Papst Franziskus sitzt während seiner Reise durch Chile auf einem Stuhl in Santiago.  | Bildquelle: AP

Franziskus in Chile Die unsichtbaren Tränen des Papstes

Stand: 17.01.2018 12:41 Uhr

Es ist eine schwierige Reise für Franziskus: In Chile haben Missbrauchsfälle das Vertrauen in die katholische Kirche tief erschüttert. Bei seinem Besuch in Santiago bittet der Papst um Vergebung. Nun steht die nächste schwere Etappe an.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom, zzt. Santiago de Chile

Eine einfache Papstreise ist das nicht. Zwar stehen auch dieses Mal jubelnde Menschenmengen am Straßenrand, auch dieses Mal kamen Hunderttausende zur ersten Messe. Und auch dieses Mal hat der Papst die Momente, die ihm so leicht fallen: Franziskus besuchte in Santiago de Chile ein Frauengefängnis.

Dort sprach er davon, wie wichtig es sei, Strafgefangene wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Und von der Menschenwürde, auch hinter den Gefängnismauern: "Die Menschenwürde darf nicht angetastet werden - bei niemandem. Sie muss beschützt und gepflegt werden. Niemandem darf seine Würde genommen werden", sagte der Pontifex. "Menschenwürde ist ansteckend, noch mehr als die Grippe. Menschenwürde schafft neue Menschenwürde."

Papst Franziskus begrüßt eine Gruppe Frauen bei seinem Besuch im Frauengefängnis San Joaquin in Santiago in Chile. | Bildquelle: dpa
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Bei seinem Besuch im Frauengefängnis San Joaquin in Santiago in Chile betonte Papst Franziskus die Bedeutung der Menschenwürde auch hinter Gefängnismauern.

Proteste wegen Missbrauchsfällen

Nah bei den Menschen zu sein, das gelingt Franziskus auch in Chile. Aber es ist auch eine harte Reise, nicht nur wegen des strammen Programms, das sich der Papst auch dieses Mal auferlegt hat. Auf den Straßen begegnen ihm auch Proteste. Sie prangern unter anderem den Umgang der katholischen Kirche in Chile mit Missbrauchsfällen an. Manche Demonstranten trugen Sticker, auf denen steht: "No Barros!"

Gemeint ist Juan Barros. Er soll Missbrauchstäter gedeckt, von Fällen gewusst und nichts gesagt haben. Trotzdem ernannte ihn Papst Franziskus 2015 zum Bischof von Osorno. Das liegt zwar in der tiefsten Provinz, weit im Süden, aber gestern, beim Treffen mit Chiles Bischöfen, saß Barros selbstverständlich dabei. Und musste mitanhören, wie Franziskus in seiner Ansprache die Überheblichkeit mancher Kirchenoberen kritisierte: "Das fehlende Bewusstsein, als Diener und nicht als Herren zum Volk Gottes zu gehören, fügt der missionarischen Dynamik, die wir eigentlich fördern sollen, größeren Schaden zu", predigte Franziskus. "Dies äußert sich als Klerikalismus, der sich als eine Karikatur der Berufung, die wir erhalten haben, herausstellt."

Papst Franziskus besucht Chile
tagesschau 12:00 Uhr, Michael Stocks, ARD Rio de Janeiro

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Franziskus weinte mit Missbrauchsopfern

Bereits am Mittag hatte der Papst unter Ausschluss der Öffentlichkeit einige Missbrauchsopfer getroffen. Er habe ihnen zugehört, mit ihnen gebetet und mit ihnen geweint, hieß es aus dem Vatikan lediglich. Zuvor hatte er vor der politischen Führung des Landes das heikle Thema angesprochen - und dann auch noch mal vor Priestern und Ordensleuten.

"Ich kenne den Schmerz, den die Missbrauchsfälle an Minderjährigen bei Euch ausgelöst haben. Und ich verfolge mit Interesse, was Ihr tut, um dieses schwere und schmerzhafte Übel zu überwinden", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. "Schmerz wegen des Schadens und des Leidens der Opfer und ihrer Familien, die in ihrem Vertrauen betrogen worden sind, das sie in die Diener der Kirche gesetzt hatten. Schmerz wegen des Leidens der kirchlichen Gemeinschaften, aber auch Schmerz für Euch, Brüder, der bei einigen zu Zweifeln, Angst oder einem Mangel an Vertrauen geführt hat."

Treffen mit indigenem Volk

Solche, öffentliche Worte des Papstes waren erwartet worden. Ausgestanden ist die schwere Krise, in der die katholische Kirche in Chile steckt, damit noch nicht.

Heute erwartet den Papst die nächste schwere Etappe seiner Reise. In Temuco, im Süden Chiles, trifft er Angehörige der Mapuche, die gegen Unterdrückung und für die Rückgabe von Land kämpfen. Radikale Gruppen dieses indigenen Volkes hatten in den letzten Tagen mehrere Brandanschläge auf Kirchen verübt. Einige von ihnen sehen die katholische Kirche als Teil eines Systems der Unterdrückung. Der Papst wird eine große Messe auf einem ehemaligen Flughafengelände feiern. Auch dieses Gelände wird von den Mapuche beansprucht. Und auch hier wird der Papst versuchen, die richtigen Worte zu finden.

Schwierige Themen bei Papst Besuch in Chile
Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom zzt. Santiago de Chile
17.01.2018 06:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Januar 2018 um 04:55 Uhr.

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