Flugzeug der Gesellschaft Malaysia Airlines

Verschollenes Flugzeug der Malyasian Airlines Suche nach einem Phantom

Stand: 09.03.2014 18:45 Uhr

Das Verschwinden der Malaysia Airlines Maschine wirft weiterhin reichlich Rätsel auf. Zum einen ist die Ursache dafür weiterhin völlig unklar. Zum anderen aber ist auch das Schicksal der Boeing 777 mit den 239 Menschen an Bord noch komplett offen. Lange wurde von den zahlreichen Suchtrupps - im Einsatz sind immerhin 40 Schiffe aus Malaysia, Vietnam, den Philippinen und China sowie mehr als 20 Flugzeuge - keine einzige eindeutige Spur der Maschine gefunden. Es ist, als hätte sich Flug MH 370 einfach in Luft aufgelöst.

Inzwischen meldete ein Flieger der vietnamesischen Marine immerhin, man habe etwa 90 Kilometer vor der Insel Tho Chu möglicherweise ein oder zwei Wrackteile im Meer entdeckt. Allerdings, teilte die zivile Flugbehörde mit, sei es zu dunkel, um zu überprüfen, worum es sich dabei handelt. Die Zeitung "Thanh Nien" meldet hingegen unter Berufung auf einen Militärsprecher aus Vietnam, es könnte sich um eine Tür der Boeing handeln.

Ein Foto, das ein vietnamesisches Flugzeug über dem Südchinesischen Meer aufgenommen hat, zeigt möglicherweise ein Wrackteil des verschollenen Flugzeugs.

Ein Foto, das ein vietnamesisches Flugzeug über dem Südchinesischen Meer aufgenommen hat, zeigt möglicherweise ein Wrackteil des verschollenen Flugzeugs.

Malaysische Einsatzkräfte werten in einem Flugzeug Radarbilder aus.

Mit mehreren Flugzeugen und Booten suchen Einsatzkräfte das vermutete Absturzgebiet ab. Es wurde inzwischen weiträumiger gefasst.

Wendete die Maschine?

Möglicherweise ist das Gebiet, in dem nach der Boeing gesucht werden muss, aber viel größer als bislang angenommen. So teilte das malaysische Militär am Vormittag mit, es gebe Anzeichen, dass die Maschine kurz vor ihrem Verschwinden umgekehrt sein könnte. Die Behörden seien dabei, die möglichen Gründe dafür zu untersuchen.

Eine Änderung der Flugroute wäre insofern überraschend, weil die erfahrenen Piloten keine Probleme meldeten und keinen Notruf absetzten, bevor die Maschine von den Radarschirmen verschwand. Auch die Wetterbedingungen waren laut Ermittlern gut, als der Kontakt abriss. Aufgrund der neuen Hinweise wurde das Suchgebiet auf die Küste Malaysias ausgeweitet.

Karte: Malaysia und Vietnam

Wer waren die unbekannten Passagiere?

Während die Suchaktionen auf Grund der Nacht eingeschränkt weiterlaufen, konzentrieren sich die Ermittlungen an Land auf die Personen im Flieger. Bereits am Samstag war bekannt geworden, dass zwei der Passagiere mit gestohlenen Pässen an Bord gegangen waren. Wer die Identität eines Italieners und eines Österreichers angenommen hatte, sollen nun Videoaufnahmen klären helfen. "Es gibt einen Mitschnitt der Überwachungskamera am Check-In, auf dem die Männer zu sehen sind", sagte Azharuddin Abdul Rahman von der malaysischen Luftverkehrsbehörde. Mehr könne er derzeit nicht sagen.

Der Inhaber des italienischen Passes war von Peking aus auf einen Weiterflug nach Kopenhagen gebucht, der Mensch mit dem österreichischen Pass nach Frankfurt, wie eine KLM-Sprecherin bestätigte. Dadurch brauchten sie für den Flug nach Peking kein chinesisches Visum. Nach einem Bericht der britischen BBC wurden die Tickets gemeinsam gekauft.

Es zeichnet sich aber ab, dass noch weitere Passagiere mit falscher Identität in der Maschine gewesen sein könnten. So könnte der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge ein Passagier mit gefälschten chinesischen Papieren an Bord gewesen sein. Der malaysische Transportminister Hishammuddin Hussein sagte, es würden Hinweise auf vier Verdächtige untersucht. Die Geheimdienste und Anti-Terror-Einheiten des Landes sowie "relevanter" Drittstaaten wie der USA seien eingeschaltet worden. Die nationale Luftverkehrsbehörde versicherte kurz darauf jedoch, dass nach wie vor "nicht vier, sondern nur zwei" Passagiere im Fokus stünden.

Interpol äußert Kritik: Kein Datenabgleich

Die Pässe, mit denen diese zwei Männer an Bord gelangten, waren von der internationalen Polizeibehörde Interpol als gestohlen registriert. Nach Angaben von Interpol-Generalsekretär Ronald K. Noble signalisierte jedoch keine Behörde eine Nutzung der Pässe, seit diese 2012 und 2013 in Thailand gestohlen worden waren.

Noble übte harte Kritik an den Sicherheitsbehörden und Fluggesellschaften zahlreicher Länder, die auf einen Datenabgleich bei Interpol verzichten. Wenn zum Beispiel die Fluggesellschaft Malaysia Airlines für eine Überprüfung der Passagierdaten gesorgt hätte, "müssten wir jetzt nicht spekulieren, ob die gestohlenen Pässe von Terroristen genutzt wurden", um in das Flugzeug zu gelangen, erklärte Noble.

Angehörige von Passagieren der verschollenen Maschine in einem Hotel, wo Familien und Freunde der Vermissten untergebracht wurden.

Angehörige von Passagieren der verschollenen Maschine in einem Hotel, wo Familien und Freunde der Vermissten untergebracht wurden.

Ermittler schließen Anschlag nicht aus

Dass ein Terroranschlag oder eine fehlgeschlagene Entführung der Grund für das Verschwinden der Maschine sein könnten, wird inzwischen als Möglichkeit in Betracht gezogen. Nach Einschätzung von Experten spricht dafür, dass die Piloten, selbst wenn es Probleme wie den Ausfall beider Triebwerke gegeben hätte, eigentlich noch Zeit für einen Funkspruch gehabt hätten. Dass vor dem Verschwinden auch keine Ortsangabe ausgesendet wurde, sei ebenfalls ein mögliches Indiz für ein plötzliches Ereignis.

Genaueres wird aber wohl erst geklärt werden können, wenn das Trümmerfeld entdeckt wird. Ist es groß und über Dutzende Kilometer ausgebreitet, dann brach die Maschine wahrscheinlich in großer Höhe auseinander. Das könnte auf eine Bombe hindeuten. Ist es ein kleineres Feld, stürzte die Maschine wahrscheinlich intakt ab und brach beim Aufprall auf das Wasser auseinander.

Denkbar sind angesichts der derzeitigen Faktenlage aber auch andere Gründe für das Verschwinden der Maschine, unter anderem ein Pilotenfehler, ein plötzliches Versagen der Triebwerke oder heftige Turbulenzen.

Zuverlässiges Flugzeug-Modell

Die Boeing 777 gehört in Sachen Sicherheit zu den Top-Flugzeugen. Die 777-200 war unterwegs nach Peking, als der Kontakt am frühen Samstagmorgen etwa eine Stunde nach dem Start in Kuala Lumpur abbrach. An Bord befanden sich 227 Passagiere und zwölf Besatzungsmitglieder. Die meisten der Fluggäste sind chinesische Staatsbürger. Darüber hinaus sollen Passagiere aus Malaysia, Indonesien, Australien, Frankreich, den USA, Neuseeland, der Ukraine, Kanada, Russland, Taiwan und den Niederlanden an Bord gewesen sein.

Das Flugzeug war im Jahr 2012 in Schanghai in einen Unfall auf dem Rollfeld verwickelt. Das bestätigte der Chef der Fluggesellschaft Malaysia Airlines. Bei einer Kollision mit einer anderen Maschine riss damals ein Teil einer Tragfläche ab. Der Schaden sei von Boeing repariert worden und die Maschine von den Luftfahrtbehörden anschließend wieder für völlig flugtauglich befunden worden.