Straße mit vielen Passanten während des Corona-Lockdowns in Rawalpindi, Pakistan | Bildquelle: SOHAIL SHAHZAD/EPA-EFE/Shutterst

Muslime in Pakistan Keine Furcht vor Corona

Stand: 15.04.2020 07:45 Uhr

Pakistan beginnt mit der schrittweisen Lockerung der Anti-Corona-Maßnahmen. Öffentliche Versammlungen sollen aber vorerst verboten bleiben. Viele religiöse Führer und Gläubige halten sich allerdings nicht daran.

Von Bernd-Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Auch wenn in Pakistan inzwischen offiziell knapp 6000 Corona-Fälle bestätigt wurden und bereits mehr als 100 Menschen infolge einer Covid-19-Erkrankung gestorben sind, sollen die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie schrittweise gelockert werden.

Die Arbeit in bestimmten Branchen der Wirtschaft könne wieder aufgenommen werden, verkündete Premierminister Imran Khan. Öffentliche Veranstaltungen blieben aber weiterhin verboten. "Schulen und Universitäten bleiben geschlossen, auch öffentliche Versammlungen in Sportstadien, Kinos und anderen Plätzen, wo viele Menschen zusammenkommen, dürfen für weitere zwei Wochen nicht stattfinden", so der Premier.

Moscheen setzen sich über Versammlungsverbot hinweg

Zahlreiche religiöse Führer in Pakistan kündigten an, dass das Versammlungsverbot in den Moscheen nicht mehr angewandt werde. Die Moscheen blieben geöffnet, so Mufti Muneeb-ur Rehman bei einer Pressekonferenz in Karachi - auch während des Fastenmonats Ramadan, der nächste Woche beginnt. Man habe zugesagt, dass man die Empfehlungen, Abstand einzuhalten, befolgen werde. "Alle täglichen fünf Gebetszeiten in den Moscheen, das Freitagsgebet und auch die Gebetsversammlungen während des Ramadan können aber stattfinden", sagte Rehman.

Die Polizei hatte in den vergangenen Wochen versucht, die großen Menschenansammlungen in und vor den Moscheen zu unterbinden. Meist vergeblich, bemängelte der Polizeikommandeur von Karachi, Kunwar Azif Sarfaraz: "Wir bitten die Imame der Moscheen immer wieder darum, ihre Gläubigen dazu zu bewegen, zum Freitagsgebet und auch an anderen Tagen, nicht zur Moschee zu kommen. Aber trotzdem halten sich viele nicht daran. Wir versuchen den Leuten klar zu machen, wie gefährlich dieses Coronavirus ist, dass sie sich selbst und ihre Familienangehörigen, Nachbarn und Freunde in Gefahr bringen können. Manchmal gelingt uns das, aber in vielen Fällen klappt es nicht."

Auch Waquas Ahmed, ein Gläubiger aus Karachi, bestand darauf, fünfmal pro Tag zum Beten in die Moschee zu gehen. "Wir sind Muslime und wir glauben an Allah, das schützt uns. Ein Muslim, der regelmäßig betet, dem kann keine Krankheit und keine Pandemie etwas anhaben." Deshalb trage er auch keine Maske und keine Handschuhe, so Ahmed. "Ich vertraue Allah, mir droht keine Gefahr, außer dem Tod." Nur Ungläubige würden von der Pandemie in Angst und Schrecken versetzt.

Frauen in Karachi warten auf Auszahlung von Hilfsgeldern in der Corona-Krise | Bildquelle: AFP
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Dicht gedrängt warten Frauen in Karachi auf die Auszahlung von Hilfsgeldern.

Wirtschaftskrise befürchtet

Angst vor den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die ohnehin angeschlagene Wirtschaft des Landes hat auch Premierminister Khan. Er appellierte an die reichen Länder, Pakistan die Schulden zu erlassen. Andernfalls könne sein Land die Herausforderungen der Corona-Pandemie nicht bewältigen. "Unsere größte Sorge ist, dass Menschen vor Hunger sterben könnten. Wir stehen also vor dem Dilemma, Todesfälle wegen des Coronavirus zu verhindern, was gleichzeitig bedeuten könnte, dass Menschen wegen der Ausgangssperre verhungern", sagte Khan.

Die Weltbank hat Pakistan inzwischen 200 Millionen US-Dollar für Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie bewilligt. Auch der Internationale Währungsfonds IWF hat ein Corona-Hilfspaket für Pakistan mit einem Umfang von rund sechs Milliarden US-Dollar angekündigt.

Versammlungsverbot in Pakistan bleibt bestehen
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
15.04.2020 07:01 Uhr

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