Papst Franziskus wird von Bulgariens Ministerpräsident Boiko Borissow und vier Kindern in Nationaltrachten nach seiner Landung auf dem Flughafen von Sofia begrüßt. | Bildquelle: dpa

Katholische Kirche Papst erlässt Meldepflicht bei Missbrauch

Stand: 09.05.2019 12:43 Uhr

Papst Franziskus verpflichtet Geistliche, dass sie Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche melden. Diözesen weltweit sollen zudem bis Juni 2020 leicht zugängliche Anlaufstellen einrichten.

Nach der anhaltenden Kritik an Papst Franziskus, er tue zu wenig gegen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche, hat das Kirchenoberhaupt nun reagiert: Für Kleriker und Ordensleute werde ab Juni die Verpflichtung eingeführt, innerhalb der Kirche Missbrauchs- und Vertuschungsfälle umgehend anzuzeigen. Das teilte der Vatikan mit.

Mit dem neuen Kirchengesetz soll Vertuschungs- und Deckaktionen in der Kirchenhierarchie entgegengewirkt werden, die bei den Missbrauchsskandalen in aller Welt eine große Rolle gespielt haben. "Während diese Verpflichtung bis dato in einem gewissen Sinne dem persönlichen Gewissen überlassen war, wird sie nunmehr zu einer universell gültigen Rechtsvorschrift", erklärte der Chefredakteur der Kommunikationsabteilung des Vatikans, Andrea Tornielli. Eine Meldepflicht an staatliche Stellen ist allerdings nicht vorgesehen.

In dem apostolischen Schreiben "Vos estis lux mundi" (Ihr seid das Licht der Welt) heißt es zudem, die katholischen Diözesen in aller Welt müssten bis spätestens Juni 2020 "ein oder mehrere dauerhafte und der Öffentlichkeit leicht zugängliche" Anlaufstellen für Anzeigen einrichten. Das Beichtgeheimnis soll allerdings gewahrt bleiben.

Kirche in schwerer Krise durch Missbrauchsskandal

Die katholische Kirche steckt seit Jahren wegen Missbrauchsskandalen in vielen Ländern der Welt in einer ihrer schwersten Krisen. Während des Pontifikats von Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. kam ans Licht, dass sich massenhaft Geistliche an Kindern vergangen hatten und von Oberen gedeckt wurden.

Das nun veröffentlichte sogenannte "Motu proprio" - ein persönliches Schreiben des Papstes - ist eine Folge des Anti-Missbrauchsgipfels, zu dem der Papst Ende Februar die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen weltweit in den Vatikan geladen hatte. Danach war kritisiert worden, dass der Pontifex keine umfassenden Schritte im Kampf gegen den Missbrauch von Kindern unternommen hatte. Zuletzt stellte Franziskus einzig für den kleinen Vatikanstaat - in dem kaum Kinder leben - entsprechende Regeln auf.

Papst verschärft Kirchenrecht bei sexuellem Missbrauch
Tassilo Forchheimer, ARD Rom
09.05.2019 14:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete das Erste am 09. Mai 2019 im ARD-Mittagsmagazin ab 13:00 Uhr sowie in der Tagesschau um 14:00 Uhr.

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