Hansa Stavanger" Somalia: Bundesregierung stoppte GSG-9-Einsatz

Stand: 02.05.2009 14:31 Uhr

Die Anti-Terror-Einheit GSG 9 war bereits vor Ort, um die von Piraten entführte "Hansa Stavanger" zu stürmen. Doch der Einsatz wurde in letzter Minute gestoppt: Das Risiko für die Geiseln war der Bundesregierung offenbar zu hoch.

Wim Dohrenbusch ARD-Studio Nairobi

Von Wim Dohrenbusch, ARD-Hörfunkstudio Nairobi

Schon seit drei Wochen befindet sich die Elitetruppe der GSG 9 vor der ostafrikanischen Küste, um den von somalischen Piraten entführten deutschen Frachter "Hansa Stavanger" zu befreien. Etwa 200 Mann der Spezialeinheit der Bundespolizei standen mit mehreren Hubschraubern und schweren Waffen auf hoher See bereit, um das Schiff zu stürmen. Doch die GSG 9 hat vergeblich auf einen günstigen Moment für einen Überraschungsangriff gewartet. In letzter Minute wurde nun die Geheim-Aktion gestoppt. Das Risiko für das Leben der 24 Geiseln - darunter fünf deutsche Besatzungsmitglieder - war der Bundesregierung in Berlin offenbar zu hoch.

Die "Hansa Stavanger" (undatiertes Archivbild)

Weiter in Piratenhand: Die "Hansa Stavanger"

Gefährliche Odyssee mit den Geiseln

Das Containerschiff der Hamburger Reederei "Leonhardt und Blumberg" war vor einem Monat vor der somalischen Küste gekapert und verschleppt worden. Die Piraten hatten den Frachter etwa 400 Seemeilen vor der somalischen Hafenstadt Kismayo in ihre Gewalt gebracht und waren zunächst weiter nördlich im Piratennest Haradere vor Anker gegangen. Seitdem ist die Besatzung wiederholt von den Seeräubern an Land verschleppt und wieder zurück an Bord gebracht worden. Auch das Schiff selbst wurde mehrfach entlang der Küste verlegt.

Wurde das GSG-9-Kommando entdeckt?

Bereits eine Woche nach der Entführung war das GSG-9-Kommando mit sechs Hubschraubern unter strengster Geheimhaltung in die kenianische Hafenstadt Mombasa verlegt worden. Dort lag zuletzt auch der Einsatzgruppenversorger "Berlin", das größte Schiff der deutschen Marine, vor Anker. Außerdem hatte das Bundesinnenministerium Ärzte und Mitarbeiter des technischen Hilfswerks nach Kenia geflogen. Möglicherweise hatten die Piraten von der bevorstehenden Befeiungsaktion Wind bekommen. Sie konnten vermutlich jede Schiffsbewegung vor der Küste verfolgen und haben die Bewachung der "Hansa Stavanger" verstärkt.

Bisher offenbar keine Lösegeldzahlungen

Die Reederei hatte sich in Abstimmung mit der Bundesregierung anscheinend zunächst entschieden, nicht auf Lösegeld-Forderungen einzugehen. Angeblich verlangen die Piraten für die Feilassung der "Hansa Stavanger" und ihrer Besatzung rund fünf Millionen US-Dollar. Insgesamt befinden sich derzeit mehr als ein Dutzend Schiffe mit etwa 300 Mann Besatzung in der Hand der Piraten.

Somalia Karte Seychellen Afrika Mogadischu

Somalia Karte Seychellen Afrika Mogadischu

Nach Angaben des internationalen Schifffahrts-Büros haben sich die Piratenangriffe in den letzten Monaten gegenüber dem Vorjahr verzehnfacht. In Mombasa läuft ein Prozess gegen neun somalische Piraten, die im März von der deutschen Fregatte "Rheinland-Pfalz" festgenommen worden waren. Das Verfahren ist auf Ende Mai vertagt worden.