Festnahme mutmaßlicher Piraten | Bildquelle: imago/Belga

Westafrika Deutlich mehr Piratenangriffe

Stand: 16.01.2019 09:04 Uhr

Sie sind oft ohne Perspektive, und schwache Regierungen machen es ihnen leicht - Piraten in Westafrika. Die Zahl ihrer Angriffe hat im vergangenen Jahr weltweit zugenommen, berichtet das Internationale Schifffahrtsbüro.

Die Zahl der Piratenangriffe hat im vergangenen Jahr weltweit deutlich zugenommen. Das Internationale Schifffahrtsbüro der Internationalen Handelskammer zählte 201 Fälle, wie aus einem Bericht hervorgeht. Im Jahr davor waren 180 Angriffe registriert worden. Schwerpunkt der Piraterie ist Westafrika. Die Zahl der Übergriffe im Golf von Guinea habe sich mehr als verdoppelt, hieß es.

Geiselnahmen und Lösegeldforderung

Alle der sechs weltweit gemeldeten Entführungen von Schiffen hätten sich in den Gewässern zwischen der Elfenbeinküste und dem Kongo ereignet. 13 von weltweit 18 beschossenen Schiffen hätten sich in diesem Seegebiet befunden. Auch 130 der 141 Geiselnahmen gingen auf das Konto der Piraten im Golf von Guinea - ebenso wie 78 von 83 entführten Seefahrern mit Lösegeldforderung.

Forderung nach mehr Zusammenarbeit von Anrainerstaaten

Im letzten Quartal 2018 habe es einen signifikanten Anstieg von Gewalt in Westafrika gegeben. Seeräuber hätten Schiffe weit außerhalb der Hoheitsgewässer geentert und Besatzungen nach Nigeria entführt. Es bestehe dringender Bedarf an verstärkter Zusammenarbeit und Austausch von Informationen zwischen den Anrainerstaaten des Golfs von Guinea, sagt ein Sprecher des Schifffahrtsbüros.

Auch vor dem ostafrikanischen Somalia müssen Schiffsbesatzungen weiter auf der Hut sein. Im Golf von Aden hätten Piraten einen größeren und einen kleineren Tanker sowie einen großen Frachter mehr als 300 Kilometer vor der Küste beschossen. Die ständige Präsenz der europäischen und internationalen Marineeinheiten am Horn von Afrika sei weiterhin wichtig, betonte das Schifffahrtsbüro.

Auswärtiges Amt: Schwache Staatlichkeit

Diverse Gebiete und Regionen Afrikas sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes gekennzeichnet durch schwache Institutionen und schwache Staatlichkeit bis zur Gefahr der Staatsauflösung. In vielen Staaten gebe es große und vielfach unkontrollierte Bestände an Kleinwaffen. Fragilität biete in einigen Gebieten, insbesondere in Nordafrika und der Sahelzone, Nährboden für organisierte Kriminalität und nationalen wie internationalen Terrorismus.

Südostasiatische Gebiete sicherer

In den südostasiatischen Seegebieten von Indonesien, Malaysia und den Philippinen verbesserte sich die Sicherheit. Die Patrouillen der indonesischen Marinepolizei, aber auch der Einsatz der philippinischen Küstenwache zeigten Wirkung.

Über dieses Thema berichtete am 16. Januar 2019 Deutschlandfunk24 um 08:00 Uhr in den Nachrichten und MDR Aktuell um 09:30 Uhr in den Nachrichten.

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