Polizisten stehen vor der Pariser Polizeipräfektur, in der sich einen Tag zuvor eine tödliche Messerattacke ereignet hatte. | Bildquelle: AP

Messerattacke in Paris Anti-Terror-Staatsanwalt ermittelt

Stand: 04.10.2019 19:12 Uhr

Nach dem Messerangriff in der Pariser Polizeipräfektur ermittelt nun die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft. Zunächst war die Polizei wohl von einem internen Konflikt am Arbeitsplatz ausgegangen.

Nach der tödlichen Messerattacke in der Pariser Polizeipräfektur ermittelt nun die Staatsanwaltschaft wegen eines möglichen terroristischen Hintergrundes. Die bisherigen Untersuchungen hätten Hinweise ergeben, die zu Mordermittlungen "im Zusammenhang mit einem Terrorvorhaben" geführt hätten, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Nach Angaben aus Justizkreisen wird laut der Nachrichtenagentur AFP nun wegen Mordes und versuchten Mordes an Amtspersonen in Zusammenhang mit einer kriminellen, terroristischen Vereinigung ermittelt.

Nachdem noch am Donnerstag nach der Tat die Wohnung des mutmaßlichen Angreifers durchsucht worden war, hätten die Ermittler nun auch seinen Computer und Mobiltelefon ausgewertet, hieß es weiter. Zudem seien seine Ehefrau und weitere Zeugen befragt worden. Daraus habe sich ergeben, dass der Tatverdächtige vor 18 Monaten zum Islam konvertiert sei. Der Rundfunksender France Info berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, der Täter habe nach Angaben seiner Frau vor der Attacke "Visionen gehabt" und "Stimmen gehört".

Ermittler hatten zunächst Konflikt unter Kollegen vermutet

Der 45-Jährige hatte selbst in der Polizeipräfektur gearbeitet. Am Donnerstag tötete er drei Männer und eine Frau mit einem Messer. Er selbst wurde noch auf dem Gelände der Präfektur gestellt und erschossen. Der mutmaßliche Täter war nach Angaben des Pariser Polizeipräsidenten Didier Lallement seit 2003 als Informatiker bei der Polizei tätig gewesen. Ein Polizei-Gewerkschafter beschrieb den 45-Jährigen als vorbildlichen Beamten, der von seinen Kollegen sehr geschätzt worden sei.

Am Abend nach der Tat hatte der Fernsehsender BFM berichtet, die Polizei würde zunächst von einem internen Konflikt ausgehen. Zeugen sollen berichtet haben, dass der 45-Jährige Angreifer Streit mit seinem Vorgesetzten gehabt habe.

Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye betonte am Morgen jedoch, dass es bisher keine Hinweise auf eine Radikalisierung des Angreifers gebe. Lallement wollte jedoch "keine Hypothese bei den Ermittlungen ausschließen".

Schweigeminute vor Präfektur

Der Vorfall hatte landesweit Anteilnahme ausgelöst. Am Vormittag versammelten sich zahlreiche Menschen vor dem Hauptquartier auf der Seine-Insel Île de la Cité zu einer Schweigeminute. Dort wurde auch ein Kondolenzbuch aufgestellt. Noch am Donnerstag waren sowohl Staatspräsident Emmanuel Macron als auch der Innenminister und Premierminister Édouard Philippe an den Tatort gereist.

Messerattacke von Paris - Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernimmt
Martin Bohne, ARD Paris
04.10.2019 19:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Oktober 2019 um 19:00 Uhr.

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