Menschen flanieren auf dem für Autos gesperrten Ufer der Seine in Paris. | Bildquelle: dpa

Rechtes Seine-Ufer wird autofrei Flanieren statt Fahren in Paris

Stand: 26.09.2016 15:01 Uhr

Paris ist voller Sehenswürdigkeiten - und Autos. Staus sind an der Tagesordnung. Nun hat der Stadtrat auf Inititative von Bürgermeisterin Hidalgo Teile des rechten Seineufers für autofrei erklärt. Was Touristen freut, ist unter Einheimischen umstritten.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Für die Oberbürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, ist die Sache klar: "Wir müssen etwas machen, und zwar jetzt!" Das Problem, das Anne Hidalgo anspricht, ist weithin bekannt: Im romantischen Paris, der Stadt der Liebe, herrscht seit Jahrzehnten dicke Luft.

Denn Paris, das sind nicht nur der Eiffelturm, die Champs Elysées und der Montmartre, Paris, das sind auch Hunderttausende Autos täglich, verstopfte Straßen und Verkehrschaos, nahezu überall, mit schwerwiegenden Folgen, klagt die Oberbürgermeisterin: "Die Gesundheit der Menschen steht auf dem Spiel! Die Luft in Paris ist viel zu stark verschmutzt. Wenn wir uns den Großraum Paris anschauen, dann haben wir durch die Luftverschmutzung rund 6500 Todesfälle im Jahr mehr."

Flanieren entlang der Seine

Seit heute nun ist die Sozialistin Anne Hidalgo bei ihrem Kampf gegen den Smog - zumindest aus ihrer Sicht - einen Schritt weiter: Der Stadtrat ist ihrem Vorschlag gefolgt und hat mehr als drei Kilometer Uferstraße an der Seine zur autofreien Zone erklärt. Gut für viele Pariser und vor allem auch Touristen, die den zentralen Abschnitt vom Louvre an in Richtung Notre Dame künftig zum Flanieren nutzen können.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo. | Bildquelle: AFP
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Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat Autokolonnen und Smog den Kampf angesagt.

"Das ist gut gegen die Verschmutzung", sagt eine Passantin. "Jetzt kann man hier mal durchatmen und die schönen Ufer nutzen." Schlecht allerdings ist die Entscheidung für rund 43.000 Autofahrer, die die Straße bisher im Schnitt täglich genutzt haben. "Sie reden über die Verschmutzung, aber das schafft erst recht Staus, Die Verschmutzung hat doch viel komplexere Ursachen", sagt ein Autofahrer.

Mehr Staus in umliegenden Bezirken?

Der Streit zwischen Befürwortern und Gegnern der autofreien Zone spitzt sich seit Monaten zu, zumal ein offizielles Gutachten zu dem Schluss gekommen ist, dass die Folgen für die umliegenden Bezirke verheerend sein könnten. Valérie Pécresse, die konservative Präsidentin der Region Ile de France, machte ihrem Ärger immer wieder öffentlich Luft: "Was ich möchte, ist, dass die Umwelt und die Gesundheit für alle besser werden, nicht nur für die Anwohner der Uferstraße, sondern auch für die Anwohner der anderen Stadteile, der Vororte und der Stadtautobahn, die alle unter noch mehr Stau leiden werden."

Mehrheit der Pariser für autofreie Zone

Dieses Argument verfing bei Bürgermeisterin Hidalgo allerdings nicht. Sie hatte zwei große Trümpfe in der Hinterhand: Zum einen befürwortet laut einer aktuellen Umfrage eine Mehrheit der Pariser Bürger das autofreie Seineufer. Zum anderen ist das Seineufer bereits seit Ende Juli wegen verschiedener Veranstaltungen gesperrt. Und das zeige eine positive Entwicklung, so die Bürgermeisterin. Der Verkehr sei dort seitdem bereits um zehn Prozent geschrumpft. "Also müssen wir doch fortfahren, solche Maßnahmen zu ergreifen."

Getreu dem Motto: Wenn die Autofahrer nur genug im Stau stecken, werden sie schon auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Am Seineufer bietet sich dafür jedenfalls künftig das Fahrrad an.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. September 2016 um 09:22 Uhr

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