Papst-Entscheidung zum "Heiligen Jahr" Priester dürfen Abtreibung vergeben

Stand: 01.09.2015 17:15 Uhr

Katholische Vergebung für Abtreibung? Was bisher nur in Ausnahmen möglich war, soll im kommenden, sogenannten Heiligen Jahr, jedem Priester erlaubt sein. Denn "die Vergebung Gottes könne niemandem versagt werden", entschied Papst Franziskus.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Hörfunkstudio Rom

Papst Franziskus
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Erlaubt ein Jahr lang kirchliche Vergebung für Abtreibung: Papst Franziskus

Mit der Vergebung von Sünden hat die Katholische Kirche Jahrtausende lange Erfahrung. Die Beichte ist das Sakrament, in dem der Priester, wenn denn die Regeln eingehalten werden, den Gläubigen von bekannten Sünden lossprechen kann. Für besonders schwere Sünden aber gibt es im Kirchenrecht auch besondere Verfahren. So kann bei der für die Kirche schweren Sünde einer Abtreibung in den meisten Diözesen der Weltkirche normalerweise nur ein Bischof oder ein von einem Bischof beauftragter Priester Vergebung spenden.

Doch Papst Franziskus macht nun eine Ausnahme: Im Heiligen Jahr, das am 8. Dezember beginnt, können alle Priester weltweit Frauen, die abgetrieben haben oder Männern, die eine Abtreibung durchgeführt haben, vergeben. So steht es in einem Brief an Erzbischof Rino Fisichella, der für die Organisation des Heiligen Jahres zuständig ist und den der Vatikan heute veröffentlicht hat.

Vatikansprecher Federico Lombardi erklärte sogleich, dass das eine Ausnahme ist: "Es ist festgelegt, dass das nur für das Heilige Jahr gilt. Es ist also keine allgemeine Ausweitung der Vorschriften. Das ist zeitlich und auf das Sakrament der Beichte beschränkt, indem die Gültigkeit und Zulässigkeit gesichert ist."

Ausnahmen haben Tradition

Der Papstsprecher begründet das nicht zuletzt mit der Tradition. Schon immer hat die katholische Kirche Pilger nach Rom gelockt mit dem Versprechen von Vergebung und nicht zuletzt mit dem Ablass, das bedeutet nach katholischer Lehre eine Verkürzung oder Aufhebung der Zeit im Fegefeuer, der Läuterung von leichteren Sünden nach dem Tod: "Im Heiligen Jahr gab es immer die Möglichkeit einer großen Amnestie. Das hat Tradition. Damit ruft der Papst aber nicht zu einer Amnestie im juristischen Sinne auf. Das soll ein Zeichen sein für eine Ausweitung der Art, wie sich Barmherzigkeit zeigt, im Sinne, dass sie von Seiten der Kirche leichter zugänglich und erreichbar ist", sagt Lombardi.

Papst Franziskus geht aber über die bisherige Praxis seiner Kirche in den meisten Teilen der Welt deutlich hinaus. Denn Priester auf der ganzen Welt können im Heiligen Jahr von der Sünde einer Abtreibung lossprechen, und besonders an Gefangene hat er gedacht: Die Tür zur Gefängniszelle solle wie eine Heilige Pforte sein, schreibt der Papst, auch in den Gefängniskapellen weltweit wird die Sündenvergebung gewährt. Und sogar die Priester der abspalterischen und ultrakonservativen Piusbruderschaft können im Heiligen Jahr besonders schwere Sünden vergeben.

Die Konservativen sind empört

Dass der Papst ausdrücklich das Thema Abtreibung anspricht, sorgt in konservativen Kreisen für Aufregung - und entsprechend sagt Vatikansprecher Lombardi: "Damit soll die Schwere der Sache nicht verharmlost werden. Die Möglichkeit der Barmherzigkeit wird ausgeweitet, aber indem die Verantwortung dafür betont wird, ernsthafte und fähige Vermittler dieser Barmherzigkeit und dieser Versöhnung zu sein."

Barmherzigkeit ist das Schlüsselwort - das ganze Heilige Jahr steht unter diesem Motto. Für Deutschland ändert sich durch die Anordnung des Papstes aber erst einmal nichts, dort können bisher schon alle Priester Vergebung für eine Abtreibung gewähren. Möglich macht’s eine Sonderregelung. Und das ist wieder typisch katholisch.

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