Hintergrund

Papst Franziskus

Lehrschreiben "Evangelii Gaudium" Franziskus' Reformpläne

Stand: 26.11.2013 18:14 Uhr

In einem Lehrschreiben dringt Papst Franziskus auf eine Neuausrichtung der katholischen Kirche. Das Kirchenoberhaupt ruft die Gläubigen in dem am Dienstag veröffentlichten Dokument mit dem Titel "Evangelii Gaudium" (Freude des Evangeliums) zur Beteiligung an Reformen auf und zeigt sich auch für Änderungen am Papstamt offen.

tagesschau.de dokumentiert zentrale Punkte aus dem Schreiben:

Sakramente: "Alle können in irgendeiner Weise am kirchlichen Leben teilnehmen, alle können zur Gemeinschaft gehören, und auch die Türen der Sakramente dürften nicht aus irgendeinem beliebigen Grund geschlossen werden. Das gilt vor allem, wenn es sich um jenes Sakrament handelt, das 'die Tür' ist: die Taufe. Die Eucharistie ist, obwohl sie die Fülle des sakramentalen Lebens darstellt, nicht eine Belohnung für die Vollkommenen, sondern ein großzügiges Heilmittel und eine Nahrung für die Schwachen."

Reform der Kirchenstrukturen: "Ich glaube nicht, dass man vom päpstlichen Lehramt eine endgültige oder vollständige Aussage zu allen Fragen erwarten muss, welche die Kirche und die Welt betreffen. Es ist nicht angebracht, dass der Papst die örtlichen Bischöfe in der Bewertung aller Problemkreise ersetzt. In diesem Sinn spüre ich die Notwendigkeit, in einer heilsamen 'Dezentralisierung' voranzuschreiten."

Intrigen: "Darum tut es mir so weh festzustellen, dass in einigen christlichen Gemeinschaften und sogar unter gottgeweihten Personen Platz ist für verschiedene Formen von Hass, Spaltung, Verleumdung, üble Nachrede, Rache, Eifersucht und den Wunsch, die eigenen Vorstellungen um jeden Preis durchzusetzen, bis hin zu Verfolgungen, die eine unversöhnliche Hexenjagd zu sein scheinen."

Beichte: "Die Priester erinnere ich daran, dass der Beichtstuhl keine Folterkammer sein darf. Die Anrechenbarkeit einer Tat und die Verantwortung für sie können durch Unkenntnis, Unachtsamkeit, Gewalt, Furcht, Gewohnheiten, übermäßige Affekte sowie weitere psychische oder gesellschaftliche Faktoren vermindert, ja sogar aufgehoben sein."

Dialog mit dem Islam: "Um den Dialog mit dem Islam zu führen, ist eine entsprechende Bildung der Gesprächspartner unerlässlich, nicht nur damit sie fest und froh in ihrer eigenen Identität verwurzelt sind, sondern auch um fähig zu sein, die Werte der anderen anzuerkennen, die Sorgen zu verstehen, die ihren Forderungen zugrunde liegen, und die gemeinsamen Überzeugungen ans Licht zu bringen. Wir Christen müssten die islamischen Einwanderer, die in unsere Länder kommen, mit Zuneigung und Achtung aufnehmen, so wie wir hoffen und bitten, in den Ländern islamischer Tradition aufgenommen und geachtet zu werden."

Abtreibung: "Gerade weil es eine Frage ist, die mit der inneren Kohärenz unserer Botschaft vom Wert der menschlichen Person zu tun hat, darf man nicht erwarten, dass die Kirche ihre Position zu dieser Frage ändert. Dies ist kein Argument, das mutmaßlichen Reformen oder 'Modernisierungen' unterworfen ist. Es ist nicht fortschrittlich sich einzubilden, die Probleme zu lösen, indem man ein menschliches Leben vernichtet."

Frauenpriestertum: "Das den Männern vorbehaltene Priestertum als Zeichen Christi, des Bräutigams, der sich in der Eucharistie hingibt, ist eine Frage, die nicht zur Diskussion steht."

Wirtschaft: "Es entsteht eine neue, unsichtbare, manchmal virtuelle Tyrannei, die einseitig und unerbittlich ihre Gesetze und ihre Regeln aufzwingt. Außerdem entfernen die Schulden und ihre Zinsen die Länder von den praktikablen Möglichkeiten ihrer Wirtschaft. Zu all dem kommt eine verzweigte Korruption und eine egoistische Steuerhinterziehung hinzu. Die Gier nach Macht und Besitz kennt keine Grenzen."

Quelle: Apostolisches Schreiben "Evangelii Gaudium"

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