Papst wird in Kanada begrüßt | AP

Papst besucht Kanada Franziskus auf Entschuldigungstour

Stand: 25.07.2022 04:53 Uhr

Trotz angeschlagener Gesundheit ist der Papst in Kanada eingetroffen. Der Besuch ist ihm wichtig. Er möchte sich für das entschuldigen, die kirchliche Mitarbeiter indigenen Kinder angetan hatten.

In Maskwacis, das in der Sprache des indigenen Volkes Cree der "Hügel des Bären" bedeutet, wird Papst Franziskus sich in seiner ersten Ansprache an die Vertreter der Indigenen Kanadas wenden. In dem Ort rund 100 Kilometer südlich von Edmonton wird er zunächst von einigen Älteren der First Nations, der Métis und der Inuit begrüßt, danach wird Franziskus im stillen Gebet am Friedhof verweilen.

Sein Besuch, so hatte der Papst auf dem Hinflug nach Kanada betont, sei eine Reise der Buße. Es wird erwartet, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche um Entschuldigung bittet für das, was kirchliche Mitarbeiter indigenen Kindern angetan hatten.

"Es ist ein Anfang"

"Diese Entschuldigung gibt unseren Erfahrungen Gültigkeit und schafft eine Gelegenheit für die Kirche, die Beziehungen zu Indigenen weltweit zu reparieren", sagte der Stammesvorsitzende George Arcand Jr. vor der Ankunft des Oberhaupts der katholischen Kirche. Doch "es hört hier nicht auf - es gibt viel zu tun. Es ist ein Anfang."

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Jungen und Mädchen in sogenannte Residential Schools gesteckt, dort sollten sie an die Kultur der europäischen Einwanderer angepasst werden. Doch in den Internaten, die der kanadische Staat eingerichtet hatte, wurden den Kindern die eigene Herkunft meist brutal ausgetrieben, sie wurden misshandelt und auch missbraucht. Viele starben, oft an Mangelernährung, Seuchen oder auch an Vernachlässigung. Einen Großteil der Internate betrieben christliche Gemeinschaften, in Maskwacis gab es eine große Schule.

Regierung zahlte Milliardenentschädigung

Die kanadische Regierung hat bereits eingeräumt, dass es an den Schulen körperlichen Missbrauch und sexualisierte Gewalt gab. 2008 bat der damalige Premierminister Stephen Harper dafür formell um Entschuldigung. Die Regierung zahlte eine Milliardenentschädigung, die an idigene Gemeinschaften überwiesen wurde.

Eine kanadische Kommission rief 2015 zu einer päpstlichen Entschuldigung auf kanadischem Boden auf. Nachdem im vergangenen Jahr Überreste von rund 200 Kindern auf dem Grundstück einer früheren Schule in der kanadischen Provinz British Columbia gefunden worden waren, leitete der Vatikan Schritte ein, um die Entschuldigung umzusetzen.

Im Laufe der sechstägigen Reise wird Franziskus immer wieder mit kanadischen Ureinwohnern zusammentreffen, am Nachmittag ist in einer Kirche in Edmonton ein weiteres Treffen geplant. Außerdem wird der 85-jährige Franziskus zwei große Messen feiern und an der traditionellen Wallfahrt zum Lac Sainte-Anne teilnehmen.

Mit Informationen von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. Juli 2022 um 06:22 Uhr.