Das Logo des sozialen Netzwerks Parler ist auf einem Bildschirm zu sehen | Bildquelle: AFP

US-Netzwerk "Parler" Plattform für Rechte und Trump-Fans

Stand: 28.08.2020 16:18 Uhr

Konservative, Rechtsextremisten und Verschwörungstheoretiker - in den USA finden immer mehr von ihnen bei "Parler" eine neue Heimat. Das Netzwerk lässt zu, was andere sperren.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Seit Twitter gegen Tweets von US-Präsident Donald Trump vorgeht und diese zum Beispiel als irreführend kennzeichnet, erfreut sich ein noch junges Start-Up eines großen Zulaufs. Der Dienst heißt "Parler" und hat sich in den vergangenen Wochen zum Sammelbecken von Konservativen, Rechtsextremisten und Verschwörungstheoretikern entwickelt. Auch die von Twitter in Europa gesperrte Identitäre Bewegung hat bei "Parler" eine neue Heimat gefunden.

In einem Spot wirbt "Parler" für sich: Es sei der einzige Dienst, der die in der US-Verfassung garantierte Meinungsfreiheit gewähre. Zulauf bekommt das Angebot vor allem aus rechten Kreisen. Wer sich anmeldet, dem werden vor allem Gefolgsleute von Trump vorgeschlagen. Moderatoren von Fox News, Journalisten der rechten Website Breitbart. Und Politiker wie der republikanische Senator Ted Cruz aus Texas.

Die Republikaner Trump und Cruz | Bildquelle: REUTERS
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Senator Cruz (rechts) ist schon bei "Parler", Präsident Trump noch nicht.

"Die Tech-Unternehmen des Silicon Valley überschätzten sich selbst", sagt Cruz. Und sie würden diejenigen zum Schweigen bringen, mit denen sie nicht einverstanden seien. Zum Beispiel US-Präsident Trump. Der kommt bei Twitter auf 85,5 Millionen Follower.

"Parler" wächst

Dass Trump noch nicht bei "Parler" ist, liegt an der geringen Reichweite des Netzwerks. Aber das könnte sich bald ändern. Vor zwei Jahren hatte es noch 60.000 Mitglieder, jetzt sind es schon drei Millionen. Gegründet hat das Angebot der 27-jährige John Matze. Fast jeder aus dem näheren Umfeld des US-Präsidenten sei auf seiner Plattform registriert, sagte er dem Wirtschaftssender CNBC. Der Umschwung hin zu seinem Netzwerk sei "unvermeidlich", meint Matze.

Nach außen gibt sich der Waffennarr Matze liberal. Liest man die Einträge seines "Parler"-Accounts, wird schnell klar, dass er Trump-Fan ist und mit der neuen Rechten in den USA - vorsichtig ausgedrückt - sympathisiert. Die Tech-Unternehmen im Silicon Valley sind für ihn "Techno-Faschisten", die glaubten, sie seien Hüter der Wahrheit.

Ein neuer Mitbewerber

"Die haben seit Jahren nichts Innovatives hervorgebracht. Es braucht jetzt einen neuen Mitbewerber, der ihnen das Geschäft abnimmt," sagt Matze. Das gelte vor allem, weil die anderen so streng Inhalte reglementieren. Sie seien sehr politisch. "Parler" dagegen wolle ein neutrales Umfeld bieten und Spaß haben.

"Parler" hat seinen Sitz nicht nahe San Francisco, sondern gut 1000 Kilometer südöstlich in Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada. Der Dienst sieht dabei Twitter recht ähnlich. Matze behauptet, gelöscht werde nur, was gegen die US-Verfassung verstoße. Gewaltaufrufe, terroristische Inhalte und Pornografie seien verboten. Entsprechend betont er: "Die Menschen wollen nicht mehr hören, was sie denken oder sagen sollen. Die Menschen wollen gesellschaftliche Probleme selbst beim Namen nennen."

Erlaubt ist, was anderswo verboten wird

Genau mit dieser Rhetorik geht Matze auf User-Fang. Bei "Parler" gibt es dafür Falsch-Nachrichten, Verschwörungstheorien, und sogar die bei Twitter kürzlich gesperrte Identitäre Bewegung aus Europa hat sich mit ihrem Kopf Martin Sellner dort registriert. Wer ein paar Tage das Angebot nutzt, bemerkt schnell, wie einseitig und rechtslastig das Netzwerk ist. Es geht gegen die Mainstream-Medien, gegen Trumps Rivalen im Wahlkampf und die linke "Black Lives Matter"-Bewegung.

Parler App - ein Sammelbecken für Rechtsextremisten?
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
28.08.2020 14:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. August 2020 um 15:52 Uhr in der Sendung "@mediares".

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