Metrostation in Paris | Bildquelle: REUTERS

Streik gegen Rentenreform Die Pariser Metro steht still

Stand: 13.09.2019 13:28 Uhr

Ein Streik gegen die Rentenreformpläne von Präsident Macron hat Teile des Pariser Nahverkehrs lahmgelegt. Die Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe sprechen von einem "Monsterstreik". Die Pendler sind genervt.

Ein Streik hat große Teile des Pariser Metroverkehrs lahmgelegt. Beschäftigte der Nahverkehrsbetriebe protestierten damit gegen Rentenreformpläne der französischen Regierung. Zehn der 16 U-Bahn-Linien standen nach Angaben des Betreibers RATP komplett still. Auf vier weiteren Linien fuhren nur zu den Hauptverkehrszeiten Züge, zudem blieben einige Stationen geschlossen.

Auch Busverkehr eingeschränkt

Normaler Verkehr war nur bei zwei automatischen Linien angekündigt, die ohne Fahrer auskommen. Auch bei Bussen und bestimmten Vorortzügen kam es zu deutlichen Einschränkungen. In der Hauptstadtregion Île-de-France drängelten sich am Morgen zeitweise deutlich mehr Autos als üblich, der Verkehrsdienst Sytadin registrierte in der Spitze insgesamt mehr als 275 Kilometer Stau. Nach Angaben des Nachrichtensenders Franceinfo waren Autobahnen in Richtung Paris besonders überfüllt.

Streik vor der Metro in Paris | Bildquelle: imago images / Le Pictorium
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Mitarbeiter der Pariser Verkehrsbetriebe haben einen "Schwarzen Freitag" angekündigt.

Die Mitarbeiter der Pariser Verkehrsbetriebe sprechen selbst von einen Monsterstreik und haben den Parisern einen "Schwarzen Freitag" angekündigt. Viele der betroffenen Berufspendler sind genervt: "Ich habe die Nase voll von den Streiks und davon, dass man uns als Geiseln nimmt", sagt eine Frau. Sie musste auf ein Taxi ausweichen. Ein Bewohner der Vororte, der zum Glück heute von zu Hause arbeiten kann, sieht das genauso. Und er findet es richtig, dass die Regierung die Sonderregeln für die Mitarbeiter der Pariser Verkehrsbetriebe abschaffen will.

Wichtiges Macron-Projekt

Frankreichs Regierung will mit der großen und politisch heiklen Rentenreform die Zersplitterung in Einzelsysteme für bestimmte Berufsgruppen beenden. Arbeitnehmer sollen auch dazu gebracht werden, länger zu arbeiten. Das Projekt gilt als wichtigste Sozialreform in der noch bis 2022 dauernden Amtszeit von Präsident Emmanuel Macron. Für die Beschäftigten der Pariser Nahverkehrsbetriebe erwarten Gewerkschaften dadurch Einschnitte. Sie profitieren bei der Rente bislang von Sonderregeln und können beispielsweise früher in Rente gehen als andere Beschäftigte.

Nach Angaben des französischen Rechnungshofs liegt das Renteneintrittsalter bei Mitarbeitern der Nahverkehrsbetriebe im Schnitt bei 55,7 Jahren, im allgemeinen Rentensystem dagegen bei 63 Jahren. Haushaltsminister Gérald Darmanin verwies im Sender Europe 1 darauf, dass bislang noch gar kein Gesetzentwurf vorliegt. Die Regierung will zur Vorbereitung bis Ende des Jahres Gespräche mit Sozialpartnern und Bürgern führen und strebt eine Parlamentsabstimmung bis zur Sommerpause 2020 an. Das neue System soll dann von 2025 an eingeführt werden.

Mit Informationen von Martin Bohne, ARD-Studio Paris

Nahverkehrsstreik in Paris
Martin Bohne, ARD Paris
13.09.2019 13:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. September 2019 um 12:39 Uhr.

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