Papst Franziskus | Bildquelle: AP

Papst verurteilt Missbrauch "Die Kleinen alleingelassen"

Stand: 20.08.2018 19:20 Uhr

In einem Brief hat Papst Franziskus Missbrauch in der katholischen Kirche als Verbrechen verurteilt und eine "Null-Toleranz-Haltung" gefordert. Die Kirche habe die Opfer vernachlässigt, schrieb er.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

"An das Volk Gottes" ist das Schreiben gerichtet, in dem sich Papst Franziskus zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche zu Wort gemeldet hat. Ein Vatikansprecher sagte, es gehe um die Lage in Irland, in den USA und in Chile, aber der Brief richte sich an alle Gläubigen.

Der Papst bezeichnet den Missbrauch an Minderjährigen darin klar als Verbrechen. Früher hatten Kirchenvertreter die Taten meist lediglich als Sünde bezeichnet. "Die Wunden verjähren nie", schreibt Franziskus, er spricht von "Scham und Reue". Die Kirche habe "die Kleinen vernachlässigt und allein gelassen". Eine "Null-Toleranz-Haltung" müsse verbreitet und Rechenschaft von denen gefordert werden, die diese Verbrechen begehen oder decken.

Er fordert einen Kulturwandel und prangert eine "anomale Verständnisweise von Autorität in der Kirche" an. Zum Missbrauch Nein zu sagen, heiße, zu jeder Form von Klerikalismus mit Nachdruck Nein zu sagen, so der Papst.

Proteste in Irland erwartet

Letzte Woche hatte der Bericht einer Untersuchungskommission im US-Bundesstaat Pennsylvania die Missbrauchstaten von rund 300 Priestern an etwa 1000 Minderjährigen in einem Zeitraum von 70 Jahren dokumentiert. Am kommenden Wochenende reist der Papst nach Irland, wo ihn Proteste erwarten. Dort waren schon vor Jahren in mehreren Untersuchungsberichten Tausende Missbrauchsfälle durch katholische Priester und in katholischen Einrichtungen offengelegt worden. 

In den Berichten wird auch die systematische Vertuschung der Taten durch Kirchenobere belegt, die in vielen Ländern über Jahre gängige Praxis war.

Papst Franziskus' Brief zu Missbrauchsfällen
Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom
21.08.2018 08:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 20. August 2018 um 17:00 Uhr.

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