Treffen mit Missbrauchsopfern Franziskus bittet um Vergebung

Stand: 07.07.2014 15:27 Uhr

Papst Franziskus hat erstmals Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche getroffen. Bei der Morgenmesse mit je zwei Betroffenen aus Deutschland, Irland und Großbritannien bat Franziskus um Vergebung "für diese Sünden und schweren Verbrechen".

Papst Franziskus
galerie

Das Kirchenoberhaupt bat um Vergebung für "Sünden und schwere Verbrechen".

Er bat um Verzeihung für jene Kirchenführer, die nicht angemessen auf Berichte über Missbrauch geantwortet hätten. In der Geistlichkeit sei kein Platz für jene, die Missbrauch begehen, sagte der Pontifex und bekräftigte, Vergehen an Minderjährigen nicht tolerieren zu wollen. Die Kirche müsse auch über die Priester-Ausbildung solche Sünden aus der Kirche verbannen.

Anschließend widmete sich der Papst den sechs Missbrauchsopfern in persönlichen Gesprächen. Es sei ein Wunder der Hoffnung, dass es die Gelegenheit zum Treffen gäbe, um sich in die Augen zu schauen und Versöhnung zu suchen, sagte Franziskus.

Netzwerk Betroffener kritisiert "PR-Veranstaltung"

Der Vorsitzende des deutschen Netzwerks Betroffener von sexueller Gewalt, Norbert Denef, kritisierte das Treffen als "ein weiteres Stück Symbolismus" und als bloße "PR-Veranstaltung". Der Papst schare lieber strenggläubige Missbrauchsopfer um sich und bete mit ihnen, anstatt die Betroffenen angemessen zu entschädigen. Eine Begegnung auf Augenhöhe sehe anders aus.

Franziskus hatte das Treffen selbst angekündigt. Ende Mai hatte er sexuellen Missbrauch durch Geistliche mit einer "schwarzen Messe" verglichen. Dafür gebe es in der katholischen Kirche eine Null-Toleranz. Bereits im Dezember 2013 hatte der Papst eine achtköpfige Kommission ins Leben gerufen, die ein gesteigertes Bewusstsein auch von der Verantwortung für die Kirche bei sexuellem Missbrauch schaffen soll. Sein Vorgänger Benedikt XVI. hatte sich insgesamt fünf Mal mit Menschen getroffen, die in katholischen Kirchen und Einrichtungen sexuell missbraucht worden waren.

3420 Beschuldigungen in zehn Jahren

Papst Bendikt XVI.
galerie

Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. hatte sich insgesamt fünf Mal mit Missbrauchsopfern getroffen.

Der Vatikan spricht von 3420 glaubwürdigen Beschuldigungen gegenüber katholischen Priestern, die Kinder und Jugendliche missbraucht haben, allein in den vergangenen zehn Jahren. 848 Priester wurden in diesem Zeitraum in den Laienstand versetzt, in mehr als 2500 Fällen wurden weitere Strafen ausgesprochen. Seit 1950 haben katholische Diözesen und Orden rund 1,8 Milliarden Euro an Entschädigung an die Opfer gezahlt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Juli 2014 um 16:15 Uhr.

Darstellung: