Polizei am Tatort in Paris | Bildquelle: AP

Schüsse auf Champs-Élysées Täter identifiziert - IS reklamiert Tat für sich

Stand: 21.04.2017 05:57 Uhr

Nach den tödlichen Schüssen im Herzen von Paris laufen die Ermittlungen. Laut Staatsanwaltschaft wurde der Täter identifiziert. Die Terrormiliz IS reklamierte die Tat für sich - doch es bleiben Fragen offen.

Kurz vor der Präsidentenwahl hat ein Mann mitten in Paris auf den Champs-Elysées einen Polizisten getötet und zwei weitere Beamte verletzt. Zudem sei eine Touristin durch eine Kugel leicht verletzt worden, verlautete aus Polizeikreisen. Ihre Nationalität wurde nicht mitgeteilt. Die Polizei erschoss den Angreifer. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamierte die Attacke für sich. Die Bluttat belastet die Präsidentenwahl am Sonntag erheblich. Staatschef François Hollande berief sein Sicherheitskabinett ein.

Marion Schmickler, ARD Paris, zum Anschlag in Paris und dessen Auswirkungen auf die Wahl
Morgenmagazin, 21.04.2017

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Staatsanwaltschaft identifiziert Täter

Bei dem Täter soll es sich nach Medienberichten um einen 39-Jährigen aus der östlich der Hauptstadt gelegenen Stadt Chelles handeln. Laut dem IS-Sprachrohr Amaq soll der Täter "Abu Yussef der Belgier" sein. Die Bekennerbotschaft konnte zunächst nicht unabhängig auf ihre Echtheit überprüft werden. Sie wurde aber über die Kanäle verbreitet, über die der IS in der Vergangenheit auch ähnliche Anschläge für sich beansprucht hat - etwa nach den Attacken in Ägypten oder London. Belgische Behörden teilten mit, sie hätten keine Informationen über den Verdächtigen.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, sie habe den Täter identifiziert, wollte jedoch aus ermittlungstaktischen Gründen keine Details zu seiner Person nennen. Ein Sprecher des französischen Innenministeriums sagte, es werde derzeit ermittelt, ob ihm "ein oder mehrere Menschen" geholfen hätten. Polizisten durchsuchten am frühen Freitagmorgen östliche Vororte von Paris, in der Vorstadt Chelles zeigten sich Nachbarn angesichts der Überprüfungen überrascht. Chelles ist eine Kleinstadt mit Bewohnern vorwiegend aus der Mittelschicht.

Schüsse in Paris: Mindestens ein Polizist und Angreifer getötet
tagesthemen 22:15 Uhr, 20.04.2017

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Automatische Waffe genutzt

Bei der Attacke, die aus einem Auto heraus verübt worden war, hatte der Verdächtige laut Polizei eine automatische Waffe benutzt. Er habe damit auf Polizisten gezielt, die außerhalb eines Einkaufszentrums standen und die Gegend bewachten, sagte der Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf eine Quelle im Umfeld der Ermittlungen, dass es gegen den Mann bereits eine Untersuchung von Anti-Terror-Ermittlern gegeben habe: Er habe die Absicht erkennen lassen, Polizisten zu töten.

Beileidsbekundungen von Merkel und Trump

Kanzlerin Angela Merkel sprach Hollande ihr Beileid aus. Ihr Mitgefühl gelte den Opfern und ihren Familien. Auch US-Präsident Donald Trump sprach den Franzosen sein Mitgefühl aus. "Es sieht wie ein weiterer Terrorangriff aus", sagte er in Washington. "Es endet einfach nie." Die Öffentlichkeit müsse daher "stark" und "wachsam" sein, appellierte Trump.

Wahlkampfauftritte abgesagt

Der konservative Kandidat François Fillon, die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der unabhängige Emanuel Macron kündigten an, ihre Wahlkampfauftritte ausfallen zu lassen. In Frankreich sind vor der Wahl tausende Polizisten und Soldaten im Einsatz. Seit den islamistischen Anschlägen im November 2015 gilt der Ausnahmezustand. Bei Anschlägen 2015 und 2016 wurden insgesamt 238 Menschen getötet.

Polizisten in Paris | Bildquelle: REUTERS
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Polizisten sperren den Tatort ab.

In Frankreich sind vor der Wahl Tausende Polizisten und Soldaten im Einsatz. In dem Land gilt seit den islamistischen Anschlägen im November 2015 der Ausnahmezustand. Erst zu Wochenbeginn hatten die französischen Behörden nach eigenen Angaben einen Anschlag vereitelt, der womöglich im Zusammenhang mit dem Wahlkampf stand. In Marseille wurden zwei "radikalisierte" Verdächtige festgenommen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurden unter anderem Sprengstoff und Schusswaffen sowie eine IS-Flagge gefunden. In den vergangenen Jahren hatte es in Frankreich immer wieder Angriffe auf Sicherheitskräfte gegeben.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 21. April 2017 um 06:38 Uhr.

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