Sicherheitskräfte in Paris | Bildquelle: AFP

Messerattacke in Paris Angreifer hatte Salafisten-Kontakte

Stand: 05.10.2019 17:08 Uhr

Frankreichs Medien hatten schon über einen islamistischen Hintergrund der Pariser Messerangreifers berichtet, jetzt kam von den Ermittlern die Bestätigung. Der Mann habe mit extremer Gewalt angegriffen.

Der Tatverdächtige im Fall der tödlichen Messerattacke im Pariser Polizeihauptquartier hat den Ermittlern zufolge mit mutmaßlichen Salafisten Kontakt gehabt. Der 45-Jährige sei vor rund zehn Jahren zum Islam konvertiert und Anhänger eine radikalen Ausrichtung gewesen, sagte Chefermittler Jean-François Ricard.

Der langjährige Mitarbeiter des Polizeipräsidiums hatte am Donnerstag vier Kollegen erstochen und zwei weitere verletzt, bevor er von einem Polizisten erschossen wurde.

Unmittelbar vor der Tat habe der Angreifer zwei Messer gekauft, eines aus Metall und eines aus Keramik, sagte Ricard weiter. Ebenfalls vor seiner Attacke habe er sich mit seiner Frau 33 SMS mit religiösem Inhalt geschrieben.

Mit extremer Gewalt vorgegangen

Die Bluttat dauerte laut Ricard nur wenige Minuten, bis der Mann von einem Polizisten erschossen wurde. Der Angreifer war nach Angaben des Chefermittlers mit extremer Gewalt vorgegangen - das habe auch die Obduktion der Opfer gezeigt.

Wegen seines Glaubens habe er seine Kleidungsgewohnheiten umgestellt, den Umgang mit Frauen verändert und gegenüber einem Kollegen das islamistische Attentat auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" von 2015 begrüßt, bei dem zwölf Menschen getötet wurden.

Angriff auf eine neuralgische Institution

Die Tat versetzte Frankreich in große Unruhe, weil das Attentat in einer für die Sicherheit des Landes neuralgischen Institution stattfand. Der Täter arbeitete jahrelang als IT-Fachmann, in einer Abteilung, die mit Anti-Terror-Ermittlungen befasst ist. Für den Posten sind strenge Sicherheitsüberprüfungen vorgeschrieben.

Christophe Castaner | Bildquelle: REUTERS
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Innenminister Christophe Castaner steht nach der Messerattacke unter Druck.

Konservative fordern Untersuchungausschuss

Die konservativen Republikaner wollen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss beantragen. Das sagte ihr Fraktionschef Christian Jacob: "Es ist eindeutig zu einem Versagen der Sicherheitsinstitutionen gekommen." Auf welcher Ebene und was genau passiert sei, müsse geklärt werden. "Denn das alles ist äußerst schwerwiegend."

Von der rechten Opposition werden auch Rufe nach einem Rücktritt von Innenminister Christophe Castaner laut. Der hatte den Täter kurz nach dem Vierfachmord als einen zuvor völlig unbescholtenen Beamten bezeichnet: Es habe keine Warnsignale gegeben.

Hinweise auf Terror-Hintergrund nach Messerattacke in Paris
Martin Bohne, ARD Paris
05.10.2019 18:08 Uhr

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Mit Informationen von Martin Bohne, ARD-Studio Paris

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Oktober 2019 um 17:00 Uhr.

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