Papst Franziskus | Bildquelle: dpa

Das Jahr des Papstes Jammern verboten

Stand: 24.12.2017 18:49 Uhr

"Reformen im Vatikan durchzusetzen, ist wie die Sphinx in Ägypten mit einer Zahnbürste zu reinigen": Papst Franziskus hat ein zähes Jahr hinter sich. Jan-Christoph Kitzler über die Kurie, Kardinäle und Kritik - und über das Türschild an der päpstlichen Wohnung.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

2017 war ein eher zähes Jahr. Das sieht wohl auch Papst Franziskus so. In seiner Weihnachtsansprache an die Kurie hat er jedenfalls Einblick in seine Gefühlslage gegeben - und gleichzeitig angedeutet, was er noch vor sich hat in Sachen Reform:

"In Rom Reformen zu machen ist, wie wenn man die Sphinx in Ägypten mit einer Zahnbürste reinigt. Das sagt, wieviel Geduld, Hingabe und Taktgefühl man braucht, um dieses Ziel zu erreichen."

Vielen, die den Papst von außerhalb Roms beobachten, gehen die Reformen zu langsam und kritisieren sie als zu vage. Und viele Mitarbeiter der Kurie beklagen sich ausgerechnet über mangelndes Taktgefühl.

Papst Franziskus | Bildquelle: dpa
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Papst Franziskus hat ein zähes Jahr hinter sich.

Superminister muss nach Australien

An der Tür zur Wohnung des Papstes im vatikanischen Gästehaus Santa Marta, wo er seit dem Konklave 2013 wohnt, hängt ein Schild, auf dem steht: "Jammern verboten." Das gilt auch für hohe Kurienvertreter, die von Franziskus in diesem Jahr spektakulär de facto abgesetzt wurden. Kardinal George Pell zum Beispiel war bis zum Sommer eine Art Superminister im Vatikan, zuständig für Wirtschaft und Finanzen. Doch Franziskus hat ihn nach Australien geschickt, damit er sich dort in einem Kindesmissbrauchsverfahren verteidigen kann.

Kardinal George Pell | Bildquelle: AFP
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Kardinal George Pell

Pell, ein durchsetzungsstarker Australier, wird nach allem was man hört, nie wieder nach Rom zurückkehren. Aber er nahm es sportlich: "Ich freue mich darauf, endlich vor Gericht erscheinen zu können. Ich bin unschuldig, die Anschuldigungen sind falsch. Ich verabscheue die bloße Idee sexuellen Missbrauchs." Er habe Papst Franziskus in dieser Zeit regelmäßig informiert und mit ihm bei einer Reihe von Gelegenheiten gesprochen, gerade erst vor einem Tag. "Wir haben darüber gesprochen, dass ich gehen muss, um meinen Namen reinzuwaschen."

Kardinal quasi entmachtet

Ganz anders reagierte da Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der seit Sommer ohne festen Job ist. Da wurde er als Präfekt der Glaubenskongregation, also als oberster Hüter der katholischen Lehre, nicht verlängert. Warum, das versteht er bis heute nicht - und das sagt er auch offen in zahlreichen Interviews: "Insofern war das für mich eigentlich nicht verständlich. Und viele Kardinäle, Bischöfe, Theologen aus der ganzen Welt haben mir gesagt, dass sie diese Entscheidung ebenfalls nicht verstehen."

Franziskus sprach in seiner Weihnachtsansprache Kardinal Müller zwar nicht direkt an - er konnte sich aber durchaus angesprochen fühlen:

"Die Verräter des Vertrauens oder die Profiteure der Mütterlichkeit der Kirche: Sie lassen sich von Ehrgeiz oder Ruhmessucht korrumpieren. Und wenn sie dann sachte entfernt werden, dann erklären sie sich fälschlicherweise zu Märtyrern des Systems, des nicht informieren Papstes - anstatt das 'mea culpa' aufzusagen."

Ungewohnt heftiger Gegenwind

2017 war auch das Jahr, in dem Papst Franziskus so heftigen Gegenwind bekommen hat wie nie zuvor. Vielleicht auch deshalb seine heftigen Worte. Im Februar machte eine gefälschte Ausgabe der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" die Runde. Wenige Wochen zuvor hatten Unbekannte in Rom zahlreiche Plakate aufgehängt, die den Papst in ein schlechtes Licht setzen sollten. Die Kritik richtet sich am Ende auch gegen die angebliche Oberflächlichkeit.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller | Bildquelle: AP
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Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Die einfachen pastoralen Gesten, die Franziskus so liebt, sind Wächtern der reinen Lehre, wie Kardinal Müller, ein Graus. Der meint denn auch: "Es wäre besser, die Glaubensbotschaft des Papstes zu hören und darauf zu achten, das im eigenen Leben umzusetzen, als sozusagen mit sekundären Aufmerksamkeitselementen den Papst populär zu machen."

Es läuft längst nicht alles rund im Vatikan: So haben in diesem Jahre die letzten Vertreter der Opfer die päpstliche Missbrauchskommission verlassen. Sie beklagen sich unter anderem über eine Blockadehaltung der päpstlichen Behörden.

Papst Franziskus in der kolumbianischen Stadt Villavicencio.
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Verschaufpause von Rom - der Papst auf seiner Auslandsreise in Kolumbien.

Wohltuende Auslandsreisen

Fast wohltuend waren da die vier Auslandsreisen, hier war Papst Franziskus in seinem Element. Das zentrale Thema war meist Versöhnung: in Ägypten zwischen den Religionen, im Konflikt mit den Rohingya in Bangladesch und Myanmar - und in Kolumbien zwischen Rebellen und der Regierung. Hier kam der Papst jeweils als Hoffnungsträger:

"Sich versöhnen heißt, allen, die das Drama des Konflikts erlebt haben, eine Tür zu öffnen. Wenn die Opfer die verständliche Versuchung zur Rache überwinden, werden sie zu den glaubwürdigsten Vertretern der Prozesse zum Aufbau des Friedens. Es ist nötig, dass einige den Mut fassen, den ersten Schritt in diese Richtung zu tun, ohne darauf zu warten, dass die anderen es tun. Es genügt eine gute Person, damit es Hoffnung gibt."

Diese Botschaft kam an und sorgte für Begeisterung. Doch in Rom erwartet den Papst auch 2018 eher Graubrot. Er braucht auch im neuen Jahr einen langen Atem. Damit die Reform der Kurie mehr ist, als eine eher vage Hoffnung für die einen und eine diffuse Drohung für die anderen.

Rückblick: Das Jahr des Papstes
Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom
24.12.2017 17:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR5 am 24. Dezember 2017 um 13:21 Uhr.

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