Peking | dpa

Neue Corona-Fälle in China "Notfall-Mechanismen wie in Kriegszeiten"

Stand: 13.06.2020 19:00 Uhr

Der erste größere Corona-Ausbruch in Peking seit Beginn der Pandemie sorgt für Nervosität. Etwa 50 Fälle sind bisher bekannt. Die Behörden reagieren mit strikten Maßnahmen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Zum ersten Mal seit mehreren Wochen erlebt China einen relativ großen Anstieg neu nachgewiesener Covid19-Fälle. In Peking wurden nach Behördenangaben rund 50 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet. Weniger als zehn zeigen allerdings Krankheitssymptome.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Im Vergleich zu den mehr als 20 Millionen Einwohnern Pekings ist das wenig, aber trotzdem war die Aufregung in China heute groß. Schließlich haben die Behörden seit Beginn der Coronavirus-Krise Ende Januar alles versucht, um die Hauptstadt besonders zu schützen. Nun ist es Südwesten Pekings zu dem neuen Ausbruch gekommen.

"Krisenzentrum eingerichtet"

Bis auf einen Fall hätten alle Neuinfizierten Verbindungen zum Xinfadi-Großmarkt gehabt, sagte Pang Xinghuo vom Pekinger Amt für Seuchenprävention bei einer im Staatsfernsehen übertragenen Pressekonferenz.

Der für den Stadtteil, in dem der Großmarkt liegt, zuständige Behördenchef ist Chu Junwei. Er wählte drastische Worte.

"Im Bezirk Fengtai wurden sofort Notfall-Mechanismen wie in Kriegszeiten ausgelöst. Ein Krisenzentrum wurde eingerichtet, um die Maßnahmen am Xinfadi-Großmarkt und für die umliegenden Bereiche zu übernehmen." Die Sicherheit und die Gesundheit des Volkes hätten Vorrang.

Virus auf dem Schneidebrett

Elf Wohnviertel im Stadtteil Fengtai wurden sicherheitshalber abgeriegelt. Die rund Zehntausend Menschen, die auf dem riesigen Großmarktgelände arbeiten oder regelmäßig zu tun haben, sollen nun allesamt getestet werden. Menschen, die in den vergangenen Tagen auf dem Markt waren, wurden aufgerufen, sich zu melden.

Chinesische Medien berichten, dass das Virus auf dem Großmarkt auf einem Schneidebrett nachgewiesen wurde. Auf diesem Brett sei Fisch verarbeitet worden. Dass dieser aber die Quelle für den neuen Ausbruch ist, ist unwahrscheinlich. Die Onlineausgabe der Tageszeitung Nanfang Dushibao zitierte am Abend zwei chinesische Wissenschaftler mit den Worten, tote Fische könnten kaum Träger des Coronavirus sein.

Rücknahme von Lockerungen

Klar ist: Die neu Infizierten haben sich allesamt lokal, in China, angesteckt. In den vergangenen Wochen handelte es sich bei fast allen neuen Fällen um so genannte importierte Fälle, also um aus dem Ausland zurückgekommene Chinesen.

Als Reaktion auf den neuen Ausbruch in Peking haben die Behörden nun bestimmte Lockerungen wieder zurückgenommen. So wurden einige Schulen und Kindergärten geschlossen, bestimmte Sportveranstaltungen und Gruppenreisen wurden abgesagt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Juni 2020 um 17:50 Uhr.