Papst Benedikt der XVI.

Benedikt XVI. tritt zurück Historische Überraschung am frühen Morgen

Stand: 11.02.2013 16:30 Uhr

Selbst die Kardinäle hatten vom Rücktritt nichts geahnt: "Der Papst hat uns ein wenig überrascht", untertrieb nachher Vatikansprecher Lombardi. Tatsächlich ist die Entscheidung Benedikts XVI. nichts weniger als historisch. Wie es genau im Vatikan weitergeht, ist unklar - anders als beim Papst selbst.

Stefan Troendle ARD-Studio Rom

Von Stefan Troendle, ARD-Hörfunkstudio Rom

Benedikt XVI. handelte zwar immer schon konsequent - insofern war seine Entscheidung tatsächlich zu erwarten. Dass er seine rein theoretisch angesprochene Rücktrittsmöglichkeit aber wahr macht, kam für alle vollkommen überraschend.

Auch beim Konsistorium, dem Treffen der Kardinäle heute Morgen, wusste offenbar niemand vorher Bescheid. Es habe viele völlig überraschte Gesichter gegeben, sagte Vatikansprecher Pater Lombardi, der selbst einen leicht verblüfften Eindruck machte: "Der Papst hat uns ein wenig überrascht. Und dann auch noch an einem Tag, der im Vatikan Feiertag ist." Man habe sich in sehr kurzer Zeit auf diese Situation einstellen müssen.

Rücktritt nie ausgeschlossen

Er habe immer die Antworten präsent habt, die der Papst 2010 in seinem Interviewbuch "Licht der Welt" gegeben habe, sagte Lombardi. In diesem Buch hatte Benedikt XVI. eine Rücktrittsmöglichkeit konkret angesprochen und damit klar gemacht, dass diese Möglichkeit für ihn in Frage kommt. Und das hat der Papst heute Morgen dazu gesagt: "Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben."

Die erste Rücktrittserklärung eines Papstes seit 1294 erfolgte auf lateinisch - Coelestin V. war der letzte Papst, der vor mehr als 700 Jahren freiwillig zurücktrat. Der Papst habe zwar keine ihm bekannte Krankheit, sagte Vatikansprecher Lombardi, er nehme auch bis zu seinem Rücktritt Ende Februar seine Aufgaben weiter wahr.

Nicht mehr genug Kraft für die vielen Probleme

Aber Lombardi zitierte aber die Papstaussage von heute Morgen. In dieser hatte Benedikt gesagt, die Welt verändere sich immer schneller, und um sein Amt zu erfüllen, benötige es Kraft. Hier sei er "auf die heutige Welt" eingegangen, die im Vergleich zur Vergangenheit besonders anspruchsvoll geworden sei, wegen der Geschwindigkeit und der Anzahl der Ereignisse und der Probleme.

"Das bedeutet die Notwendigkeit einer größeren Kraft als in vergangenen Zeiten, in denen der Lebensrhythmus weniger fordernd war", sagte Lombardi weiter. Der Papst habe gesagt, dass die Kraft bei ihm in den vergangen Monaten abgenommen habe.

Über den Gesundheitszustand von Benedikt XVI. war in den vergangenen Monaten wiederholt spekuliert worden, auch weil er für dieses Jahr keine Reisen mehr angekündigt hatte. Man muss daher - unabhängig von allen offiziellen Ankündigungen - davon ausgehen, dass es dem Papst gesundheitlich sehr schlecht geht, weil er sich andernfalls nicht für den Rücktritt entschieden hätte. Körperlich war ihm der Verfall immer deutlicher anzusehen. Zuletzt hatte er auch Probleme mit den Augen und sichtbar abgenommen.

Ostern mit neuem Papst?

Was nun passiert, und vor allem wann, ist unklar. Benedikt XVI. erklärte seinen Rücktritt für den 28. Februar um 20.00 Uhr - ein dann fälliges Konklave kann erst danach beginnen. Vatikansprecher Lombardi sagte, er gehe jedoch davon aus, dass die katholische Kirche zu Ostern - also Ende März - ein neues Oberhaupt haben werde.

Benedikt XVI. will sich nach dem Rücktritt wie vermutet in ein Kloster zurückziehen - und zwar in das bisherige Karmelkloster innerhalb der vatikanischen Mauern. Dort wolle er ein Leben in Gebet und Meditation führen, sagte Lombardi. Allerdings seien noch einige Umbauarbeiten notwendig - bis dahin werde Benedikt der 16. nach seinem Rücktritt in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo wohnen.

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KOMMENTARE

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spieler 11.02.2013 • 23:51 Uhr

Ja, er ist alt

und macht auch einen gebrechlichen Eindruck. Die Ruhe sei ihm gegönnt. Zuerst machen die Glieder nicht mehr mit, dann folgt der Geist. In dieser Beziehung ist der Papst keine Ausnahme, ein Mensch wie Du und Ich. Das Alter fordert von uns allen seinen Tribut. Hätte Gott ihn gerne länger auf dem Petrusstuhl gesehen, hätte er wohl in seiner Allmacht eingegriffen. Soweit zum Glauben und göttlicher Vorsehung. Denkbar ist aber auch, dass der Papst, wenn auch spät, eingesehen hat, dass er die notwendigen Veränderungen in seiner Kirche nicht durchsetzen kann oder auch selbst nicht durchsetzen will. Zumindest will er dafür nicht verantwortlich zeichnen. Manchmal spielt auch ein gewisser Altersstarrsinn eine üble Rolle.