Peter Madsen  | Bildquelle: AFP

Lebenslange Haft für Madsen Mord an Wall - "zynisch und geplant"

Stand: 25.04.2018 17:18 Uhr

Das dänische Gericht glaubt ihm die Geschichte vom tragischen Unfalltod der Journalistin Wall nicht. Es verurteilt den Erfinder Madsen wegen Mordes und spricht die Höchststrafe aus.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

"Hiermit wird das Urteil im Rechtsfall gegen Peter Madsen verkündet. Der Angeklagte wird zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das U-Boot 'Nautilus' und alle Gegenstände an Bord bleiben konfisziert", sagte Richterin Anette Burkö kurz nach 13 Uhr.

"Zynisch und geplant"

Das durchaus überraschende Ende eines aufsehenerregenden Prozesses. Gemeinsam mit zwei Schöffen war die Richterin trotz dünner Beweislage zu der Überzeugung gekommen, dass Madsen die zum Tatzeitpunkt 30-jährige Journalistin Kim Wall "zynisch und geplant"  umgebracht hat.

"Lebenslang" - damit ist das Gericht der Staatsanwaltschaft gefolgt und hat die Höchststrafe verhängt. In Dänemark bedeutet das in der Regel um die 15 Jahre Haft. Ein Gnadengesuch wäre frühestens nach zwölf Jahren möglich, dürfte aber angesichts der besonderen Grausamkeit der Tat wohl kaum Aussicht auf Erfolg haben. Der 47-jährige Erfinder und Tüftler war wegen Mordes, sexuellen Missbrauchs und Leichenschändung angeklagt.

Forensiker untersuchen im August 2017 im Hafen von Kopenhagen das U-Boot Madsens. | Bildquelle: AP
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Forensiker untersuchen im August 2017 im Hafen von Kopenhagen das U-Boot Madsens.

Fahrt im selbst gebauten U-Boot

Im vergangenen August war er mit Wall zu einer Fahrt im selbst gebauten U-Boot aufgebrochen. Das Boot sank, er wurde gerettet, sie blieb zunächst vermisst. Tage später wurde ihr Torso an einem Küstenstreifen bei Kopenhagen gefunden. Taucher holten kurz danach weitere Körperteile, Kleidung und den Kopf der Toten aus dem Wasser, der keine Verletzungsspuren zeigte. Damit war Madsens Behauptung widerlegt, nach der Wall vom Turmluk erschlagen worden sei. Im Prozess hatte er dann behauptet, sie sei im Inneren des Schiffes erstickt. Eindeutige Beweise dafür gab es nicht, allerdings auch nicht für Mord und sexuellen Missbrauch.

Wenige Indizien und ein Gutachten

Das Gericht musste sich auf wenige Indizien stützen und auf ein psychiatrisches Gutachten, das Madsen als unglaubwürdig und als potentiellen Gewalttäter beschrieben hatte. Staatsanwalt Jakob Buch Jepsen hatte seine Anklage vor allem auf dieses Gutachten gestützt. Mit dem Urteil ist er einverstanden. "Die Kopenhagener Polizei und Staatsanwaltschaft sind zufrieden mit der Entscheidung des Gerichts", sagt Jepsen. Denn das Gericht sei der Staatsanwaltschaft in allen entscheidenden Punkten der Anklage gegen Peter Madsen gefolgt, er wurde eines geplanten Mordes für schuldig befunden.

Madsens Verteidigerin geht in Berufung

Madsens Verteidigerin Betina Hald Enmark hatte dagegen in den wesentlichen Anklagepunkten auf Freispruch plädiert - mangels Beweisen. Ihre Reaktion: "Mein Mandant und ich sind nicht zufrieden mit der Entscheidung des Gerichtes. Wir gehen deshalb in Berufung. Man wird sehen, wie die nächste Instanz urteilt."

Das letzte Wort im "Fall Madsen" ist also noch nicht gesprochen und noch ist unklar, wie und wann es weitergeht. Fest steht aber, dass Madsen bis auf Weiteres im Gefängnis bleibt.

Höchststrafe für Peter Madsen im U-Boot-Mordprozess
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
25.04.2018 20:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. April 2018 um 17:00 Uhr.

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