Der peruanische Interimspräsident Manuel Merino winkt nach seiner Vereidigung den Mitgliedern des Parlaments zu. | AFP

Nach Protesten in Peru Interimspräsident Merino tritt zurück

Stand: 16.11.2020 05:14 Uhr

Nach nicht einmal einer Woche im Amt tritt Manuel Merino als kommissarischer Staatschef Perus zurück. Tagelang war landesweit gegen den Machtwechsel im Präsidentenamt protestiert worden.

Unter dem Druck massiver Proteste hat der peruanische Interimspräsident Manuel Merino seinen Rücktritt erklärt. Er hatte das Amt damit nicht einmal eine Woche lang übergangsweise inne.

"Ich möchte wie alle, was für unser Land am besten ist", sagte Merino in einer Fernsehansprache. Er rief zu Frieden und Einigkeit auf. Nichts rechtfertige den Tod von Peruanern bei legitimen Protesten. Allerdings seien auch Gruppen beteiligt gewesen, die Chaos hätten säen wollen. Die Vorfälle müssten untersucht werden.

Zuvor war das von der Opposition dominierte Parlament zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengekommen und hatte Merino aufgefordert, seinen Posten aufzugeben.

Merino hatte das Amt des Staatschefs von Martín Vizcarra übernommen. Das Parlament hatte ihn am Montag nach zweieinhalbjähriger Amtszeit wegen Korruptionsvorwürfen und "moralischer Unfähigkeit" abgesetzt. Vizcarra weist die Vorwürfe zurück. Seit dem Wechsel im Präsidentenamt waren mehrere Minister der Übergangsregierung wieder zurückgetreten.

Mindestens zwei Tote bei Protesten

Seitdem gehen in Peru täglich vor allem junge Leute auf die Straße, um gegen die Amtsenthebung Vizcarras zu protestieren. Mehrfach schlugen die Proteste in Gewalt um.

Am Samstag hatten in mehreren Städten des Landes Tausende Menschen demonstriert. Nach gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei hatten die katholische Kirche des Landes sowie Behörden von drei Todesopfern gesprochen. Mittlerweile korrigierten Medizinier diese Angaben: zwei Männer im Alter von 22 und 24 Jahren seien ums Leben gekommen. Menschenrechtlern zufolge seien zudem mehr als 100 Menschen verletzt worden. Auch am Sonntag gingen zahlreiche Menschen in der Hauptstadt Lima auf die Straße. Es gab zunächst keine Berichte über erneute Gewalt.

Merino ist bereits der dritte Präsident des Andenstaates seit 2016. Die nächsten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sollen planmäßig im April 2021 stattfinden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. November 2020 um 20:00 Uhr in den Nachrichten.