Selbstmordanschlag in Lahore | Bildquelle: STRINGER/EPA-EFE/REX

Bombenexplosion in Lahore Tote bei Anschlag vor Schrein

Stand: 08.05.2019 11:45 Uhr

Wieder einmal ist ein Sufi-Heiligtum in Pakistan Ziel eines Anschlags geworden. Acht Menschen starben bei der Bombenexplosion vor einem Schrein. Die Behörden befürchten, dass die Zahl der Toten steigen könnte.

Ein Attentäter hat bei einem Anschlag auf einen berühmten Schrein in Pakistan mindestens acht Menschen getötet. In und vor dem Data-Darbar-Schrein in der Großstadt Lahore befanden sich während der Bombenexplosion Hunderte Pilger. Der Angreifer hatte den Sicherheitskräften zufolge seine Sprengstoffweste nahe einem Polizeiwagen gezündet, als Einsatzkräfte ihn vor dem Heiligtum stoppten.

Der Polizeichef Lahores sagte, bei den Todesopfern handele es sich um fünf Polizisten und drei Passanten. Ermittler prüften, ob der Anschlag dem Schrein Data-Darbar selbst oder den davor postierten Sicherheitskräften gegolten habe. Bis zu 25 Menschen könnten verletzt sein. Der örtliche Polizeichef befürchtet, die Zahl der Toten könnte noch steigen, da etliche Verletzte im kritischen Zustand seien.

Anschlag Lahore | Bildquelle: AFP
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Der Angreifer hatte seine Sprengstoffweste nahe einem Polizeiwagen gezündet, als er von Sicherheitskräften gestoppt wurde.

Der Schrein aus dem 13. Jahrhundert ehrt den muslimischen Sufi-Heiligen Ali Hajveri, der dort begraben ist. Er gehört zu den bekanntesten und beliebtesten religiösen Stätten des Landes. Das Heiligtum zieht täglich Tausende Besucher an und zählt zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. 2010 waren bei einem Selbstmordanschlag auf denselben Schrein 42 Menschen getötet und 175 weitere  verletzt worden. An Ramadan, dem islamischen Fastenmonat, zieht es besonders viele Gläubige zum Gebet in das Heiligtum aus weißem Marmor.

Regierung verurteilt den Anschlag

Ein Mitglied der Regierung der Provinz Punjab, Raja Basharat, sagte, der Attentäter hätte noch mehr Menschen in den Tod gerissen, wenn es ihm gelungen wäre, in den Schrein zu gelangen. "Unsere Polizeibeamten opferten ihr Leben, um unschuldige Menschen zu retten", erklärte er. "Gestern hat der Fastenmonat Ramadan begonnen und dieser Akt des Terrorismus zeigt, dass Terroristen keine Religion haben." Der pakistanische Ministerpräsiden Imran Khan verurteilte den Anschlag.

Radikal-islamische Gruppen verüben immer wieder Anschläge auf Sufi-Schreine. Sie halten es für Blasphemie muslimische Heilige zu verehren. Die mehr als 1000-jährige Sufi-Tradition ist in ganz Südasien verbreitet und unterscheidet sich deutlich vom strengen, an Saudi-Arabien orientierten Wahabismus, der die mystische Religionsausübung der Sufi-Schule als Exzess bekämpft. Die Terrororganisation "Islamischer Staat" hatte in der Vergangenheit zahlreiche blutige Attentate auf Sufi-Heiligtümer in Pakistan verübt.

Anschlag in Lahore vor Schrein von Sufisten
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
08.05.2019 12:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Mai 2019 um 08:00 Uhr.

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