Papst Franziskus | dpa

Weihnachtsbotschaft des Papstes "Schrei des Schmerzes" nicht überhören

Stand: 25.12.2021 13:09 Uhr

Papst Franziskus hat in seiner Weihnachtsbotschaft appelliert, bei den Konflikten dieser Welt nicht wegzusehen. Er forderte ein Ende von Krieg und häuslicher Gewalt und mahnte - auch mit Blick auf die Pandemie - zu Dialogbereitschaft.

In seiner Weihnachtsbotschaft an die Gläubigen hat Papst Franziskus das Wegsehen kritisiert und ein Ende von Krieg und häuslicher Gewalt gefordert. In der ganzen Welt gebe es immer noch viele Konflikte, Krisen und Widersprüche, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in Rom. "Sie scheinen nie zu enden, und wir nehmen sie kaum noch wahr", so der 85-Jährige. "Wir haben uns so sehr daran gewöhnt, dass unermessliche Tragödien schweigend übergangen werden. Wir riskieren, den Schrei des Schmerzes und der Verzweiflung vieler unserer Brüder und Schwestern nicht zu hören."

Er rief zudem zu einer größeren Dialogbereitschaft auf. In der Pandemie werde die Fähigkeit zu sozialen Beziehungen auf eine harte Probe gestellt. "Es gibt eine wachsende Tendenz dazu, sich zu verschließen, alles allein machen zu wollen" - auch auf internationaler Ebene. Doch nur der Dialog führe zu Konfliktlösungen und dauerhaften Vorteilen für alle.

Bitte um Trost für Menschen in Krisengebieten

Mit Blick auf die Konflikte in der Welt hob Franziskus die Menschen in Syrien, im Irak und dem Libanon hervor. Diese Länder fänden keinen Frieden und keine Ruhe, sagte er von der Loggia des Petersdoms zu den Hunderten Menschen auf dem verregneten Petersplatz. Auch an die "anhaltenden Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern, die sich ungelöst hinziehen und immer größere soziale und politische Folgen haben", erinnerte der Papst.

Er bat zudem um Trost für das afghanische Volk und Hilfe für die Menschen in Myanmar. Dort treffe Intoleranz und Gewalt oft auch die christliche Gemeinschaft. Weiter erinnerte Franziskus an die Lage in der Ukraine, Äthiopien und der Sahelzone. Ebenso bat er um Linderung des Leids der Menschen, die unter den internen Konflikten im Sudan und Südsudan litten, und verwies auch auf Nordafrika und die dort grassierende Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Ungleichheit.

Beim Thema Migranten und Flüchtlinge appellierte Franziskus, nicht wegzuschauen. Er kritisiert immer wieder den Umgang mit ihnen. Anfang Dezember hatte er deshalb die für die Flüchtlingskrise symbolische Insel Lesbos in Griechenland besucht. Es war der erste Ort, den Franziskus in seinem Pontifikat zweimal besuchte.

Beten für die, die Gewalt und Missbrauch erleiden

Neben Geflüchteten hob der Papst auch das Leid Frauen hervor, die in dieser Zeit der Pandemie verstärkt Opfer von Gewalt würden. Auch für missbrauchte Kinder sowie die Älteren, die einsam seien, betete er. "Gib den Kindern und Jugendlichen Hoffnung, die Mobbing und Missbrauch erleiden. Spende den älteren Menschen Trost und Zuneigung." Die Ansprache schloss mit der Erinnerung an das "gemeinsame Haus" und den nötigen Schutz für Klima und Umwelt.

Im Anschluss spendete Franziskus den traditionellen Segen "Urbi et Orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis). Damit erlässt der Papst den Gläubigen die Strafen für ihre Sünden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Dezember 2021 um 12:00 Uhr und 13:00 Uhr.