Joe und Jill Biden  | AFP

Parteitag der Demokraten "Wir wissen genau, wer Joe ist"

Stand: 21.08.2020 10:03 Uhr

Seine kämpferische Parteitagsrede hat nicht nur die Demokraten überzeugt. Joe Biden will die Amerikaner wieder einen. Er nahm die Nominierung als Präsidentschaftskandidat zum Abschluss des Parteitages an.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

"Wir wissen genau, wer Joe ist!" Das ist vielleicht so etwas wie die Kernbotschaft der viertägigen Biden-Krönungsmesse. Joe Biden ist nicht spritzig, nicht mitreißend, schon gar nicht schrill - aber eben altvertraut, verlässlich, ein politisches Bollwerk in stürmischen Zeiten.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

"Auf dem Stimmzettel stehen Charakter, Mitgefühl, Anstand, Wissenschaft, Demokratie", ermahnte Biden seine wahlberechtigten Landsleute. Die Parteitagsregie stilisierte ihn konsequent als charakterlichen Gegenentwurf zum Amtsinhaber. Und dazu gehört auch, dass Biden nicht mit voller Angriffslust an das Rednerpult trat. Diese Rolle war für andere vorgesehen.

"Donald Trump ist deshalb nicht in den Job hineingewachsen, weil er das nicht kann!”, mit diesen Worten ging Präsident Donald Trumps Amtsvorgänger Barack Obama seinen Nachfolger ungewöhnlich scharf an. "Donald Trump ist der falsche Präsident für unser Land!", befand seine Frau, die frühere First Lady Michelle Obama.

"Biden wird Hass und Spaltung beenden"

Warum Biden dagegen der Richtige ist, das begründete sein ehemaliger Rivale während der Vorwahlen, Bernie Sanders, so: "Joe Biden wird den Hass und die Spaltung beenden, die Trump bewirkt hat!" Mit diesem Argument will die Biden-Kampagne diejenigen für die Demokraten zurückgewinnen, die vor vier Jahren das Experiment Trump gewagt haben, auch grundsätzlich mit seiner Politik übereinstimmen - aber entsetzt sind von dessen politischem Stil.

Dieses Unbehagen hat wohl eine ganze Riege von republikanischen Gastrednern dazu bewogen, eine Wahlempfehlung für den politischen Gegner auszusprechen - allen voran der frühere Außenminister Colin Powell. "Heute sind wir ein gespaltenes Land", sagte Powell, "und haben einen Präsidenten, der alles dafür tut, damit das so bleibt!"

Deutlich geworden ist während des viertägigen Web-Events die Arbeitsteilung zwischen Biden und seiner Mitstreiterin Kamala Harris. Er der Gentleman der alten Schule, der auch Konservative anspricht. Sie ist die erste Vertreterin einer neuen Generation, die die Vision eines bunten, facettenreichen, toleranten Amerikas im Gepäck hat: "Eine Vision unseres Landes als eine liebevolle Gemeinschaft, in der alle willkommen sind, ungeachtet ihres Aussehens, ihrer Herkunft, ihrer Vorlieben."

Wechselwähler zurückgewinnen

In der anstehenden heißen Phase des Wahlkampfes wird das Tandem Biden/Harris mit dieser Rollenverteilung versuchen, sowohl Wechselwähler zurückzugewinnen als auch gleichzeitig die eigene Basis zu mobilisieren.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 21. August 2020 um 10:10 Uhr.