Papst Franziskus mit Angehörigen der indigenen Mapuche in Temuco, Chile | Bildquelle: REUTERS

Franziskus bei den Mapuche Besuch zu einem komplizierten Zeitpunkt

Stand: 17.01.2018 19:51 Uhr

Papst Franziskus hat in Chile eine Messe mit den indigenen Mapuche abgehalten. Ob er damit den Konflikt zwischen der Volksgruppe und der Regierung befrieden kann, halten Experten für fraglich.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom, zzt. Temuco, Chile

Papst Franziskus ist nach seinem Aufenthalt in Chiles Hauptstadt Santiago noch einmal fast 700 Kilometer weiter in den Süden des Landes gereist, um über die Lage der indigenen Volksgruppen zu sprechen. Auf das Gelände eines Militärflughafens bei Temuco waren viele Gläubige der Mapuche gekommen. Sie hatten sichtbare und hörbare Zeichen ihrer Tradition dabei. Unter den Teilnehmern gab es eine große Begeisterung, als der Papst sie in ihrer Sprache begrüßte.

Rund 1,3 Millionen Mapuche leben in Chile - die meisten in der Region Araukanien im Süden Chiles. Seit Jahren kämpfen sie um Anerkennung und für die Rückgabe von Ländereien, die ihnen genommen wurden. Unter der Pinochet-Diktatur seit 1973 hatte sich die Lage der Mapuche verschärft. Auch auf dem Militärflughafen bei Temuco hatte das Regime in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts gefoltert.

Papst Franziskus begrüßt eine Gruppe Frauen bei seinem Besuch im Frauengefängnis San Joaquin in Santiago in Chile. | Bildquelle: dpa
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Bei seinem Besuch im Frauengefängnis San Joaquin in Santiago in Chile betonte Papst Franziskus die Bedeutung der Menschenwürde auch hinter Gefängnismauern.

Danksagung für das Land und sein Volk

Papst Franziskus sprach die Leiden der Mapuche in aller Deutlichkeit in seiner Predigt an. Er sagte: "Im Zusammenhang der Danksagung für dieses Land und sein Volk, aber auch des Leidens und des Schmerzes feiern wir die Eucharistie. Und wir tun es auf diesem Flugplatz von Maqueue, auf dem schwere Verletzungen der Menschenrechte stattgefunden haben. Ich feiere diese heilige Messe für alle, die gelitten haben und gestorben sind und für alle, die täglich auf ihren Schultern die Last so vieler Ungerechtigkeiten tragen müssen."

Doch längst nicht alle Mapuche sehen die Rolle des Papstes positiv. In den vergangenen Tagen hatte es im Süden Chiles und in der Hauptstadt Santiago Anschläge auf mehrere Kirchen gegeben, zu denen sich radikale Mapuche-Gruppen bekannt hatten. Sie sehen die katholische Kirche als Teil eines Systems der Unterdrückung.

Historiker äußert Skepsis

Ob der Besuch des Papstes die Lage beruhigen kann? Der Historiker Pedro Carnales von der Universität Santiago ist skeptisch. Er sagt: "Er kommt zu einem, wie ich finde, ziemlich schwierigen und komplizierten Zeitpunkt." In der Mapuche-Bewegung in Chile gebe es einige radikale Gruppen, die inzwischen jeden Dialog ablehnten. Sie wollten gar kein Abkommen mit der Regierung mehr schließen, so Carnales.

Von der Regierung in Santiago gibt es immerhin einen Versuch der Annäherung. Chiles aus dem Amt scheidende Staatspräsidentin hatte im letzten Jahr erstmals um Verzeihung für die vom Staat begangenen Fehler und Gräuel gebeten.

Franziskus: Einheit in der Verschiedenheit

Nach der Messe auf dem Militärflughafen wollte sich Papst Franziskus mit einigen Vertretern der Mapuche treffen. Viele von ihnen erhoffen sich von seinem Besuch Unterstützung für ihre Sache. Und sie konnten auch den Appell von Franziskus für ihre Sache deuten: Einheit in der Verschiedenheit.

"Die Einheit entsteht nicht und wird nicht daraus entstehen, die Unterschiede zu neutralisieren oder verstummen zu lassen", sagt der Papst. "Die Einheit ist nicht ein Trugbild erzwungener Integration oder angleichender Ausgrenzung. Der Reichtum eines Landes entsteht gerade daraus, dass jeder Teil sich entschließt, sein Wissen mit den anderen zu teilen." Einheit sei keine erstickende Einförmigkeit, "die für gewöhnlich aus der Vorherrschaft und der Macht des Stärkeren hervorgeht". Sie sei auch keine Trennung, "die die anderen als gut anerkennt", so Franziskus. "Die Einheit ist eine versöhnte Verschiedenheit."

Es ist unmöglich, dass ein kurzer Papstbesuch einen tiefgreifenden Konflikt, wie den mit den Mapuche lösen kann. Aber Franziskus hat den Finger in die Wunde gelegt und auf den weiten Weg hingewiesen, den Chile noch vor sich hat.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Januar 2018 um 17:00 Uhr und um 20:00 Uhr.

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