Ein Arbeiter versprüht Desinfektionsmittel vor einem Wandgemälde von Papst Franziskus vor der syrisch-katholischen Kathedrale "Unserer Lieben Frau der Erlösung" in Bagdads Stadtteil Karrada. | dpa

Sicherheitslage und Corona Warum reist Papst Franziskus in den Irak?

Stand: 05.03.2021 03:45 Uhr

Es ist der erste Besuch eines Papstes im Irak, und er steht unter schwierigen Vorzeichen. Die Sicherheitslage ist prekär, und die Corona-Infektionszahlen steigen. Doch viele erhoffen sich ein Signal der Versöhnung.

Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

Der Besuch im Irak führt den Papst an viele Orte des Schreckens. In Mossul im Norden des Landes wütete noch vor wenigen Jahren der sogenannte Islamische Staat, sein Terror richtete sich auch gegen Christen, Jesiden und andere Minderheiten. Im Juli 2017 galt Mossul als zurückerobert, es war schwer beschädigt worden. Papst Franziskus wird dort für die Opfer des Krieges beten.

Ich komme als Pilger, als reuiger Pilger, um den Herrn nach Jahren des Krieges und des Terrorismus um Vergebung und Versöhnung zu bitten, um Gott zu bitten, den Herzen Trost zu spenden und die Wunden zu heilen.
Elisabeth Pongratz ARD-Studio Rom

In der nahegelegenen Ninive-Ebene wird der Papst die Gemeinde Karakosch besuchen. Diese Region im Irak galt seit jeher als christliches Gebiet. Vor 2003 sollen im ganzen Land mehr als eine Million Christen gelebt haben, heute sind es schätzungsweise rund 200.000.

Stärkung nach den Schrecken des IS-Regimes

Die Al-Tahira-Kathedrale, in der Franziskus am Sonntag den Angelus beten wird, ist gerade restauriert worden, unter anderem mit Hilfe der internationalen Organisation Kirche in Not. Direktorin Regina Lynch sieht in dem Besuch nicht nur einen symbolischen Charakter, sondern auch eine Stärkung nach den Schrecken des IS-Regimes.

Es ist ein sehr wichtiges Zeichen für die Christen. Es ist ein Zeichen von Brüderlichkeit, von Solidarität. Es zeigt, dass die Christen doch wichtig sind. Dass sie eine Rolle zu spielen haben.

Brüderlichkeit, Geschwisterlichkeit - unter dieses Motto hat der Papst seine erste Irak-Reise gestellt. Auf das Matthäus-Evangelium bezieht er sich, wenn er sagt: Ihr seid alle Geschwister. So will er an den vier Tagen das Gemeinsame der Religionen betonen.

Interreligiöses Treffen

Die Ebene von Ur gilt als das Stammland von Abraham, auf ihn beziehen sich Juden, Christen und Muslime. Dort soll es zu einem interreligiösen Treffen kommen, für Franziskus ein Herzensanliegen, so betont er in einer Videobotschaft an die Iraker kurz vor Antritt der Reise.

Bei euch hat Abraham vor tausenden von Jahren seinen Weg begonnen. Heute liegt es an uns, ihn weiter zu gehen, in der gleichen Gesinnung, indem wir gemeinsam Wege des Friedens gehen.

Zuvor wird Franziskus in Nadschaf Station machen. Die Stadt südlich von Bagdad gilt als eine der heiligsten Pilgerstätten im schiitischen Islam. Das katholische Oberhaupt tritt dort mit der höchsten Autorität der Schiiten zusammen, Großajatollah Ali al-Sistani. Das Treffen wird mit Spannung erwartet, denn vor zwei Jahren hatte Franziskus in Abu Dhabi mit den Sunniten und dessen Großimam Ahmad Al-Tayyeb ein Dokument der Brüderlichkeit unterzeichnet.

Es geht um Versöhnung

Als religiöses Oberhaupt, so Islamwissenschaftler und Jesuitenpater Felix Körner, gehe es dem Papst darum, Versöhnung zu stiften und die Hand zu reichen.

Jetzt haben wir das erste Mal einen Besuch eines Papstes in einem von Schiiten dominierten Land, bei Schiiten. Es geht hier wirklich um diese gereichte Hand zu der Schia.

Von der Hauptstadt Bagdad wird der Papst und seine Delegation zu den verschiedenen Orten reisen. Die Sicherheitslage im Irak ist vielerorts angespannt, immer wieder kommt es zu Anschlägen. Außerdem steigen seit Wochen die Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Deshalb kam es zu Kritik an der Reise, jetzt, mitten in der Corona-Pandemie.

Der Papst wollte aber an ihr festhalten. Die Iraker, so meinte er, dürften nicht ein weiteres Mal enttäuscht werden. Im Jahr 2000 hatte Papst Johannes Paul II einen Besuch dorthin geplant, sagte dann aber wegen politischer Spannungen ab. Franziskus will nun am Sonntag seinen Besuch in der Autonomen Region Kurdistan abschließen und in Erbil eine Messe im Stadion feiern. Bis zu 10.000 Gläubige werden dabei erwartet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. März 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.