Papst besucht Roms jüdische Gemeinde "Wir wünschen uns den Zugang zu den Archiven"

Stand: 04.03.2019 16:09 Uhr

Der wegen der Seligsprechung Pius XII. fast gescheiterte Besuch des Papstes in der jüdischen Synagoge in Rom ist reibungslos verlaufen. Benedikt XVI. verteidigte den Weltkriegs-Papst und den Vatikan während des Holocausts und die jüdische Gemeinde forderte eine Öffnung der vatikanischen Archive über die Zeit des NS-Regimes.

Von Gregor Hoppe, ARD-Hörfunkstudio Rom

Ein hebräischer Friedensgruß des zweiten Papstes in der Kirchengeschichte, der Roms Synagoge betrat. Gemeinsame Schritte gehen trotz aller Differenzen und Benedikt XVI. legte einen Blumenkranz nieder vor dem Gedenkstein, der an die Deportation von mehr als tausend römischen Juden nach Auschwitz erinnert. Er verharrte auch vor einem weiteren Gedenkstein, der an den tödlichen Terror-Anschlag auf dieses Gotteshaus im Herbst 1982 erinnert.

Freundlich, aber bestimmt

Benedikt XVI. und Rabbi Riccardo Di Segni
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Vor allem die Gemeinsamkeit zwischen Katholiken und Juden standen heute im Vordergrund.

Herzliche Begrüßungen zwischen Papst und der jüdischen Geistlichkeit Roms. Es ist ein bewegender Moment, als sich die gesamte Versammlung erhob, um einige Überlebende des Holocaust zu begrüßen. Gemeindepräsident Pacifici erinnerte unter Tränen an seine Familie und deren Freunde, von denen einige aus den Lagern nicht zurückkamen, von denen andere aber in einem katholischen Kloster versteckt überlebten. Dann sagte der Präsident der jüdischen Gemeinde Roms, was er sich wünsche:"dass die Historiker Zugang bekommen zu den Archiven des Vatikan, die diese Zeit betreffen und alle Ereignisse nach dem Zusammenbruch Nazideutschlands."

Eine offene Aussprache beim Papstbesuch in Roms Synagoge
G. Hoppe, ARD Rom
18.01.2010 04:13 Uhr

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Papst verteidigt Weltkriegs-Papst Pius XII.

Damit war angesprochen, was den Besuch heute beinahe hätte scheitern lassen: dass die Kurie die Seligsprechung Pius XII. vorantreibt. Dieser Papst und seine politische Rolle während des Holocaust sind in der jüdischen Welt heftig umstritten. Roms Oberrabbiner Riccardo di Segni sagte, das Schweigen des Menschens entgehe nicht Gottes Gerechtigkeit auch hierin sahen viele einen Verweis auf die noch nicht frei gegebenen vatikanischen Geheimarchive zum Pontifikat Pius XII. Benedikt XVI. betonte, auch Pius XII. und der Heilige Stuhl hätten versucht, Juden vor der Ermordung durch die Nazis zu retten, nur seien sie zur Geheimhaltung gezwungen gewesen.

Benedikt XVI. verneigte sich vor den Opfern des Holocausts.
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Benedikt XVI. verneigte sich vor den Opfern des Holocausts.

Papst betont Nähe zwischen Katholiken und Juden

Ansonsten waren beide Seiten bemüht, nach außen hin das Trennende beiseite zu lassen und das Verbindende zu betonen. Oberrabbiner di Segni nannte als gemeinsame Aufgaben von Juden und Christen das Streben nach Frieden, Gerechtigkeit, Schutz des Lebens und der Schöpfung. Der Papst sagte, er folge dem Weg seines Vorgängers Johannes Pauls II. zur weiteren Versöhnung und Annäherung zwischen Katholiken und Juden: "Mit Gefühlen lebendiger Herzlichkeit finde ich mich mitten unter Euch, um euch die Wertschätzung und Zuneigung zu erweisen, die der Bischof von Rom und seine Kirche und auch die gesamte katholische Kirche nähren für diese Gemeinde und alle jüdischen Gemeinden, die über die Welt verstreut sind."

Benedikt XVI. sprach dann eindringlich von der engen spirituellen Verbindung zwischen Christen- und Judentum und verurteilte Antisemitismus und Judenhass. Er erinnerte an die Opfer der Verfolgung, und sprach von seinem Besuch in Israel und in Auschwitz. "Die Machthaber des Dritten Reichs wollten das jüdische Volk in dessen Gesamtheit erschlagen, und im Grunde wollten sie mit der Vernichtung dieses Volks den Gott ermorden, der Abraham anrief, der auf dem Sinai sprach und damit die richtungweisenden Maßstäbe der Menschheit gab, die gültig bleiben auf ewig", so Benedikt in seiner Rede.

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