Merkel und Orban beim Festakt 30 Jahre nach dem "Paneuropäischen Frühstück in Sopron | Bildquelle: AFP

Merkel bei Festakt in Ungarn "Aus dem Picknick wurde ein Weltereignis"

Stand: 19.08.2019 12:54 Uhr

Bundeskanzlerin Merkel hat Ungarn für die Unterstützung bei der Öffnung der Grenzen 1989 gedankt. Sie nahm an einem Festakt in Sopron teil. Ungarns Ministerpräsident Orban betonte, Europas Einheit sei nicht vollendet.

30 Jahre nach dem "Paneuropäischen Picknick" im westungarischen Sopron hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem Festakt die Rolle Ungarns bei der deutschen Wiedervereinigung gewürdigt. Das damalige Picknick sei ein Symbol für die große Freiheitsbewegung geworden. Erst dadurch sei die Massenflucht von DDR-Bürgern über Ungarn 1989 möglich geworden. "Aus dem Picknick wurde ein Weltereignis", hob Merkel hervor.

Die Grenzschützer hätten damals Mut bewiesen, indem sie die Menschlichkeit über die Dienstvorschriften gestellt hätten, so Merkel weiter. Sopron zeige, wie viel Europäer erreichen könnten, wenn sie für die unteilbaren Werte mutig einstünden. Es bedeute ihr sehr viel, an diesem Tag vor Ort zu sein.

Mehr als 600 DDR-Bürgern war am 19. August 1989 die Flucht über die für das Picknick kurzzeitig geöffnete Grenze gelungen. Das Geschehen war der Vorbote zum Fall der Berliner Mauer im November.

Bewegendes Wiedersehen - Zeitzeugen erinnern sich an "Paneuropäisches Picknick"
tagesthemen 22:15 Uhr, 19.08.2019, Christan Limpert, ARD Wien, zzt. Sopron

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Merkel fordert Kompromissfähigkeit

"Sopron ist ein Beispiel dafür, wie viel wir Europäer erreichen können, wenn wir für unsere unteilbaren Werte mutig einstehen", sagte Merkel in der Evangelischen Kirche von Sopron. In Anwesenheit von Ungarns Regierungschef Viktor Orban mahnte sie die Kompromissfähigkeit der EU-Staaten gerade in strittigen Fragen an. "Wir sollten uns stets bewusst sein, dass nationales Wohl immer auch vom europäischen Gemeinwohl abhängt." Ungarn gehört zu den EU-Ländern, die gerade in der Migrationsfrage ihre nationale Interessen unnachgiebig verteidigen.

Merkel genieße "die Wertschätzung der ungarischen Nation", zumal sie stets für den europäischen Zusammenhalt gearbeitet habe und immerhin zum vierten Mal zur Bundeskanzlerin gewählt worden sei, betonte Orban. Die Ungarn hätten immer gewusst, dass die eigene Befreiung von den Sowjets nur durch die deutsche Wiedervereinigung gelingen könne. Daher sei der deutsche Wiedervereinigungsgedanke damals in Ungarn mehr unterstützt worden als in Deutschland.

"Europäische Einheit nicht vollendet"

Allerdings solle Europas Einheit nie als "vollendet" betrachtet werden. Vielmehr müsse sie "von Konflikt zu Konflikt" stets neu erschaffen werden, sagte der rechtsnationale Regierungschef mit Blick auf die deutsch-ungarischen Verstimmungen wegen der Migrationspolitik. Orban fährt seit Jahren einen strikten Kurs gegen Zuwanderung. Deutschland kritisiert illiberale Tendenzen in Ungarn.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. August 2019 um 12:00 Uhr.

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