Kardinal George Pell bei einer Messe im Vatikan | Bildquelle: REUTERS

Verdacht des Kindesmissbrauchs Vatikan-Finanzchef legt Amt nieder

Stand: 29.06.2017 09:58 Uhr

Kardinal Pell ist Finanzchef im Vatikan und damit einer der höchsten Würdenträger der katholischen Kirche. Angesichts von Missbrauchsvorwürfen hat der Papst-Vertraute nun sein Amt vorübergehend niedergelegt. Er bestreitet aber die Vorwürfe.

Einer der ranghöchsten Kardinäle im Vatikan, Finanzchef George Pell, hat angesichts von Missbrauchsvorwürfen in seiner Heimat Australien sein Amt vorübergehend niedergelegt. Papst Franziskus habe ihm die Erlaubnis für die Auszeit gegeben, um in Australien seine Unschuld zu beweisen, gab Pell bekannt. Die Anschuldigungen seien komplett falsch.

In Australien war kurz zuvor ein Ermittlungsverfahren gegen den 76-Jährigen wegen Missbrauchsverdachts eingeleitet worden. Wie die Polizei im Bundesstaat Victoria mitteilte, muss Pell am 18. Juli zu einer Gerichtsanhörung in Melbourne erscheinen. Es ist das erste Mal, dass gegen einen derart ranghohen Würdenträger im Vatikan wegen Missbrauchsvorwürfen ermittelt wird. Pell ist seit 2014 im Vatikan für den Haushalt zuständig, zuvor war er Erzbischof von Melbourne und Sydney.

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Die australische Polizei und Pell führten nicht näher aus, worum genau es bei den nun zu untersuchenden Vorwürfen geht. Australischen Medienberichten zufolge wird der Papst-Vertraute von zwei Männern bezichtigt, sie Ende der 1970er-Jahre missbraucht zu haben. Zudem soll er sich in den 1980er-Jahren nackt vor drei Jungen gezeigt haben. Pell wies die Vorwürfe zurück und sprach von einer "skandalösen Schmutzkampagne" gegen ihn.

"Keine der gegen Kardinal Pell erhobenen Anschuldigungen ist bislang von einem Gericht überprüft worden", betonte Victorias Vize-Polizeichef Shane Patton. Pell habe "das Recht auf ein faires Verfahren". Die Vorwürfe sind besonders heikel, weil Pell eingeräumt hatte, dass Australiens katholische Kirche über Jahre hinweg den Missbrauch von Kindern heruntergespielt habe. Auch er selbst wurde dafür kritisiert, derartige Fälle unter den Teppich gekehrt zu haben.

Der Papst auf dem Balkon des Petersdoms in Rom | Bildquelle: dpa
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Der Papst rief 2014 ein Gremium ein, das sich um Missbrauchsfälle kümmern soll.

Schlechter Zeitpunkt für den Papst

Für den Heiligen Stuhl kommt das Ermittlungsverfahren äußerst ungelegen. Papst Franziskus rief Ende 2014 innerhalb der Glaubenskongregation im Vatikan ein neues Gremium aus Kardinälen und Bischöfen ins Leben, um die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen und anderen schwerwiegenden Delikten in der katholischen Kirche zu erleichtern.

Ein Mitglied dieser Kinderschutzkommission bezeichnete Pell 2015 als "unhaltbar" in der Funktion des Finanzchefs und nannte ihn mit Blick auf die Behandlung von Missbrauchsopfern "fast soziopathisch". "Ich denke, es ist entscheidend, dass Pell abtritt, dass er zurück nach Australien geschickt wird und dass der Papst die härtesten Maßnahmen gegen ihn ergreift", sagte Peter Saunders - selbst Missbrauchsopfer - damals im australischen Fernsehen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Juni 2017 um 06:00 Uhr.

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