Papst Franziskus | Bildquelle: dpa

Erlass des Papstes Im Vatikan vor Missbrauch geschützt

Stand: 29.03.2019 14:37 Uhr

Verdachtsfälle anzeigen, Täter aus dem Amt entfernen: Der Papst hat erstmals Regeln veröffentlicht, die vor sexuellem Missbrauch im Vatikan schützen und Aufklärung garantieren sollen.

Erstmals hat ein Papst umfassende Regeln für den Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch für den Vatikanstaat aufgestellt. Der Vatikan veröffentlichte dazu insgesamt drei von Papst Franziskus unterzeichnete Dokumente - einen Erlass, ein Gesetz und einen Richtlinienkatalog.

Die Maßnahmen waren nach der Anti-Missbrauchskonferenz im Vatikan Ende Februar in Aussicht gestellt worden und sollen am 1. Juni in Kraft treten.

Der Papst will mit den neuen Regeln nach eigenem Bekunden dafür sorgen, dass "bei allen" in der römischen Kurie und im Vatikan das Bewusstsein für die Pflicht wachse, Missbrauch zu melden und mit den zuständigen Behörden zu kooperieren. Er machte deutlich, dass Missbrauchsopfer und deren Angehörige Anspruch auf spirituelle, medizinische, psychologische und juristische Hilfe hätten.

Papst Franziskus beim Abschluss der Anti-Missbrauchskonferenz | Bildquelle: AFP
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Auf einer historischen Konferenz beschloss die Katholische Kirche im Februar Maßnahmen gegen Missbrauch.

Meldung von Vorwürfen wird verpflichtend

Unter anderem wird es im Vatikan künftig zur Pflicht, schon den Verdacht auf Missbrauchsfälle unverzüglich anzuzeigen - mit der Einschränkung, dass dabei das Beichtgeheimnis nicht verletzt werden dürfe. Wer sich nicht daran hält, muss mit Geldstrafen bis zu 5000 Euro und sogar Haft rechnen. Die Verjährungsfrist für Missbrauchsfälle wurde auf 20 Jahre nach dem 18. Geburtstag des mutmaßlichen Opfers festgesetzt.

Außerdem sollen Personen, gegen die wegen Missbrauchsverdachts ermittelt wird, von Kindern und Jugendlichen ferngehalten werden. Obendrein soll bei einem Verdacht auf sexuellen Missbrauch oder auf die Misshandlung von Kindern auch ohne Anzeige strafrechtlich ermittelt werden können. Verurteilte Täter sollen von ihren Posten entfernt werden.

"Wir haben alle (...) die Pflicht, Minderjährige und schutzbedürftige Personen mit Selbstlosigkeit aufzunehmen und für sie ein sicheres Umfeld zu schaffen", erklärte Franziskus in dem Erlass ("Motu Proprio"). Der Schutz von Kindern sei "wesentlicher Bestandteil" der Botschaft des Evangeliums.

Neue Richtlinien zum Umgang mit Kindern

In dem Richtlinienkatalog wird Priestern und anderen kirchlichen Mitarbeitern im Vatikan, die mit Kindern zu tun haben, daher "strengstens untersagt", eine besondere Beziehung zu einem einzelnen Minderjährigen aufzubauen oder sich einem Kind in anstößiger Weise zu nähern. Demnach darf ein Kind auch nicht aufgefordert werden, ein Geheimnis für sich zu behalten. Außerdem darf ein Geistlicher ein Kind nicht beschenken.

Vatikan-Mitarbeiter dürfen Kinder dem Regelwerk zufolge nur fotografieren und filmen und dieses Bildmaterial im Internet veröffentlichen, wenn sie dafür ausdrücklich das Einverständnis der Eltern haben. Es wird angemahnt, im Beisein von Minderjährigen stets sichtbar für andere zu sein und deren Privatsphäre zu respektieren.

Ein Beauftragter für den Schutz von Minderjährigen soll Sorge dafür tragen, dass diese Richtlinien auch befolgt werden. Er soll darüber hinaus Ansprechpartner für die Opfer von Missbrauch sein.

Zusätzlich wird definiert, welche Erwachsenen ebensolchen Schutz erfahren sollten wie Minderjährige. Dazu gehören laut der neuen Definition des Vatikan körperlich oder psychisch Kranke oder Menschen, die Übergriffe gegen sie nicht verstehen oder sich nicht gegen sie wehren können.

Gültig für Einwohner und Angestellte des Vatikans

Die nun veröffentlichten Regeln gelten für Personen, die die vatikanische Staatsbürgerschaft haben oder im Kirchenstaat ihren Wohnsitz haben. Der kleinste Staat der Welt zählt um die 800 Einwohner - gut 300 davon sind Diplomaten, die für den Vatikan in aller Welt im Einsatz sind.

Minderjährige hingegen sind kaum darunter. Doch das Gesetz kann den Angaben zufolge auch auf Kinder angewendet werden, die sich regelmäßig im Vatikan aufhalten. Auch wenn die Regelungen nur den Kirchenstaat betreffen, sendet Franziskus damit ein Signal - schließlich ist der Vatikan das Machtzentrum der Kirche.

Automatische Ermittlungen in Deutschland

Sexueller Missbrauch durch Geistliche wurde in der Vergangenheit in vielerlei Hinsicht und in vielen Ländern kleingeredet oder vertuscht - auch in Deutschland. In einer von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen und im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie waren beispielsweise etliche Missbrauchsfälle dokumentiert worden.

In Deutschland wird nach Angaben der katholischen Kirche seit 2010 automatisch bei jedem Verdacht auf sexuellen Missbrauch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Anzeigepflicht entfalle nur, wenn das Opfer dies ausdrücklich wünsche.

Papst erlässt strengere Regeln gegen Kindes-Missbrauch
Jörg Seisselberg, ARD Rom
29.03.2019 18:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. März 2019 um 13:00 Uhr.

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