Russischer Aktivist Pjotr Pawlenski | Bildquelle: AFP

Pariser Sexvideo-Affäre Justiz ermittelt gegen russischen Aktivisten

Stand: 18.02.2020 22:23 Uhr

Er ist die Schlüsselfigur in der Sexvideo-Affäre, die den Pariser Bürgermeisterkandidaten Griveaux zu Fall brachte: der russische Aktivist Pjotr Pawlenski. Nun wird gegen ihn ermittelt - wegen Verletzung der Privatsphäre.

Nach dem Rückzug des Pariser Bürgermeisterkandidaten Benjamin Griveaux hat die französische Justiz Anklage Ermittlungen gegen den russischen Aktivisten Pjotr Pawlenski aufgenommen. Er hatte Videos mit sexuellen Inhalten und intime Textbotschaften Griveauxs öffentlich gemacht, der sich daraufhin gezwungen sah, seine Kandidatur zurückzuziehen.

Pawlenskis Anwalt hatte bestätigt, dass gegen seinen Mandanten ein Ermittlungsverfahren wegen Verletzung der Privatsphäre und Veröffentlichung sexueller Bilder ohne Einwilligung der betroffenen Person eingeleitet wurde. Pawlenski werde "unter richterliche Aufsicht gestellt" - das heißt, dass er unter Auflagen auf freien Fuß kommt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt zugleich wegen eines Messerangriffs gegen Pawlenski, bei dem er bei einer privaten Silvesterparty zwei Männer verletzt haben soll. In dieser Sache beantragte die Behörde Untersuchungshaft gegen den Russen. 

Paris Bürgermeister Kandidat Griveaux | Bildquelle: AP
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Der ehemalige Pariser Bürgermeisterkandidat Benjamin Griveaux

Aktion gegen "Scheinheiligkeit"

Pawlenski, der sich als "politischer" Künstler bezeichnet, wollte Griveaux nach eigenen Angaben "Scheinheiligkeit" nachweisen. Dieser inszeniere sich nämlich gerne als gewissenhafter Familienmensch. In dem veröffentlichten Video ist ein masturbierender Mann zu sehen. Es war offenbar an die Freundin Pawlenskis gerichtet.

Gegen die 29-jährige Alexandra de Taddeo wurde ebenfalls ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Sie stehe nun unter Justizaufsicht und dürfe keinen Kontakt mit Pawlenski aufnehmen, sagte ihre Anwältin im französischen Fernsehen. Demnach bestreitet sie eine Beteiligung an der Verbreitung der Videos. Nach Medienberichten erhielt sie das Video im Mai 2018, noch bevor sie mit Pawlenski zusammen war.

Macrons ehemaliger Regierungssprecher

Griveaux war der Wunschkandidat des französischen Präsidenten Emmanuel Macron für den Posten des Pariser Bürgermeisters. Er hatte seine Kandidatur unter dem Druck der Sexvideo-Affäre am vergangenen Freitag zurückgezogen. "Ich möchte meine Familie und mich dem nicht mehr ausliefern. Wenn jegliche Form von Angriffen mittlerweile erlaubt ist, geht es zu weit", hatte er zur Erklärung gesagt.

Griveaux war im vergangenen Jahr als Macrons Regierungssprecher zurückgetreten, um Pariser Bürgermeister zu werden. Nach seinem Rückzug hat nun die bisherige Gesundheitsministerin Agnès Buzyn die Spitzenkandidatur für Macrons Partei La République en Marche übernommen.

Zugenähter Mund

Pawlenski ist bekannt für radikale Aktionen. Er nähte sich etwa aus Protest den Mund zu oder nagelte sich am Hodensack auf dem Roten Platz in Moskau fest. Er war Anfang 2017 aus Angst vor Verfolgung durch die Moskauer Behörden aus Russland geflohen und hatte in Frankreich Asyl erhalten.

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