Papst Franziskus  | Bildquelle: REUTERS

Migrationspolitik "Der gesunde Menschenverstand schweigt"

Stand: 06.07.2018 21:52 Uhr

Folter, Vergewaltigung, Mord - damit müssten Flüchtlinge in libyschen Lagern rechnen. UN-Vertreter sprechen von katastrophalen Zuständen. Auch der Papst kritisierte den Umgang mit Migranten.

Von Tassilo Forchheimer, ARD-Studio Rom

Zwischen den beiden Rednern lagen nur wenige Kilometer. In ihrer zentralen Botschaft waren sie sich noch näher: Roberto Mignone, der Vertreter des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nation (UNHCR) in Libyen, und Papst Franziskus.

Der eine war nach Rom gekommen, um vor der Auslandspresse über die Lage von Flüchtlingen in Nordafrika zu berichten, der andere feierte eine Messe im Petersdom, um zusammen mit Flüchtlingen an seinen Besuch auf der Insel Lampedusa genau vor fünf Jahren zu erinnern.

Katastrophale Zustände in Libyen

Der UN-Vertreter erzählte von katastrophalen Zuständen in den Flüchtlingslagern in Libyen. Dort gebe es Verstecke der Schlepper, in denen die Menschen vor ihrer Abreise festgehalten werden, so Mignone. Meistens seien das unterirdische Verstecke oder verlassene Fabrikhallen.

"An diesen Orten kann einem jede Art von Missbrauch widerfahren: Folter, Vergewaltigungen, Mord. Das sind die illegalen Strukturen, wo die Menschenhändler und die Schmuggler Menschen versteckt halten."

Zugleich seien da noch die offiziellen Lager der libyschen Behörden. Dort herrschten entsetzliche Zustände, kritisierte er. In diesen Lagern seien auch Tausende von Menschen untergebracht, die nach Einschätzung des UN-Flüchtlingshilfswerks Anrecht auf Asyl oder zumindest internationalen Schutz haben.

Private Organisationen retten Menschenleben

Trotz der Bemühungen der libyschen Regierung sei die Situation im Land noch immer sehr unübersichtlich. Die libysche Küstenwache tue ihr Bestes, sei aber bei Weitem nicht in der Lage, alle Ertrinkenden zu retten. Noch immer sei Libyen kein sicherer Hafen für gerettete Bootsflüchtlinge. Die privaten Rettungsorganisationen spielten eine Schlüsselrolle bei der Rettung von Menschenleben, so der UNHCR-Vertreter.

Wenige Kilometer entfernt mahnte Papst Franziskus zu internationaler Solidarität in der Flüchtlingspolitik und beklagte das "Schweigen des gesunden Menschenverstandes". Tausende Tote seien im Mittelmeer zu beklagen, sagte Franziskus in seiner Predigt.

Papst-Appell an Geflüchtete

"Eine gerechte Politik stellt sich in den Dienst am Menschen und denkt an alle Betroffenen", sagte er. "Sie kümmert sich um Lösungen zur Gewährleistung der Sicherheit ebenso wie um die Achtung der Rechte und der Würde aller Menschen; sie versteht es, auf das Wohl des eigenen Landes zu schauen und gleichzeitig das der anderen Länder zu berücksichtigen - in einer immer vernetzteren Welt."

An die Geretteten appellierte der Papst, die Kultur und die Gesetze der Aufnahmeländer zu achten und den Weg der Integration zu gehen.

Papst und UNHCR-Vertreter fordern in Rom menschliche Migrationspolitik
Tassilo Forchheimer, ARD Rom
06.07.2018 21:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 07. Juli 2018 um 20:50 Uhr.

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