"Pegida"-Demonstranten in Oslo

Islamkritische Gruppen in Europa "Pegida" - kein deutsches Phänomen

Stand: 19.01.2015 09:11 Uhr

Die einen wollen verhindern, dass ihre Heimat islamisiert wird, die anderen, dass ihr Land noch mehr Flüchtlinge aufnimmt. Manche sind gar gegen die Gleichberechtigung der Frau. "Pegida" gibt es nicht nur in Deutschland. Anhänger der Bewegung organisieren sich auch anderen europäischen Ländern: unter anderen in Belgien, Österreich, der Schweiz, Schweden und Norwegen.

Von Karin Bensch, WDR-Hörfunkstudio Brüssel

"Wir sind keine Rassisten", sagt Henrik Rönquist, der Gründer von "Pegida" in Schweden. "Wir haben nichts gegen Homosexuelle und gegen Ausländer", sagt der Galerist, der mit einer umstrittenen Ausstellung in den Ruf der Volksverhetzung kam. "Aber wir sind gegen die Islamisierung unserer Heimat", meint er.

"Pegida"-Schweden findet bislang vor allem auf einer Website in den sozialen Netzwerken statt. Daniel Pohl von der unabhängigen Stiftung "Expo" ist skeptisch, ob sie auf Dauer eine Zukunft haben wird: "Menschen auf einer Facebook-Seite zu versammeln, ist nicht dasselbe, wie eine Bewegung zu haben. Es wird sich zeigen, ob "Pegida" es überhaupt schafft, sich zu einer Bewegung in Schweden zu entwickeln."

Anfang Februar in Österreich

Heinz-Christian Strache, FPÖ
galerie

Wenn Menschen mit ihren Sorgen nicht ernst genommen werden, habe "Pegida" Zulauf, meint der FPÖ-Politiker Strache.

Auch in Österreich bewegt sich was. Anfang Februar will die dortige "Pegida" zum ersten Mal in Wien demonstrieren. In Österreich regieren seit 2008 Sozialdemokraten und Konservative.

"Pegida" hat Zulauf, "wenn Menschen mit ihren berechtigten Sorgen und Ängsten vor Fehlentwicklungen nicht ernst genommen werden", meint Heinz-Christian Strache von der rechtspopulistischen FPÖ, die mittlerweile gleich auf liegt mit den Regierungsparteien.

14-Punkte-Programm in der Schweiz

In der Schweiz soll es Mitte Februar die ersten Demonstrationen geben. Bislang agiert "Pegida" dort weitgehend anonym. Ihr Sprecher ist der Vorsitzende einer kleinen rechten Partei. Auch hier spielt sich noch alles im Internet ab. Auf einer Facebook-Seite steht ein 14-Punkte-Programm. Darin wird vor allem die Beschränkung von Einwanderung und die Abschiebung krimineller Ausländer gefordert, aber auch das Burka-Verbot.

"Pegida Flanderen" in Belgien

"Vlativa" - so hieß die neu gegründete "Pegida" in Belgien bis vor kurzem, erklärt Dave Sinardet, Politologe an der Freien Universität Brüssel. Eine Abkürzung für "Flamen gegen die Islamisierung des Abendlandes". Doch weil "Pegida" inzwischen eine Art Markenname ist, benannten sie sich um in "Pegida Vlaanderen". Dass sich die Bewegung im flämischen Teil Belgiens gründete, ist nicht verwunderlich. Dort sind rechtspopulistische Parteien, wie der Vlaams Belang oder die NWA, zu Hause.

Deren Sympathisanten finden sich auch bei "Pegida" wieder. Sie fordern vor allem weniger Flüchtlinge in Belgien und mehr Sicherheit vor islamistischem Terror, sind aber auch gegen die Gleichberechtigung der Frauen. "In dem Punkt haben sie überraschender Weise eine Übereinstimmung mit konservativen Kreisen der Muslime", so der Sinardet.

Eine europäische Bewegung mit politischem Gewicht?

Vor allem in großen Städten wie Brüssel oder Antwerpen leben viele Muslime. Ein Nährboden für Islamgegner - nicht nur in Belgien, auch in anderen Ländern der EU. Kann "Pegida" zu einer europäischen Bewegung mit politischem Gewicht werden?

"In verschiedenen Ländern Europas gibt es einen Teil der öffentlichen Meinung, der der islamischen Kultur sehr kritisch gegenübersteht, zur Migration generell sehr kritisch eingestellt ist", meint der Brüsseler Politikwissenschaftler.

Die Frage sei allerdings, ob die patriotischen Europäer die Kraft aufbringen, dauerhaft für ihre Forderungen auf die Straße zu gehen und ob sie es schaffen, sich europaweit zu organisieren. Ansonsten könnte "Pegida" eine Bewegung werden, die kommt, da ist und vielleicht irgendwann wieder geht.

Dieser Beitrag lief am 19. Januar 2015 um 06:05 Uhr auf bayern2.

Darstellung: