Neuer Großflughafen in Peking geplant Ein Dorf wartet auf die Abrissbagger

Stand: 22.03.2019 15:31 Uhr

Der neue Flughafen von Peking soll einer der größten der Welt werden - mit sieben Start- und Landebahnen. Zwanzig Dörfer müssen dafür umgesiedelt werden. In Deutschland gäbe es vermutlich Widerstand und Proteste. Nicht so in China: Die Bauern können die Abrissbagger kaum erwarten.

Von Ruth Kirchner, ARD-Hörfunkstudio Peking

Das Dorf Nangezhuang liegt rund fünzig Kilometer vom Zentrum Pekings entfernt. Die Hauptstadt wird hier im Süden sehr ländlich. Die Menschen leben vom Mais- und Gemüseanbau - und kommen damit gerade so über die Runden. Jetzt im Winter liegen die Felder brach, der gelbe Mais lagert vor den flachen Wohnhäusern. Nichts deutet darauf hin, dass hier in den nächsten fünf Jahren einer der größten Flughäfen der Welt entstehen soll. Doch das Mega-Projekt ist in aller Munde. "Keiner hat was dagegen", sagt ein Kohlehändler. "Sie brauchen unser Land. Ich finde es  gut, dass sie einen zweiten Großflughafen bauen."

Eingangshalle des Flughafens Peking
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Erst vor fünf Jahren wurde der bestehende Flughafen mit einem neuen Terminalgebäude erweitert.

Der neue Flughafen soll jedes Jahr 70 Millionen Menschen abfertigen. Sieben Start- und Landebahnen sollen gebaut werden. Dafür müssen Tausende Menschen umgesiedelt werden. Was in Deutschland zu wütenden Protesten führen würde, wird in Süd-Peking freudig begrüßt. Nangezhuang ist eines von zwanzig Dörfern, die demnächst  dem Erdboden gleichgemacht werden sollen. "Wir freuen uns auf den Abriss", sagt der 60-jährige Li Wenhui. "Danach wird es uns besser gehen. Es heißt, im Juni sollen die ersten ausziehen. Aber das entscheidet die Regierung, wir wissen nicht viel darüber."

Gerüchte über sagenhafte Summen kursieren

Überall  im Dorf wird spekuliert, wann die Abrissbagger anrücken und wie viel Entschädigung es dann geben wird. Sagenhafte Summen kursieren, aber die Behörden halten sich bedeckt. Seit mit den Planungen für den Flughafen begonnen wurde, gibt es einen Baustopp im Dorf, um die Spekulationen auf Entschädigungsgewinne nicht anzuheizen. Doch niemand hält sich daran.

In seinem Innenhof kratzt Li Wenhui  Eis vom Boden.  In einer Ecke lagert Kohle für den Ofen. Auch Li hat in den vergangenen Jahren mit Blick auf die Entschädigungszahlungen angebaut - mehrere neue Räume, die alle leer stehen. In seinem Innenhof  ist es eng geworden. An den neuen Fensterrahmen kleben noch die Schutzfolien. "Seit 2008 ist es verboten, neue Häuser zu bauen. Aber in meinem Hof ist das kein Problem", sagt er verschmitzt. "Solange die Regierung uns nicht sagt, was sie mit dem Land vorhat, kann mich keiner davon abhalten mein Haus auszubauen."

Dass seit den ersten Planungen 2008 nicht viel passiert ist, liegt am chinesischen Militär. Es hat Vorrang im  Pekinger Luftraum und sperrte sich offenbar lange dagegen, Kapazitäten abzugeben. Doch Ende vergangenen Jahres sei  das Flughafenprojekt von der Zentralen Militärkommission gebilligt worden und im Januar auch vom Staatsrat, dem Kabinett, berichten chinesische Zeitungen.  Rund acht Milliarden Euro soll der Flughafen kosten und Ende 2018 eröffnet werden.

"Endlich keine Kohlen mehr schleppen"

Die Bauern von Nangezhuang hoffen, dass sie dann längst in neuen Siedlungen leben."Wir werden das Geld brauchen, um uns eine neue Wohnung zu kaufen. Den Rest sparen wir für unsere Altersversorgung", sagt Bauer Li. "Ach", fügt er fröhlich hinzu, "dann müssen wir endlich keine Kohlen mehr schleppen, sondern haben Zentralheizung und müsse uns keine Sorgen mehr machen."

In der  Diskussion um die Entschädigungszahlungen hat im Übrigen noch niemand gefragt, ob Peking den neuen Flughafen wirklich braucht. Der bestehende Airport war erst vor fünf Jahren mit einem spektakulären dritten Terminalgebäude massiv erweitert worden. Den Bauern in Nangezhuang ist das egal. Hauptsache der neue Flughafen kommt, sagen sie. Je früher desto besser.

Dieser Beitrag lief am 7. Februar 2013 um 11:06 Uhr auf Inforadio.

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