Proteste gegen den Freispruch der Christin Asis Bibi in Islamabad | Bildquelle: AFP

Proteste in Pakistan Hunderte Festnahmen im Fall Asia Bibi

Stand: 05.11.2018 11:25 Uhr

Der Fall Asia Bibi sorgt weiter für Unruhe in Pakistan. Nach massiven Protesten von Islamisten gegen den Freispruch der Christin wurden Hunderte Menschen festgenommen. Bibis Mann fürchtet um das Leben der Familie.

Seit die Christin Asia Bibi in Pakistan wegen des Vorwurfs der Blasphemie freigesprochen wurde, gibt es landesweit Proteste gegen die Entscheidung des Obersten Gerichts. Die Polizei in der Provinz Punjab nahm Hunderte Demonstranten fest. "Wir haben Personen festgenommen, die verdächtigt werden, Polizisten verletzt oder privates und öffentliches Eigentum beschädigt zu haben", sagte Polizeisprecher Basharat Ali.

Lokalen Medienberichten zufolge wurden in der Provinz bisher mehr als 1100 Personen in Haft genommen. Unter den Festgenommenen sind nach Angaben der radikalislamischen Gruppe Tehreek-e-Labaik Pakistan (TLP) mehr als 500 ihrer Anhänger. "Unsere Leute werden anstelle von Schurken inhaftiert", kritisierte TLP-Sprecher Zubair Kasuri. Die Aktion werde sich nachteilig auf den Frieden auswirken.

Freigesprochen, aber noch lange nicht in Freiheit

Asia Bibi | Bildquelle: BIBI FAMILY/HANDOUT/EPA-EFE/REX/
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Asia Bibi hat das Land noch nicht verlassen.

Die TLP hatte die landesweiten Straßenproteste organisiert, nachdem Bibi am Mittwoch nach acht Jahren in der Todeszelle freigesprochen worden war. Die Demonstrationen ebbten nach einem Abkommen der TLP mit der Regierung allerdings ab. Demnach will Islamabad einen Revisionsantrag gegen die Entscheidung des Obersten Gerichts zulassen und Bibi hindern, das Land zu verlassen.

Pakistans Informationsminister Fawad Chaudry sagte der BBC, das Abkommen mit den Islamisten sei notwendig gewesen, "um die Situation gewaltlos zu lösen". Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz Bibis seien erhöht worden. Ihr Leben sei nicht in Gefahr.

"Meine Familie hat Angst"

Bibis Ehemann allerdings fürchtet nun um das Leben seiner Familie und seiner Freunde. Das Abkommen der Regierung mit den Islamisten habe ihn erschauern lassen, sagte er der Deutschen Welle. Dazu hätte es nie kommen dürfen. "Meine Familie hat Angst, meine Verwandten haben Angst und auch meine Freunde haben Angst", sagte Masih dem Sender. Die 51-jährige Bibi befindet sich demnach weiter im Gefängnis. Masih Bibi bat Großbritannien, Kanada und die USA um Asyl.

Ihr Anwalt Saif-ul-Malook hat Pakistan inzwischen verlassen und ist in die Niederlande geflohen. Eine Stiftung für verfolgte Christen teilte mit, sie habe ihn aufgenommen. Die Stiftung HVC unterstützt nach eigenen Angaben seit mehreren Jahren die Verteidigung Bibis.

Pakistanische Medien hatten in den vergangenen Tagen gemutmaßt, die Freigelassene könne das Land bereits verlassen haben. Bibi war vorgeworfen worden, sich bei einem Streit mit muslimischen Frauen in ihrem Dorf abfällig über den Propheten Mohammed geäußert zu haben. Die fünffache Mutter war 2009 festgenommen und im Jahr darauf nach dem Blasphemiegesetz in dem vorwiegend muslimischen Land zum Tode verurteilt worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 02. November 2018 um 07:10 Uhr.

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